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Kunst

Zweimal Leonardo, zweimal Meisterinnen

Symbolbild mechanischer Löwe von Leonadro da Vinci.
Symbolbild mechanischer Löwe von Leonadro da Vinci.(c) APA/AFP/THOMAS SAMSON (THOMAS SAMSON)

Der Herbst gehört den Alten Meistern. Allen voran ist die große Leonardo-Schau im Louvre.

Ob der „Salvator Mundi“, das teuerste bisher versteigerte Gemälde, am 24. Oktober bei der großen Leonardo-Retrospektive im Louvre wirklich zu sehen ist, ist einen guten Monat vor der Eröffnung immer noch unklar. „Wir haben das Bild angefragt und warten auf Antwort“, ist die Auskunft, die auch die „Presse am Sonntag“ aus dem Pariser Museum bekommt. Natürlich warten auf diese Antwort alle, denn seit seiner Versteigerung um 450,3 Mio. Dollar vor zwei Jahren ward das umstrittene Werk nicht mehr gesehen. Die Fachwelt zerrauft sich im Streit um seine Authentizität, irgendwo in Abu Dhabi kränkt sich derweil der neue Besitzer. Und scheint keine sonderliche Lust darauf zu haben, die Meute vor seine Beute zu lassen.

So oder so steht der Ausstellungsherbst dieses Jahres im Zeichen von Leonardos 500. Todestag. Der Louvre zeigt in seiner großen Ausstellung, für die man sich unbedingt einen Timeslot reservieren muss, 120 Gemälde, Zeichnungen, Manuskripte und Skulpturen. Die „Mona Lisa“ wird an ihrem gewohnten Platz in den Galerien bleiben und der Sonderschau huldvoll aus der Ferne zulächeln. Dafür darf man ihr, wie angekündigt wird, mit einer Virtual-Reality-Brille näher kommen, als man das bisher für möglich hielt (24. Oktober bis 24. Februar).

Ein immersives Leonardo-Spektakel. Ebenfalls ein recht fantastisches Spektakel inszeniert die National Gallery in London rund um ihren Leonardo: die zweite Version der Felsgrottenmadonna (die erste Version ist im Louvre). „Leonardo. Experience a Masterpiece“ (9. November bis 12. Jänner) reinszeniert das Atelier des Malers, aber auch eine Kapelle, in der man dann im letzten Raum vor das Original tritt. „Immersiv“ ist auch bei Altmeister-Ausstellungen anscheinend das Wort der Stunde.
Altmeisterinnen halten im Prado vergleichsweise altmodisch dagegen. Dafür ist das Thema umso spannender. Zusammengespannt werden hier Sofonisba Anguissola and Lavinia Fontana. Letztere kennt man weniger. Sie ist eine nur etwas jüngere Zeitgenossin der berühmten Anguissola in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. 60 Gemälde hat man von den beiden zusammengetragen. Das sollte von 22. Oktober bis 2. Februar ein paar Stereotype über Malerinnen ins Schleudern bringen.

Neben Paris ist in diesem Herbst aber Wien „the place to be“ für Liebhaber Alter Meister. Neben Dürer in der Albertina zeigt das KHM die ebenfalls spektakuläre „Caravaggio & Bernini“-Ausstellung. Im Gegensatz zur Albertina bleibt man hier den bei Bruegel getesteten Timeslots übrigens treu.

Also bitte reservieren: vom 15. Oktober bis 19. Jänner unter www.shop.khm.at/tickets.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2019)