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"Tourist go home"

In überlaufenen Destinationen regt sich der Unmut gegenüber Touristen. Ziel wird sein, diese zu lenken und für Nebenschauplätze zu begeistern.
In überlaufenen Destinationen regt sich der Unmut gegenüber Touristen. Ziel wird sein, diese zu lenken und für Nebenschauplätze zu begeistern.(c) APA/AFP/JOSEP LAGO

Touristenhass, Teil 1. Über den kleinen Bruder des Rassismus, oder wie man die Hetzer austrickst.

Nicht nur wenn sie leiden, auch wenn es ihnen zu gut geht, suchen Menschen nach Schuldigen. Sie behaupten, es würden „zu viele Ausländer" einwandern. Früher waren „zu viele Juden" oder „Zigeuner" anwesend, das mündete in Pogromen. Heute passen Muslime nicht in die Heimatidylle. Zur Bekräftigung werden falsche Zahlen hochgerechnet, die „beweisen", dass Fremdlinge die Unsrigen verdrängen („Bevölkerungsaustausch"). So weit, so kläglich. Abschottungsfantasien sind jedoch unrealistisch. In einer globalisierten Welt ist Migration eine Tatsache und steht auch für die Chance überalterter Gesellschaften auf Konsolidierung.

Den Hetzern genügt es nicht, die wachsende Anzahl an Fremdlingen zu beklagen. Parallel dazu schüren sie den kleinen Bruder des Rassismus, den Touristenhass. Am schlimmsten, hört man, seien die Chinesen, immer „in Massen" auftauchend. Ihnen werden allerlei
zerstörerische Eigenschaften zugeschrieben. Jüngst habe ich gehört, dass „die Chinesen einem die Luft zum Atmen nehmen". Touristenhass wird jedoch auch von Gemäßigten produziert, siehe die „Tourist go home"-Graffiti in Barcelona oder die Anrainer-Menschenkette im Viertel La Barceloneta, die Besucher vom Badevergnügen abzuhalten versuchte.

In Tourismusländern kommt es wirklich zu stauähnlichen Situationen. Das Gedränge vor dem Stephansdom, Goldenen Dachl oder Mozarts Geburtshaus hat bizarre Züge. Wieso nur wollen alle an den gleichen Ort? Klar, weil er vielfach promotet und dadurch mit Bedeutung aufgeladen wurde. An diesem Punkt könnte man der angstinduzierten Abscheu vor den massenhaft Auftretenden beim Schopf packen. Nämlich, indem man Menschenströme gezielt zu ähnlich sehenswerten Orten lenkt. In Zeiten von Airbnb muss es doch möglich sein, dass zumindest ein kleiner Teil der Leute individueller und weniger monothematisch reist. Das würde den Hetzern auch die Chance geben, ihre Urteile angesichts neuer Besucher und nicht zuletzt neuer Konsumenten zu revidieren. Die Begegnung mit dem gefürchteten Fremden in kleineren Dosen bewirkt oft heftige Wunder.

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