„Wir erleben keine Klimakrise, sondern einen Klimawandel.“ Dieser feine Unterschied ist Rainer Seele wichtig.

OMV-Chef Rainer Seele: „Die Klimadebatte ist hysterisch“

OMV-Chef Rainer Seele glaubt nicht an eine Zukunft ohne Öl und Gas. Der Mensch könne den Klimawandel managen. Wenn er nur endlich an den richtigen Schrauben drehte.

Die Presse: Das Klimathema dominiert die öffentliche Debatte wie selten zuvor. Staaten schmieden Pläne für den Ausstieg aus Öl und Gas. Läuft der OMV hier mittelfristig das Geschäft davon?

Rainer Seele: Nein. Erdöl und Erdgas werden derzeit wesentlich stärker nachgefragt. Langfristig stellt sich die OMV darauf ein, dass die Nachfrage zurückgehen wird. Wir haben ja auch endliche Ressourcen. Aber sie wird nicht auf null zurückgehen. Darum bringt es uns nicht weiter, wenn wir sagen: Ab morgen brauchen wir kein Öl und Gas. Das ist schlichtweg unrealistisch.

Dennoch fordern FPÖ, Grüne und Neos genau das von der teilstaatlichen OMV. Den Abschied vom fossilen Geschäft bis 2040.

Das habe ich gelesen. Und ich weiß, dass in Österreich Wahlkampf ist. Bei der OMV wollen wir unsere Emissionen bis 2025 um ein Fünftel verringern – und auch dann nicht damit aufhören. Das ist Teil unserer Strategie. Aber eine Zukunft ohne Öl und Gas ist es sicher nicht. Ich finde diese Diskussion mit den Extremen nicht zielführend. Wir müssen den Menschen ein realistisches Szenario vorlegen. Der Wettbewerb, welches Unternehmen als erstes „klimaneutral“ sein wird, sollte in erster Linie ein Wettbewerb der Innovationen sein.

Hat die Klimadiskussion aus Ihrer Sicht den richtigen Stellenwert?

Das Thema ist zu Recht angekommen. Aber ich erlebe auch eine stark hysterische Klimadebatte. Man muss sich immer überlegen, ob man hier übertriebene Statements abgeben will, die die Bevölkerung verängstigen. Man sollte vorsichtig sein, mit den Ängsten der Menschen zu spielen. Nicht jeder ist als Wissenschaftler ausgebildet worden und kann das kritisch hinterfragen.

Als Chemiker haben Sie es da leichter?