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Signal aus Ministerium: Unter Aufsicht darf gestreikt werden

Zum Auftakt der internationalen Klimaschutzwoche wurde auch in Wien gestreikt.
Zum Auftakt der internationalen Klimaschutzwoche wurde auch in Wien gestreikt.(c) APA/GEORG HOCHMUTH
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Die Bildungsministerin macht vor der nächsten Großdemo einen symbolischen Schritt auf die Schüler zu.

Wien. Die Tonalität hat sich verändert. Im Frühjahr, bei den ersten großen Klimastreiks in Österreich, schlug den Schülern aus dem Bildungsministerium noch Skepsis entgegen. „Macht doch die Demos nach Schulschluss“, richtete der damalige Minister Heinz Faßmann den Jugendlichen aus. Nun, kurz vor der nächsten Großdemonstration, klingt das etwas anders. Sie könne den Schülern aus rechtlichen Gründen zwar nicht generell freigeben, sagte Bildungsministerin Iris Rauskala am gestrigen Freitag, „aber ich darf sehr wohl darüber nachdenken, wie ich eine entsprechende Lösung schaffen kann“.

Sie ist offenbar fündig geworden und schickte einen neuen Erlass an die Schulen. Darin wird ausdrücklich auf eine Möglichkeit hingewiesen, am nächsten „Earth Strike“ teilzunehmen, und zwar kann im Rahmen des Unterrichts gestreikt werden. Die Demonstration darf also gemeinsam mit den Lehrern besucht werden.

Rechtlich möglich war das schon bisher. Es hat nur niemand so offensiv kommuniziert. Ihr Auftritt sei, das verhehlte Rauskala bei ihrer Pressekonferenz nicht, ein „wichtiges Signal“. Ein Beitrag zur Bewusstseinsbildung im Bereich des Klimaschutzes. Darum werde sich die Schule künftig nämlich stärker kümmern, versprach die Ministerin, die gemeinsam mit Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike, Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb und Uni-Rektor Gerald Bast vor die Medien trat. Letzterer lobt sie dafür: „Gute Politik ist, wenn man die richtigen Signale zur richtigen Zeit aussendet.“

Der Zeitpunkt ist tatsächlich gut gewählt. Am gestrigen Freitag startete die internationale Klimaschutzwoche „Week for Future“. Weltweit gingen Tausende Menschen auf die Straße. In Österreich wurde in mehr als 700 Gemeinden protestiert. Zur Großdemonstration, dem sogenannten Earth Strike, hat Fridays for Future in Österreich aber erst für den kommenden Freitag, den 27. September, aufgerufen. Zwei Tage vor der Nationalratswahl. Das lässt den Druck auf die Politik steigen. Mit der Wahl habe ihr Signal, ihr Entgegenkommen aber nichts zu tun, sagte die Bildungsministerin. „Das ist eine Zufälligkeit, die ich nicht weiter kommentieren möchte.“

Auch mit Blick auf die Schüler ist nun das letzte Wort gesprochen. Eine Teilnahme ist weiterhin kein Entschuldigungsgrund. Es darf also nicht einfach hingegangen werden. Es sei denn, ein Lehrer bzw. Direktor entscheidet sich für einen gemeinsamen Besuch mit der gesamten Klasse bzw. Schule. Dann würde es sich entweder um eine für die ganze Klasse oder Schule verpflichtende Schulveranstaltung oder um eine freiwillige schulbezogene Veranstaltung handeln. Ein gemeinsamer Demo-Besuch mit dem Lehrer ist übrigens nicht nur am kommenden Freitag erlaubt, sondern generell, egal wofür gestreikt wird. Das Ganze muss aber im Unterricht vor- und nachbesprochen werden.

 

750.000 Euro für Klimaprojekte

Generell soll dem Umweltthema in den Schulen künftig ein höherer Stellenwert eingeräumt werden. Derzeit ist Umweltbildung eines von vielen fächerübergreifenden Unterrichtsprinzipien und auch in so manchen Fächern präsent. Künftig soll das konkretisiert werden. In den neuen Lehrplänen, die ab 2022/23 gelten, werden pro Gegenstand und Schulstufe zehn explizite Kompetenzen verankert, die Schüler mit Blick auf Umweltbildung erwerben sollen. Das gilt etwa auch für Deutsch, Mathematik oder Werken.

Darüber hinaus investiert das Ministerium 750.000 Euro in eine Initiative mit dem Climate Change Center Austria. Präsidentin Kromp-Kolb will einen Teil des Geldes in Projektunterricht stecken. So soll sich etwa das Mobilitätsverhalten verändern. Einzelne Schüler sollen außerdem zu Klimaexperten ausgebildet werden und ihr Wissen weitergeben. „Es ist meist nützlicher, wenn das von ihnen kommt und nicht von grauhaarigen Personen wie mir“, so die Forscherin. Das sei auch beim Klimabewusstsein so gewesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2019)

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