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Sicherheit: Automatisierung ist auch eine Gefahrenquelle

Brand in einer Lagerhalle in Mettmach (Bezirk Ried) im Juli dieses Jahres.
Brand in einer Lagerhalle in Mettmach (Bezirk Ried) im Juli dieses Jahres.(c) APA/MANFRED FESL
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Um Logistikzentren nach den bestehenden Brandschutzbestimmungen auszurichten, muss ein Normen- und Richtliniendschungel durchwandert werden. Ein erhöhtes Risiko geht von geschlossenen Beförderungssystemen aus.

Ein Brand in einem Logistiklager kann die Existenz eines Unternehmens gefährden. „Bei neueren Logistikzentren in Österreich ist der Standard im vorbeugenden beziehungsweise abwehrenden Brandschutz aber bereits sehr gut, da in der Planungsphase Gesetze sowie relevante Richtlinien und Normen schon mitberücksichtigt werden“, sagt Markus Peckary von W. Wienerl Feuerlöschtechnik. Das Unternehmen aus Wiener Neudorf zählt zu Österreichs Spezialisten im vorbeugenden Brandschutz und ist Mitglied beim Österreichischen Brandschutzverband (ÖBV).

 

Zahlreiche Auflagen

Zu den Normen zählen unter anderem die Arbeitsstättenverordnung (AStV), das Arbeitnehmerschutzgesetz (ASchG) oder die Richtlinien des Österreichischen Instituts für Bautechnik (OIB) beziehungsweise die Technischen Richtlinien Vorbeugender Brandschutz (TRVB). Bestimmt und erarbeitet werden die Bestimmungen in unterschiedlichen Ausschüssen und Arbeitskreisen. „Äußerst relevant sind hier vor allem die TRVB-Arbeitskreise und das Normungsinstitut Austrian Standards“, erklärt Peckary, der darauf hinweist, dass neben den gesetzlichen Auflagen auch die Vorgaben der Versicherungen immer mehr werden. „Sprich: Mehr Brandschutz bedeutet weniger Prämie. Somit ist beispielsweise eine Brandmeldeanlage in modernen Zentren schon fast Standard.“ Bei älteren Objekten verhält es sich laut Peckary oft nicht so einfach, da ältere Bescheide und die damit verbundenen Auflagen nicht dem Niveau von heutigen entsprechen. „Zwar ist man verpflichtet, bei Umbauten in bestehenden Objekten auf den aktuellen Standard auf- oder umzurüsten, dies gestaltet sich oftmals aber nicht so einfach und ist daher meistens mit großen Kosten verbunden.“

 

Risiko bei Holzbauten gering

Vor gut einem Jahr realisierte das Architekturbüro Poppe/Prehal Architekten aus Steyr das iLogistics Center in Fischamend (OÖ). Ein Gewerbebau mit 4200 Kubikmeter verbautem Holz, mit bis zu 23 Meter langen Holzträgern. Ein Statement für den Klimaschutz, aber wie sieht es mit dem Brandschutz aus? Auf den ersten Blick würde der Laie vermuten, dass ein Holzbau einem größeren Brandrisiko ausgesetzt ist. „Das Brandrisiko geht aber in erster Linie nicht vom Gebäude aus, sondern von den Waren, die in einem Logistikzentrum gelagert sind“, sagt Helmut Poppe. „Ein Holzgebäude mit diesen Ausmaßen hat in Wahrheit ein eher geringes Brandrisiko, weil die Dimensionen der Stützen und Träger so groß sind, dass ein Abbrand der Holzteile in der Regel gar nicht möglich ist.“ Die Brandschutzbestimmungen unterschieden sich daher nicht wesentlich von denen eines herkömmlichen Logistikzentrums. Bei neuen Zentren wird Brandschutzbestimmungen generell ein hoher Stellenwert eingeräumt, was für Architekten eine spezielle Herausforderung darstellt. „Die Brandschutzbestimmungen sind auf verschiedene Sparten aufgeteilt, die sowohl die Architektur als auch Haus- und Elektrotechnik sowie andere Planungsbereiche betreffen. Hier sind wir nicht nur als Architekten, sondern vielmehr als Generalplaner gefordert“, erläutert Poppe. Mit ein Grund, warum Poppe/Prehal Architekten bei dieser Gebäudekategorie zusätzlich zu den architektonischen Leistungen oftmals als Generalplaner fungieren.

In vielen Logistikimmobilien halten vermehrt vollautomatisierte Warenpaternoster Einzug. Dabei handelt es sich häufig um Lagerhallen, in denen fertige Brandschutzkonzepte mit Sprinkleranlagen vorhanden sind. Das Problem: Warenpaternoster sind geschlossene Systeme innerhalb der Gebäude. Ein dort ausbrechender Brand kann von den Sprinkleranlagen nicht gelöscht werden. „Der hohe Automatisierungsgrad erhöht zudem die Gefahr von Kabelbränden und Überhitzung an den Hochleistungsförderanlagen“, sagt Markus Brunner, Geschäftsführer der Austrian Aerosol GmbH. Austrian Aerosol vertreibt hierzulande Aerosol-Löschsysteme, die als günstige, leicht nachzurüstende und wartungsfreie Alternative zu herkömmlichen Gaslösch- oder Sprinkleranlagen gelten. Im Vergleich zu Wasser oder Schaum ist nur ein Bruchteil der Löschmittelmasse notwendig. „Außerdem entfällt das Risiko eines Totalschadens, das durch den Einsatz von Wasser besteht“, erläutert der Experte.

 

Nebel erstickt Flammen

Aerosol-Löschsysteme bestehen aus Edelstahl. Darin befindet sich das Löschmittel als Feststoff und steht nicht unter Druck. Aerosol wird nicht geflutet, sondern steht wie Nebel im Raum, kommt in jede Ritze und hält sich lang in der Luft. Dadurch können auch Kettenreaktionsbrände gelöscht werden – etwa, wenn bei einem defekten Lithium-Akku einzelne Zellen zeitlich versetzt explodieren. Außerdem sind die Einheiten so kompakt, dass sie auch in geschlossene Systemen mit beschränktem Platz eingebaut werden können.

Auf einen Blick

Die Brandschutzbestimmungen und Auflagen für Logistikzentren richten sich unter anderem nach Nutzungsart, Größe und Lage eines Objektes sowie Anzahl der Personen und Art der Lagerungen. Brandmeldeanlagen mit Sprinkleranlagen gehören mittlerweile zum Standard, bei hohem Technisierungsgrad eines Lagers raten Experten zu Aerosol-Löschsystemen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2019)