Testbericht

Sony WF-1000XM3: In-Ear-Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung

Sie sind klein, halten lange durch und gönnen einem Stille auch in typisch lauten Gegenden, wie dem Großraumbüro, den U-Bahnen oder im Flugzeug. Die In-Ear-Kopfhörer von Sony mit dem wenig einprägsamen Namen WF-1000XM3 gehören zu jenen Kopfhörern. "Die Presse" hat sie getestet.

Die kabellosen Apple-Kopfhörer AirPods wurden schnell vom Spottobjekt zu den meistgetragenen Kopfhörern. Zahlreiche Hersteller legten nach, um sich auch ein Stück vom Kuchen zu sichern. Obwohl Apple nicht der erste Hersteller solcher Ohrhörer war, gelang es dem iPhone-Konzern wieder einmal Trendsetter zu sein.

Sony als Elektronikmulti musste zwar im Smartphone-Bereich in den letzten Jahren einige Rückschläge hinnehmen, aber im Audio-Segment ist man weiterhin gut unterwegs. Mit dem On-Ear-Modell WH-1000XM3 setzten die Japaner neue Maßstäbe im Bereich der Geräuschunterdrückung und beim Klang. Diese Standards in die viel kleineren In-Ear-Geräte zu übertragen ist eine Herausforderung.

Die Stöpsel bringen jeweils 5,5 Gramm auf die Waage.(c) Sony

Die 250 Euro teuren Modelle werden via Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelt. Trotz des relativ hohen Preises hat man auf einen internen Speicher verzichtet. Wer auf der Suche nach sporttauglichen Geräten ist, ist mit den WF-1000XM3 nicht gut beraten, denn eine Wasserfestigkeit ist nicht gegeben.

Die Kopfhörer kommen in einem recht voluminösen Ladecase. Binnen kürzester Zeit kann das Musik hören wieder fortgesetzt werden. Die Herstellerangaben, dass zehn Minuten ausreichen, um wieder 90 Minuten durchgehend die Kopfhörer nutzen zu können, konnte im Test bestätigt werden.

Die Kopfhörer werden magnetisch in der Ladebox gehalten.(c) Sony

Generell sind die WF-1000XM3 nur schwer richtig leer zu bekommen. Nach knapp vier Tagen im Einsatz im Büro und unterwegs mussten Kopfhörer samt Ladecase an den Strom. Dabei verlängert sich die Akku-Ausdauer, wenn Noise-Cancelling deaktiviert ist. Geladen wird die Ladebox über das mitgelieferte USB-Typ-C-Kabel.

Der Tragekomfort

Das menschliche Ohr ist einzigartig. Ohren und Gehörgänge unterscheiden sich stark. Im Gespräch mit Freunden, Familie und Arbeitskollegen zeigt sich immer wieder: Der Tragekomfort ist ein sehr individuelles Erlebnis. Manche hätten zwar gerne AirPods, können sie aber nicht tragen, da sie ständig aus den Ohren fallen. Andere hingegen monieren bei In-Ears das Gefühl, dass sie sich regelrecht "ins Ohr saugen". Eine kleine Gruppe scheut wiederum den Kauf vor On-Ears, da diese sie zu sehr an die 80er erinnern würden. Es ist kompliziert.

Sony versucht diese Individualität mit einer großen Anzahl an Aufsätzen zu bedienen. Hier sollte für jeden etwas dabei sein. Es gibt die typischen Silikon-Buds und weichere Schaumstoff-Aufsätze, ebenfalls in verschiedenen Größen. Beim Ausprobieren fällt auf, die Testerin braucht verschieden große Aufsätze. Damit ließ sich auch das Herausfallen beim Laufen verhindern, trotz fehlenden Bügels.

Mit knapp 8,5 Gramm pro Knopf sind die Kopfhörer keine Leichtgewichte, aber sehr gut austariert. Sie halten sehr gut und werden auch bei längerem Einsatz nicht zu schwer.

