Schnellauswahl

Holocaust-Zeitzeuge Marko Feingold 106-jährig gestorben

(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
  • Drucken

Der Salzburger galt als ältester Holocaust-Überlebender Österreichs. Er hatte vier Konzentrationslager überlebt.

Marko Feingold ist tot. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg starb am Donnerstag im Alter von 106 Jahren an einer Lungenentzündung. Er galt als einer der letzten Zeitzeugen des Holocaust, der auch viel über diese Zeit weitergab. Feingold besuchte Schulen, hielt Vorträge und nahm an zahlreichen Veranstaltungen teil. Im Februar war er mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Von österreichischer Seite wurde Feingolds Einsatz bereits durch zahlreiche Auszeichnungen, Ehrungen und Preise gewürdigt.

Feingold wurde am 28. Mai 1913 in Besztercebanya/Neusohl (heute Slowakei) geboren und wuchs in der Wiener Leopoldstadt auf. 1939 wurde er verhaftet und ins KZ Auschwitz deportiert, überlebte dann auch die Konzentrationslager Neuengamme, Dachau und Buchenwald. Nach 1945 ließ er sich in Salzburg nieder, wo er ein Modegeschäft eröffnete. Er war bereits von 1946 bis 1947 Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg und übte diese Funktion seit seiner Pensionierung im Jahr 1979 erneut aus. 2012 veröffentlichte er auch ein Buch mit seinen Lebenserinnerungen: „Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh: Eine Überlebensgeschichte“.

Nie zu spät für Aufarbeitung

Feingold kritisierte oft, dass sich Österreich nie ehrlich seiner NS-Vergangenheit gestellt habe. Noch immer glaubten viele an den Mythos vom ersten überfallenen Land. "In Österreich sind die Überlebenden der Konzentrationslager nicht empfangen worden, die Kriegsgefangenen hat man aber mit Musik begrüßt", schrieb er. Es fehle an Aufklärung, auch der Antisemitismus habe nach 1945 wieder zugenommen. Zu spät für eine Aufarbeitung sei es aber nie.

"Mir ist die schlechteste Demokratie lieber als die beste Diktatur", betonte er mehrfach. Er selbst bezeichnete sich als alles andere als religiös, mit Religion könne man keinen Staat führen. "An Palästina hatte ich kein Interesse - dort sind mir zu viele Juden", schrieb er einmal. Er sei in einer gemischten Bevölkerung aufgewachsen, dort fühle er sich am wohlsten.

Bierlein: Dank für „unermüdlichen Einsatz"

„Vor allem die Diskussion mit jungen Menschen war ihm ein besonderes Anliegen“, schrieb Bundespräsident Alexander Van der Bellen in einer Aussendung. „Für die Aufklärung und das Anliegen ,Niemals wieder' hat er alles gegeben." Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Kultusminister Alexander Schallenberg würdigten über Regierungssprecher Alexander Winterstein auf Twitter das Wirken Feingolds.

„Im Kampf gegen jede Form von Antisemitismus und Rassismus wird Marko Feingold immer eine große Bedeutung haben. Es liegt an uns, Lebensgeschichten wie die seine weiterzutragen, damit auch kommende Generationen ihre Lehren daraus ziehen und ihr Bewusstsein für den sensiblem Umgang mit der Geschichte geschärft wird“, heißt es in einer Aussendung von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz würdigte Feingold als "beeindruckenden Mann", der sich dafür eingesetzt habe, "dass wir die NS-Gräueltaten niemals vergessen". Für SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hat er "unschätzbar Wichtiges" für die Demokratie geleistet. Eine "Warnung, dass sich so ein dunkles Kapitel unserer Geschichte nie mehr wiederholen darf" erkannte FPÖ-Chef Norbert Hofer. Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger sagte, sie verneige sich in tiefem Respekt vor seinem Wirken und seiner Tatkraft. "Wir sind dankbar für die vielen Jahre, in denen er der österreichischen Gesellschaft einen Spiegel vorhalten konnte", meinten die Grünen.

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, sprach auf Twitter Feingolds Witwe Hannah Trost aus und würdigte den Verstorbenen: „Mit ihm verliere nicht nur ich einen guten Freund, sondern die jüdischen Gemeinden und ganz Österreich einen großen Menschen."

(Red.)