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Das große Huawei-Dilemma

Das Huawei Mate 30 und Mate 30 Pro (links). Die Flaggschiff- Smartphones der Chinesen sind ohne Googles Apps kaum attraktiv.
Das Huawei Mate 30 und Mate 30 Pro (links). Die Flaggschiff- Smartphones der Chinesen sind ohne Googles Apps kaum attraktiv.(c) REUTERS (MICHAEL DALDER)
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Huawei hat in München mit dem Mate 30 wieder einmal Hardware-Innovationen gezeigt. Das Gerät wird es aber so nicht nach Europa schaffen.

Selten wurde eine Smartphone-Pressekonferenz mit so viel Spannung erwartet wie die von Huawei am Donnerstag in München. Die neue Mate-30-Serie wurde vorgestellt. Und dass die Chinesen Smartphones entwickeln, produzieren und verkaufen können, haben sie als Nummer zwei am Markt hinlänglich bewiesen. Das Mate 30 hat wie zu erwarten eine beachtliche Ausstattung, besonders im Bereich der Kamera hat sich wieder einiges getan. Aber die dringlichen Fragen, die für Kunden und Nutzer relevanten, blieben unbeantwortet. Im Gegenteil, danach herrschte noch mehr Verwirrung als zuvor. Die Themen Google, Verfügbarkeit und Verkaufsstart ließ Huawei offen. Erst im Nachgang der Pressekonferenz ließen einige Manager wissen, dass kein Europastart zum jetzigen Zeitpunkt geplant sei.

Seit Mai steht Huawei unter massivem Druck. US-Unternehmen ist jegliche Zusammenarbeit mit Huawei untersagt. Und das führte – trotz massiver Bemühungen – dazu, dass die neuen Geräte ohne Google-Apps auskommen müssen. Es fehlt den Chinesen nämlich die Lizenz für die Google Mobile Services (GMS). Die sonst vorinstallierten Apps werden bei den Geräten nicht vorhanden sein. Auch der Play Store nicht, über den sonst alle weiteren Anwendungen installiert werden.

Ein komplizierter Ausweg. Auch wenn ein Hersteller keine Zertifizierung durch Google erhält, gäbe es trotzdem noch immer eine Möglichkeit, diese Apps zu installieren. Als APK-Sideload. Das bedeutet, dass zuvor Einstellungen am Smartphone vorgenommen werden, die Downloads aus „anderen Quellen als dem Play Store“ zulässt. Im nächsten Schritt müsste die APK-Datei direkt über den Browser auf dem Gerät heruntergeladen werden, um wie auch auf einem PC durch einen Installationsprozess geführt zu werden. Diese Methode ist kompliziert und birgt auch Nachteile. Einerseits ist sie für die Mehrheit in dieser Form unbrauchbar. Andererseits werden auch Updates nicht mehr automatisch ausgespielt. Man muss sich regelmäßig selbst darum kümmern. Bei den Einzelinstallationen besteht die Gefahr, Fake-Apps zu installieren, die Schadsoftware enthalten. Zudem kann es jederzeit sein, dass Google die Apps blockiert.

Den Play Store auf diese Art zu nutzen ist nicht möglich. Eine Installation zwar schon, aber der Store lässt sich nicht öffnen. Das lässt Google nicht zu, wie bereits in ersten Tests zu sehen ist.

Ähnlich verhält es sich mit Facebook, WhatsApp, Instagram, Netflix. Die Liste mit Anwendungen aus den USA ist lang. Da hilft auch Huaweis Vorstoß für einen eigenen Huawei Mobile Service nicht viel. Auch wenn die Chinesen bereit sind, Beträge in Millionenhöhe zu investieren, um Entwicklern Anreize zu bieten. Der Mehraufwand muss sich für die Entwickler bezahlt machen.

Huaweis Entscheidung. Aus den genannten Gründen scheint es nur logisch, dass Huawei nicht riskiert, mehrere Fronten zu verärgern. Google gilt als einer der wichtigsten Verbündeten in der Suche nach einer Lösung mit der US-Regierung. Dieses Unternehmen mit der Umgehung der Lizenzierung zu verärgern wäre ungeschickt.

Ebenso will es sich Huawei mit den europäischen Kunden nicht verscherzen. Die Akzeptanz eines Top-Smartphones ohne Nutzungsmöglichkeiten ist mit Sicherheit enden wollend. Damit bleibt nur die Hoffnung, dass sich die USA und Huawei doch noch zeitnah einigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2019)