Tiroler Aufdecker entlarvt Methoden des Journalisten Club

Screenshot der Recherche von Markus Wilhelm.
Screenshot der Recherche von Markus Wilhelm.Screenshot

Markus Wilhelm zeigt wie „die Herren vom Österreichischen Journalisten Club“ mit dem Claus-Gatterer-Preis viel Geld verdient haben. Mit dem Preis geehrt wurden prominente Journalisten des Landes, von Armin Wolf bis Florian Klenk.

Ende August lehnte der Tiroler Blogger und Aufdecker Markus Wilhelm den mit 10.000 Euro dotierten Claus-Gatterer-Preis des „Österreichischen Journalisten Club“ (ÖJC) mit einer ausführlichen und plausiblen Begründung ab. Es sei nichts gegen den schon verstorbenen Südtiroler ORF-Journalisten Claus Gatterer (1924-1984) zu sagen, auch nichts gegen die vielen renommierten Journalisten, die den Preis bereits zuerkannt und angenommen haben (von Armin Wolf und Peter Resetarits, Margarethe Kopeinig bis Florian Klenk). Er könne den Preis nicht annehmen, weil er damit Arbeit und Methoden des ÖJC und seiner Sponsoren gutheißen und unterstützen würde.

Nun legt Wilhelm auf seiner Webseite dietiwag.org mit einer Recherche nach, die zeigt, was er mit diesen Methoden gemeint hat. Konkret zeigt er auf, wie „die Herren vom ÖJC“, Fred Turnheim und Oswald Klotz, in den vergangenen Jahren Geld verdient haben. Er wirft ihnen „Parasitismus am kritischen Journalismus“ vor. 6700 Mitglieder hat der Verein, der Podiumsdiskussionen organisiert und seit 1984 mit Partnern (wie seit diesem Jahr das Land Burgenland und die Esterházy-Betriebe) den Gatterer-Preis verleiht. Es sind allerdings nur wenige aktive, seriöse Journalisten unter den Mitgliedern, wie Wilhelm behauptet.

Wilhelm veröffentlicht Dokumente, die zeigen, dass der Verein den Sponsoren für die Ausrichtung des Gatterer-Preises mitunter das Neunfache des Preisgeldes verrechnet hat, darunter etwa 2861,95 Euro für das Verschicken von 8177 E-Mails, abgerechnet mit fragwürdigen 0,35 Cent pro Mail. Das Land Südtirol sponserte jahrelang den Preis wegen Gatterers Südtiroler Herkunft mit beträchtlichen Summen, fühlte sich aber zunehmend vom ÖJC unter Druck gesetzt, immer mehr zu zahlen. Ein Südtiroler Journalist nennt das im Tiwag-Blog wörtlich: „Die Wiener melkten die Südtiroler, wo es nur ging“. Die Partner trennten sich 2018, Turnheim fand andere Sponsoren (das Land Burgenland) und Südtirol lobte einen eigenen Preis für Schüler aus unter dem Titel „Junger Claus-Gatterer-Preis“, worauf der ÖJC das Land wegen Markenrechtsverletzung verklagte. Der Preis heißt jetzt nur „Claus“.

Zuletzt hatten sich einige Journalisten, darunter Peter Huemer und Kurt Langbein aus der Jury des ÖJC-Gattererpreises zurückgezogen.

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