Huawei: Trump zwingt uns nicht in die Knie

Huawei kokettiert mit Österreich. Noch fehlt es dem Unternehmen an fixen Zusagen für den 5G-Ausbau. Auf dem Archivbild: Ein Huawei-Shop in Shanghai.
Huawei kokettiert mit Österreich. Noch fehlt es dem Unternehmen an fixen Zusagen für den 5G-Ausbau. Auf dem Archivbild: Ein Huawei-Shop in Shanghai.APA/AFP/HECTOR RETAMAL

Am ersten Huawei-Shop in Europa in der Wiener Kärntner Straße wird intensiv gearbeitet. Nun bestätigen ChaoBin Yang und Austin Zhang auch die Pläne für ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum. Das soll die Voraussetzungen für Huaweis Beteiligung am 5G-Ausbau erleichtern.

„Wir sind gekommen, um zu bleiben“, der deutschen Gruppe Wir sind Helden, scheint Huaweis aktuelles Credo zu sein. Der US-Bann wird Huawei sicherlich nicht in die Knie zwingen. Eine Kernaussage des Huawei-Chefs für 5G, ChaoBin Yang und seinem Kollegen Austin Zhang, die anlässlich des Darwin's Circle in Wien sind. Dass US-Unternehmen jegliche Zusammenarbeit mit dem chinesischen Netzwerkausrüster untersagt ist, soll - zumindest nach Außen - als Vorteil verkauft werden: „Wir sind nicht abhängig von den USA. Schon vor zehn Jahren haben wir begonnen, autark zu werden“, betont Zhang gegenüber der „Presse“. Stand heute, beinhaltet die 5G-Infrastruktur keine US-Komponenten. Eine Zusammenarbeit mit den Amerikanern in der Zukunft schließe man nicht aus. Doch in der Zwischenzeit gilt Europa und insbesondere Österreich die gesamte Aufmerksamkeit.

Von den bereits weltweit 50 unterzeichneten 5G-Verträgen, wurden 28 in Europa abgeschlossen. Mehr als 200.000 5G-Basisstationen seien bereits ausgeliefert worden. Mit mehr als 2570 5G-Basispatenten halten die Chinesen bei einem Marktanteil von 20 Prozent. Damit ist der in Kritik geratene Ausrüster die Nummer eins unter den weltweiten Anbietern.

ChaoBin Yang ist Präsident der 5G-Produktlinie und bereits seit 1998 im Unternehmen. Bis 2011 war er maßgeblich für die LTE-Produktlinie (4G) verantwortlich.(c) Paparazzo Christian

Huawei legt Quellcode offen

Für eine bessere Zusammenarbeit mit den Regierungen und "um eine Basis für Vertrauen zu schaffen", gebe es in Großbritannien, Belgien und Frankreich bereits Cybersecurity-Transparenzzentren. Es gibt bereits einen Rahmenkatalog für Ausrüster in Europa, betonte Zhang. Im Oktober werde die EU Anforderungen veröffentlichen, bei denen auch Österreich federführend mitgewirkt habe. Darin sollen die Sicherheitsbestimmungen und -Anforderungen definiert sein.

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In Großbritannien habe das Zentrum dazu geführt, dass das britische National Cyber Security Centre (NCSC) die 5G-Technologie und Komponenten untersuchen konnten. Sie kamen anders als die USA zu dem Schluss, dass das von Huawei ausgehende Risiko "durchaus beherrschbar" sei. Dass ein Telekomzulieferer seine „Source Codes“ einem fremden Geheimdienst zur Evaluation vorlegt ist überhaupt ein Novum. Zumindest ist bis jetzt kein einziger solcher Fall bekannt. In dem Bericht heißt es auch, dass die sicherheitsrelevanten Aspekte weniger entscheidend sind als die geopolitischen.

„Das Netz der USA ist alt und unsicher"

"Wir waren nie in den Netzwerkausbau der USA beteiligt. Außerdem ist das Netz veraltet und unsicher, im Vergleich zum Europäischen. Einen Lieferanten explizit auszuschließen, bedeutet im Umkehrschluss nicht, Sicherheitsprobleme zu lösen", betont ChaoBin Yang. Es sei nicht nachvollziehbar, wieso die USA diesen Fehler in Europa replizieren wollen.

