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Lieblingsfragen eines Interviewers

Macht Warten hässlich?

Sven Michaelsen ist ein Meister im Fragenstellen. 800 Fragen hat er jetzt gesammelt.
Sven Michaelsen ist ein Meister im Fragenstellen. 800 Fragen hat er jetzt gesammelt.(c) Raacke Roman
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Sven Michaelsen ist einer begnadetsten Interviewer Deutschlands. Nun hat er eine Sammlung seiner Lieblingsfragen veröffentlicht. Hier ist eine Auswahl von 56 dieser Fragen an uns selbst.

CHARAKTER

– Ist schwach zu sein die beste Voraussetzung, die Schwächen anderer zu erkennen?
– Sind Schlaftabletten das Konfekt des denkenden Menschen?
– Kennen Sie jemanden, der von Ihnen denkt, wie Sie über sich denken?
– Könnten Sie sich ertragen, wenn Sie so wären, wie die anderen Sie sehen? – Ist Arroganz das Selbstbewusstsein des Minderwertigkeitskomplexes?
– Wie lange bemühen Sie sich schon, Ihre Lieblingsmaske zu Ihrem Gesicht werden zu lassen?
– Ist das verheimlichte Innenleben unsere aufwendigste Arbeit?
– Sind unsere besten Urteile jene, die sich in uns trotz uns bilden?

LIEBE

– Würden Sie unter zwanzig Händen die Ihrer Mutter erkennen?
– Erkennt man die eigene Liebe an dem Vorsatz, für den anderen ein besserer Mensch zu werden?
– Können die Wunden der Liebe nur von dem geheilt werden, der sie zugefügt hat?
– Auf sich selbst verzichten, um dem anderen nicht wehzutun: Ist das Liebe? – Beim anderen finden, was man an sich selbst vermisst: Ist das Liebe? – Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden oder weniger lieben und weniger leiden?
– Welchen Kosenamen würden Sie sich geben?

EHE

– Können Sie Ihren Lebenspartner weiterempfehlen?
– Müssen Sie sich in Ihrer Beziehung schwächer zeigen, als Sie sind, damit Ihr Partner sich stark fühlen und Sie lieben kann?
– Wird in langjährigen Beziehungen Neugier durch Nostalgie ersetzt?
– Sollte man anderen nur Vorwürfe machen, die man zuvor an sich selbst ausprobiert hat?
– Glauben Sie, dass es einen Menschen gibt, der, wenn er alles über Sie wüsste, mit Ihnen leben wollte? Oder könnte?
– Kennt man einen Menschen, wenn man nicht mit ihm geschlafen hat?
– Ist Eifersucht die Angst vor dem Vergleich und deshalb nichts anderes als erbärmliche Eitelkeit?

KINDER

– Messen Sie den Erfolg Ihrer Kinder daran, wie gut sie Sie nachahmen?
– Wünschen Sie Ihren Kindern Ihr Leben?
– Sind Ihre Sünden die Neurosen Ihrer Kinder geworden?
– Spüren Sie noch, dass Sie morgens die Rüstung eines Erwachsenen anlegen, oder ist das Kind in Ihnen tot?
– Muss in einem selbst brennen, was man in einem Kind entzünden will?
– Verändern sich die Züge eines Kindes für immer, wenn es das erste Mal Scham empfindet?
– Warum gab es im Paradies keine Kinder?

SCHÖNHEIT

– Besitzen natürliche Eleganz nur jene, die nichts von ihr wissen?
– Würden Sie sich noch ähnlich sehen, wenn Sie so schön wären, wie Sie möchten?
– Gehören Sie zur Sorte Mensch, die beim Einkaufen den Fahrradhelm aufbehält?
– Macht Warten hässlich?
– Wie oft gelingt es Ihnen, sich einen schönen Menschen nicht nackt vorzustellen?
– An Gott muss man glauben; das Schöne sieht man. Hat Raffael der Madonna mehr genützt als alle Theologen?
– Gehören Sie zu den Banausen, die eine schöne Vase mit Blumen ruinieren?

KUNST

– Tut man den Gedanken unrecht, wenn man sie ordnen will?
– Über das nachdenken, was man denkt: Macht einen das klüger oder bloß deprimierter?
– Ist Erkenntnis die Wunde, die zu heilen sie vorgibt?
– Hat ein Mensch umso mehr Meinungen, je dümmer er ist?
– Frisst Wissen Gefühl?
– Gehören Sie zu den Menschen, die die schönen Künste lieben, um über sie zu richten?
– Kommt, wer in seinem Leben alles durchdacht hat, wieder bei Schlagertexten an?

DAS ALTER

– Wann haben Sie das letzte Mal etwas zum ersten Mal gedacht?
– Jeder Tag ist wie der andere und alle zusammen wie einer: Ist das die Definition von Alter?
– Wie alt wären Sie, wenn Sie nicht wüssten, wie alt Sie sind?
– Wie kommt es, dass man Gleichaltrige für Angehörige einer älteren Generation hält?
– Brauchen Sie die Tage, um sich von den Nächten zu erholen?
– Je älter wir werden, desto besser waren wir früher: Ist das der Trost des Alters?
– Verstehen tut man das Leben nur rückwärts, leben muss man es aber vorwärts. Erklärt das die Melancholie des Alters?

GELD

– Ist Postmaterialismus ein Luxus für Reiche?
– Wären Sie wütender, wenn Ihr Partner Sie betrügt, oder wenn er Ihre Ersparnisse an der Börse verspekuliert?
– Bläht ein Chauffeur das Ego noch mehr auf als ein großes Vermögen?
– Warum schmerzen finanzielle Verluste mehr, als Gewinne in gleicher Höhe Freude bereiten?
– Sind Sie mit Trinkgeldern großzügiger, wenn Ihr Partner dabei ist?
– Würde genug Geld Sie endlich ehrlich machen?
– Werden Sie zu den Verlierern zählen, wenn die Welt gerechter wird?

Das Buch

Sven Michaelsen, 59, interviewte berühmte Persönlichkeiten wie Peter Handke, André Heller, Helmut Berger u. v. a. für das Magazin der „Süddeutschen“. Der Hamburger war lang beim „Stern“ und ist seit vielen Jahren freier Autor. Er ist mit Autorin Ildikó Kürthy („Es wird Zeit“, Wunderlich) verheiratet, mit der er zwei Kinder hat.


Soeben erschien seine Sammlung von 800 Fragen „Warum hat das Unglück mehr Phantasie als das Glück“ (Residenz)