„Staat soll sich von Casinos-Anteilen trennen“

IV-Präsident Georg Kapsch
IV-Präsident Georg KapschDie Presse

IV-Präsident Georg Kapsch über Postenschacher, Koalitionsvarianten und Konjunkturpakete. Und warum die Industrie seiner Meinung nach kein Imageproblem hat.

Die Presse: Im Wahlkampf gibt es Industrielle als Parteispender und die Industrie als Umweltverschmutzer. Trügt der Eindruck, oder gibt es da ein veritables Imageproblem?

Georg Kapsch: Die Industriellenvereinigung hat ein sehr gutes Klimapapier, das Dekarbonisierung enthält. Das ist mit den großen Unternehmen unserer Organisation abgestimmt. Dann ist eine Landesgruppe (die IV Oberösterreich, Anm.) zu dem Schluss gekommen, sie muss ein eigenes Papier machen – in dem der von Menschen beeinflusste Klimawandel angezweifelt wird. Das schadet natürlich unserem Image gewaltig. Aber das war eine Einzelaktion, über die sich auch andere Landesgruppen beschwert haben.

Also kein Imageproblem?

Glaube ich nicht. Das wird von manchen hochgespielt. Wir sind diejenigen, die in den letzten drei Jahrzehnten am meisten beigetragen haben zur Reduktion der Emissionen – wesentlich mehr als der Verkehr und als die Haushalte. Natürlich: Es ist noch viel zu tun, aber wir waren die Vorreiter.

Aber das Wort „Industriepolitik“ ist in den vergangenen Wochen keinem Politiker über die Lippen gekommen.

Wir brauchen natürlich eine Industriepolitik – aber sie ist in Wahrheit Standortpolitik. Und das bedeutet, dass wir uns mit den Themen Steuern, Bildung, qualifizierte Zuwanderung, Forschung und Entwicklung, Lohnnebenkosten auseinandersetzen müssen. Da wirkt Industriepolitik überall hinein. Sie ist eine Querschnittsmaterie.

Sie haben im Mai in einem Interview gemeint, Sie könnten es sich nicht vorstellen, dass die FPÖ wieder in die Regierung kommt. Nach diversen Wortspenden tun Sie sich damit vermutlich leichter?