Anscheinend will man auch in Österreich erreichen, dass Regierung und Netzbetreiber zum selben Schluss kommen, wie die Briten. 12.200 Mitarbeiter der 188.000 Mitarbeiter sind in Europa. Auch wenn der polnische Markt gemessen an den Verkaufszahlen wichtiger ist, wird der erste eigene Huawei-Store in Wien eröffnen. Auch ein Forschungs- und Entwicklungszentrum sind geplant, wie nun offiziell gegenüber der „Presse" bestätigt. Man befinde sich aber noch im Anfangsstadium. Ein geeigneter Ort müsse gesucht werden, Mitarbeiter gefunden und auch der "genaue Zweck des Zentrums" müsse noch beschlossen werden, erklärte Zhang. Aber "Österreich ist deswegen so interessant, weil das Land auch eine Expertise in der Automobilbranche besitzt".

Der seit Mai anhaltende Bann gegen Huawei bringt das Unternehmen aber immer mehr in Zugzwang. In Österreich will sich aktuell kein Betreiber öffentlich zu einer Zusammenarbeit mit Huawei bekennen. Mobilfunker Drei (Hutchison) hat sich schon bei 4G für den chinesischen Mitbewerber ZTE entschieden. Es ist wahrscheinlich, dass sich daran nichts ändert. Die Telekom Austria schloss bereits im März einen millionenschweren Deal mit dem finnischen Ausrüster Nokia ab. Offen ist nach wie vor, ob Magenta weiterhin mit dem Lieferanten zusammen arbeiten wird. Der Anbieter will aber beim Ausbau nicht nur auf einen Anbieter setzen. Huawei selbst bezeichnet sich als "Technologie-Partner und Lieferant der drei großen Mobilfunkbetreiber". Auch die ÖBB, acht Universitäten und zehn Forschungsinstitutionen seien Partner.

Austin Zhang ist Leiter der Zentral- und Osteuropäischen Region. Aktuell ist er in Polen und kümmert sich dort um den 5G-Ausbau.(c) Paparazzo Christian

"Wir arbeiten seit 20 Jahren mit europäischen Anbietern zusammen. Ein Bann wurde hier noch nie gegen uns ausgesprochen", betont Zhang.

Der Nutzen von 5G

Seit den Anfängen von 5G wird die Bedeutung des Mobilfunkstandards in Bezug auf autonomes Fahren und sehr kurze Downloadzeiten betont. ChaoBin Yang, der seit 1998 für Huawei tätig ist, betonte, dass 5G "einen gesellschaftlichen Nutzen hat und dazu beiträgt, soziales Ungleichgewicht abzubauen". Dies soll durch den Zugang zu Dienstleistungen, Fernbehandlungen (Telemedizin) und Online-Bildung möglich werden.

Außerdem trage 5G dazu bei, "CO2-Emissionen zu reduzieren und natürliche Ressourcen zu schützen". Möglich werde das durch die um 30 Prozent energieeffizientere Active Antenna Unit. Dies spare Betriebskosten und sei zudem umweltfreundlicher.

Huawei hat ein Ablaufdatum - auch wenn sie es weglächeln

Huawei gibt sich betont optimistisch. Dabei drängt die Zeit. Der anhaltende Bann bringt nicht nur das Netzwerk-Geschäft in Bedrängnis. Auch das Smartphone-Geschäft leidet. Aktuell erfährt zwar Huawei in China eine große Welle der Solidarität, aber auch dieser Einkaufsrausch in Fernost wird ein Ende finden. Und dann steht Huawei ohne Betriebssystem, ohne Google-Apps und ohne Prozessoren da.

Am Mittwoch wird das Mate 30 vorgestellt. Es ist das erste Gerät, das unter den Bann fällt. Es wird zwar mit einer Android-Version auf den Markt kommen, aber ohne Apps, deren Firmen ihren Ursprung in den USA haben. Und dazu zählen: Alle Google-Apps, Facebook, WhatsApp, Instagram, Twitter und einige mehr.