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Gastkommentar

Philippa, geh Du voran! Wie HC in der Politik bleibt

(c) Peter Kufner

Philippa Strache ist der Garantieschein, dass die FPÖ auch nach dem Rückzug ihres Mannes nicht kollabiert wie unter Haider.

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Dass Philippa Strache maßgeblich zum relativen Wahlerfolg der Freiheitlichen beitragen wird, steht einige Tage vor der Wahl außer Zweifel. Das ist weniger auf die Kandidatin am dritten Platz der Wiener Landesliste selbst zurückzuführen, ihre politische Ausstrahlung resp. Begabung, sondern darauf, dass nur sie gewährleisten kann, dass der im Ibiza-Video über sich gestrauchelte Parteichef der FPÖ, Heinz-Christian Strache, sich zurückhält und nicht gegen die eigene Partei querschießt. Philippa Strache ist der Garantieschein, dass die FPÖ nicht kollabiert wie in den Nullerjahren, als ein manisch-depressiver Jörg Haider seine Partei fast zerstörte.

So ist Strache zwar nicht gestrickt, aber so einfach zur Kenntnis nehmen wollte er seinen Sturz nie. Ein Rücktritt ist doch kein Rückzug. Schon wenige Tage nach den Turbulenzen um Ibiza hat sich die neue Parteispitze um Norbert Hofer entschlossen, HC in den Ruhemodus zu versetzen, dafür aber seine Frau zu nominieren und somit den latenten Konflikt zu entschärfen.

In der Politik machte die 1987 geborene Philippa Beck auf verschlungenen Wegen bereits bisher Karriere. Zuerst war sie parlamentarische Mitarbeiterin von Josef Cap, der zwischen 2001–2013 Fraktionsführer der SPÖ im Nationalrat und somit viele Jahre einer der wichtigsten Proponenten der Sozialdemokratie gewesen ist.

SPÖ, Stronach, oe24.TV

Nachher wechselte sie als Pressesprecherin ins Team Stronach, kurzfristig war sie auch Wettermoderatorin beim Boulevardsender oe24.TV, um schließlich als Ehefrau von Heinz-Christian Strache Tierschutzbeauftragte der FPÖ zu werden. Auffällig ist dabei Folgendes: Für die SPÖ arbeitete sie, als diese wieder die Regierung anführte, für Stronach war sie tätig, als man diesem in Meinungsumfragen mehr als 20 Prozent nachsagte, bei Strache ist sie gelandet, als dieser sich am bisherigen Höhepunkt seiner Karriere befand. Ob das nun Zufall oder Kalkül ist, bleibt offen. Nicht alles, was als Vorurteil demaskiert werden könnte, ist ein solches.

Im Jänner 2016 präsentierte Strache seine neue Partnerin am Jägerball, sie im Dirndl, er in der Krachledernen. So funktioniert Heimatdesign für den Blätterwald. Im Herbst desselben Jahres heiratete die 28-Jährige den damals 47-Jährigen, ihr „kleines Monster“, wie sie ihn einfühlsam nennt. Bis zum großen Eklat im Mai dieses Jahres war sie eher bekannt für Meldungen wie diese: „Streit um Hunde: Jetzt spricht Philippa Strache“.

Und doch war sie soeben im Begriff zur Heldin der Homestorys aufzusteigen. Am Wochenende vor der Veröffentlichung des Ibiza-Videos publizierte die „Kronen Zeitung“ ein doppelseitiges Porträt der Eheleute.
Philippa Strache gehört dezidiert nicht zur freiheitlichen Stammszene, hat daher auch keinen rechtsextremen Hintergrund. Dass sie in der FPÖ gelandet ist, scheint eher dem Zufall geschuldet, sie hätte auch woanders hängen bleiben können. Aber einmal dabei und drinnen und dann noch die Frau vom Chef, ist sie seitdem ganz bei der Sache. Sie kommt zwar nicht von rechts, aber sie glaubt jetzt durchaus am rechten Flecken zu sein. Fortan gerierte sich das Paar Strache als rot-weiß-rotes Traumpaar. Er mit Orden behangen, sie in teurer Robe, so präsentierte sich das Paar nicht nur am Opernball. Auf diversen Events war man zugegen. Und die Einladungen wurden mehr. „Wir begrüßen den Herrn Vizekanzler und seine charmante Gattin.“

Die Straches waren wer und wollten das auch bleiben. In der Rolle der Second First Lady gefiel Philippa sich ausgesprochen gut, vor allem hatte sie auch in der eher medienscheuen Freundin von Sebastian Kurz keine Konkurrenz zu fürchten. Der Auftritt ist ihr Metier, Kamerapräsenz und Linsenrepräsentanz liegen ihr. Auf den Mund gefallen ist sie ebenfalls nicht. Insbesondere auch überzeugt von sich, von keinerlei Selbstkritik oder sonstigen Unsicherheiten angekränkelt. „Mein Mann ist nicht so!“, sagt sie in der festen Überzeugung der Ignorantin.

Die FPÖ ist angekommen

Die High Society lockte. