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Spionage als Dienstleistung

Die Sammelwut des Webkonzerns Google ist legendär. Was passiert aber, wenn diejenigen, die sie eindämmen sollen, selbst spionieren?

Haben Sie sich schon einmal selbst gegoogelt? Wenn Sie schon öfter Google genutzt oder sich im Internet bewegt haben, werden Sie erstaunt sein, was Sie alles über sich finden können. Kein Wunder, immerhin wird alles genau aufgezeichnet. Dafür erhält man auch Suchergebnisse, die auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Spionage als Dienstleistung? Die meisten Österreicher scheinen diesen Handel für die kostenlose Nutzung der Google-Dienste gern einzugehen. Oder zumindest zu glauben, dass keine Gefahr droht, wenn ihre Daten im Netz stehen.

Doch wo ist die Grenze? Kaum einer würde dieselbe Gleichgültigkeit an den Tag legen, wenn ihn ein freundlicher Herr in Google-Uniform den ganzen Tag begleitete und Notizen über alle Tätigkeiten machte. Nun, Google hat immerhin noch einen Riegel: die Gesetzeslage. Doch was ist, wenn diejenigen, die die Gesetze machen, selbst dem Spionagewahn verfallen? Die Geschichte zeigt, dass die Möglichkeiten unendlich sind. Überwachungskameras, weitergegebene Swift-Daten und Onlinedurchsuchungen sind schon jetzt Alltag. Das nächste Projekt von EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström: Internetsperren. Und das, obwohl Deutschland solche Pläne richtigerweise wieder ad acta gelegt hat.

Aber wir haben ja nichts zu verbergen. Was macht dann eigentlich noch das „privat“ in Privatsphäre?


daniel.breuss@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2010)