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Rendi-Wagner auf Instagram: Rote Parade der Herzigkeit

Screenshot Instagram
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Mediagram Pamela Rendi-Wagner nutzt Instagram vor allem für Fotos mit Babys, Senioren und Tieren. Dazwischen teilt sie private Schnappschüsse.

Der Wahlkampf hat Längen, obwohl er zuletzt vor allem zwischen Pamela Rendi-Wagner und Sebastian Kurz durchaus angriffig wurde. Davon bekommt man jetzt auch auf den sonst streichelweichen Social-Media-Profilen der Spitzenkandidaten etwas mit. Das Team von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hat sich entschieden, deren harte Kritik an Kurz beim letzten ORF-Duell (er habe seinen Sprecher gebeten, die Medien über Norbert Hofers Fieber zu informieren) in voller Länge in den Insta-Storys zu teilen. Es war wohl keine Absicht, dass in den Videoclips das Gesicht von Kurz stets abgeschnitten war, mehr ein technisches Problem, ein bisschen fies wirkte es dennoch.

Solche harten Worte und Gesten ist man im digitalen Fotoalbum der SPÖ-Vorsitzenden nicht gewöhnt. Hat sie sich auf ihrem Instagram-Account bisher doch als freundlich lächelnde, großzügige Parteichefin inszeniert. Gäbe es einen Wettbewerb im Händeschütteln zu gewinnen, wäre sie die Siegerin. Entweder ist sie auf ihrer „Gemeinsam durch Österreich“-Tour wirklich mehr unterwegs in Kindergärten, Senioren- und Pflegeheimen, unter Studenten, bei SPÖ-Bezirkstreffen, Kirtagen und welchem Gschnas auch immer. Oder sie macht davon mehr Bilder als die anderen Kandidaten.

So sieht man Pamela Rendi-Wagner auf Instagram abwechselnd Babys, Kleinkinder oder ältere Menschen anlächeln, Esel füttern, Hunde in die Kamera halten und Kühe streicheln. Selfies mit Kindern machen oder mit Jugendlichen einen Steg entlanggehen. Sie postet regelmäßig Fotos, aber zuletzt seltener politische Slogans wie „Jeder und jede hat das Recht auf soziale Absicherung“ und nie Plakate. Nur auf das zentrale Wahlkampfwort „gemeinsam“ verzichtet sie nicht, es wird immer wieder in Fotos und Texten eingeblendet oder als Hashtag verwendet. Nur selten setzt sie auf die Hilfe von prominenten Unterstützern, es sei denn es ist der frühere Bundespräsident Heinz Fischer, der ihr ein Busserl auf die Wange gibt.

 

Ganz anders als FPÖ-Kollege Norbert Hofer hat sie die eingangs erwähnte Story-Funktion für sich entdeckt, mehrmals am Tag richtet sie ein paar Worte an ihre insgesamt 23.600 Follower auf diesem Kanal. Sie fährt hier die gleiche Strategie wie Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger und teilt fast alle Inhalte auf Instagram und Facebook gleichzeitig, wo sie 102.000 Freunde hat. Beides Followerzahlen, die weit abgeschlagen sind von Sebastian Kurz oder EX-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Auch deshalb sind Ausdauer und Einsatz auf diesem Kanal beachtlich.

Kuchen backen und Hochzeitstag

Private Einblicke gab Rendi-Wagner zu Beginn des Wahlkampfs nur sehr spärlich. Vor dem Besuch im Ö3-„Frühstück bei mir“ Ende Juni teilte sie etwa ein Foto von den helfenden Händen ihrer Tochter beim Marillenkuchenbacken. Gegen Ende des Wahlkampfs erhöhte sie die Anzahl der privaten Schnappschüsse dezent. Teilte hier ein Foto von sich mit ihrem Mann zum 20. Hochzeitstag, da ein Babyfoto von sich mit Hinweis auf ihre Herkunft in Favoriten oder ein Bild aus Jugendtagen bei ihren Großeltern, wo sie dem Nachbarshund (wieder ein Tier!) Leckerlis verfüttert.

Ihre liebsten Hashtags sind übrigens #YeswePam und #InstaPam. Kritik am Mitbewerber hält sie hier, bis auf die Kritik an Kurz im ORF-Duell, eher draußen. Auf ihrem Instagram-Account soll es menscheln und freundlich sein. Subtile Botschaften und Bilder gibt es kaum. Rund um die Schnitzeldebatte, lang vor dem Cordon-Bleu-Sager von „Kurier“-Chefredakteurin Martina Salomon, teilte sie einen Teller mit Schweinsbraten, Sauerkraut und Kartoffelsalat, den sie bei einem Heurigen im Burgenland zu sich nahm. Fazit: Fast 500 Likes, niemand, der ihr den gegessenen Schweinsbraten nicht abnahm, aber ein Kommentar zur Klimaschädlichkeit von Fleisch.

Am Dienstag im Mediagram: VP-Chef Sebastian Kurz

Zur Person

Pamela Rendi-Wagner (*1971 Wien) ist ausgebildete Fachärztin für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin. 2011 wurde sie Sektionschefin im Gesundheitsministerium, bevor sie 2017 nach dem Tod der bisherigen Amtsinhaberin Sabine Oberhauser Bundesministerin für Gesundheit und Frauen wurde. Nach dem Regierungwechsel 2017 gehört sie als Abgeordnete dem Nationalrat an. Sie ist seit November 2018 die erste Frau an der Parteispitze der SPÖ. Sie ist verheiratet mit dem ehemaligen österreichischen Botschafter in Israel und früheren Kabinettschef des ehemaligen Kanzleramtsministers Thomas Drozda (SPÖ), Michael Rendi und hat mit ihm zwei Kinder.