Kolumne

Auf gute Nachbarschaft

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Sprechblase Nr. 308. Warum es so schön ist, „xy-affin“ zu sein.

Bitte nicht so streng sein. Oder anders gesagt: Man darf das schon ein bisschen großzügiger sehen. Und man soll sich nicht gleich ärgern, wenn sich jemand selbst als – Achtung, Sprechblase – „xy-affin“ bezeichnet.

Es ist nämlich so: Wer jemals eine zweistündige Fortbildung absolviert hat, darf sich durchaus als bildungsaffin bezeichnen. (Kling affig, aber wir wollen ja großzügig bleiben.) Wer ein Tabellenkalkulationsprogramm am Computer startet, gilt als informatikaffin, und wer dem Trend zum Zweitbuch folgt, als literaturaffin.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Es braucht also keine Spur von Wesensverwandtschaft, auf die das Wort Affinität schließen ließe. Viel mehr bewegen sich die xy-Affinen sehr nahe an der Wortwurzel. Affinis heißt ja, da muss man nur ein bisschen lateinaffin sein, benachbart. Na dann: Auf gute Nachbarschaft.

 

In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter des Ressorts "Management & Karriere" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.

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