Behindertenverband nennt ÖVP-Pflegebonus "Augenauswischerei"

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Symbolbild: Pflegeimago/Westend61

Die ÖVP beweise mit ihrem Vorschlag, dass sie nicht rechnen könne, kritisiert Bernadette Feuerstein, Vorsitzende von Selbstbestimmt Leben in Österreich.

Der Vorschlag nach einem 1500-Euro-Bonus für pflegende Angehörige, der sich im Wahlprogramm der ÖVP findet, löst Unmut beim Behindertenverband aus. Es handele sich dabei um „eine Augenauswischerei", kritisierte Bernadette Feuerstein, Vorsitzende von Selbstbestimmt Leben in Österreich (Sliö), am Donnerstag im „Standard". Um die Situation zu verbessern, bräuchte es ein bedarfsgerechtes Pflegemanagement für ältere Personen und Menschen mit Behinderung. Das türkise Wahlkampfzuckerl sei das nicht, sondern zementiere die bestehenden Missstände, meinte Feuerstein.

Derzeit pflegen mehr als 900.000 Österreicher ihre Angehörigen zu Hause. Rechne man den 1500-Euro-Bonus auf deren geleistete Arbeitsstunden um, ergebe sich mit 68 Cent pro Stunde ein Wert, der nicht einmal die Lohnsteigerung von einem Euro pro Stunde im Jahr 2019 zu decken vermag. Die ÖVP beweise mit ihrem Vorschlag also, dass sie nicht rechnen könne, sagte Feuerstein.

Weiters fordert sie Unterstützung in Form von mobilen und gemeindenahen Diensten, insbesondere in ländlichen Gegenden. Dass der angedachte Pflegebonus im vollen Umfang erst ab Pflegestufe drei gewährt werden soll, sei eine weitere Schwäche des Vorschlags, kritisiert Sliö. So werde die Verantwortung weiter auf Familien abgeschoben - was für Betroffenen bedeute, dass sie oft keinem Beruf nachgehen können und eine spätere Altersarmut riskieren.

>>> Bericht im „Standard“