Die Stille im Trubel

Geräuschunterdrückung kann Sony, das hat das Unternehmen bereits bei den On-Ears bewiesen. Damit die Umgebung in Watte verschwindet, wurde der HD-Prozessor QN1e entwickelt. Er erkennt und ermittelt Umgebungsgeräusche und sorgt für deren Unterdrückung auf "fast allen Frequenzen", wobei leichte Schwächen im hochfrequenten Bereich zu erkennen waren. Einerseits hat man die Möglichkeit selbst zu bestimmen, wie stark die Geräuschunterdrückung sein soll, oder man lässt die Kopfhörer mittels Smart Noise Cancelling übernehmen.

Smartes Noise Cancelling: Ein nach vorne und ein nach hinten gerichtetes Mikrofon in den Kopfhörern lauschen der Umgebung. Diese übernehmen den Grad der Geräuschunterdrückung, damit verhindert wird, dass zum Beispiel der Straßenverkehr zu sehr gedämpft wird. Die Steuerung übernimmt die App. Sie ermittelt den Standort per GPS. Die Mikros nehmen die Umgebung auf. Binnen weniger Sekunden wird dann die richtige Mischung an Musikwiedergabe, Geräuschunterdrückung und Durchlässigkeit der Umgebungsgeräusche ermittelt. Dies funktionierte im Test sehr gut. Man kann aber auch die Einstellungen individuell übernehmen.

Es gibt mehrere Einstellungsmöglichkeiten bei der Geräuschunterdrückung. Dafür eignet sich die Installation der kostenlosen App Sony Headphones Connect. Die Kopfhörer funktionieren zwar auch ohne App tadellos, aber beim Feintuning bezüglich der Gestensteuerung (auch bekannt als Touch-Bedienung) und der Geräuschunterdrückung macht es sich bezahlt. In der stärksten Stufe (man kann sich selektiv Umgebungsgeräusche einblenden lassen) ist das Noise Cancelling wirklich sehr gut. Selbst die Turbinen im Flugzeug unterdrücken die kleinen Knöpfe. Das Dröhnen schafft es meist auch bei guten Kopfhörern noch durch zu kommen.


Das Klangerlebnis

Der Klang beim Abspielen von Musik ist gewohnt hochwertig. Die Mitten und Höhen sind klar, aber nicht omnipräsent. Der Bass ist stark und klar, ohne überbetont zu sein. Die Lautstärke ist ebenfalls sehr gut und überrascht ob des Resonanzkörpers.

Der Lieferumfang der WF-1000XM3.(c) Sony


Die Touch-Bedienung auf den Kopfhörern

Es hat sich mittlerweile durchgesetzt, dass Kopfhörer über Touchflächen verfügen. Bei großflächigen On-Ears ist das auch durchaus praktisch, sobald man sich blind an die Positionierung der einzelnen Elemente gewöhnt hat. Je kleiner die Stöpsel aber werden, umso mühsamer wird es. Zwar kann man in der App einstellen, welche Bedienelemente man gerne auf die Kopfhörer übertragen möchte, aber Lautstärke steht hier nicht zur Wahl.

Man kann aber die Musik pausieren oder mit einer leichten Berührung die Umgebungsgeräusche einfließen lassen oder gar den Google Assistenten bemühen. In allen Fällen erwies sich diese Funktion als mühsam und unbrauchbar. Lediglich das Pausieren funktionierte. Der Rest war eher von nervigem Tipp- und Klopfversuchen geprägt. Und schlussendlich wurde das Smartphone wieder zur Fernbedienung.

Die Kopfhörer in Einzelteile zerlegt.(c) Sony

Fazit: Die Touch-Bedienung ist nett, aber im Praxiseinsatz nicht wirklich von Vorteil. Dass kein interner Speicher vorhanden ist, ist aufgrund der fixen Anbindung an das Smartphone kein großes Manko. Dass die Kopfhörer aber nicht einmal Spritzwasserfest sind, ist bei diesem Preis jedoch tatsächlich zu kritisieren. Für 250 Euro suchen diese Kopfhörer Nutzer, die vor allem im Bereich Klang und Geräuschunterdrückung hohe Maßstäbe haben. Für den Sport muss man sich aber Alternativen überlegen.

Disclaimer

Die WF-1000XM3 wurden uns für einen Zeitraum von zwei Wochen zur Verfügung gestellt.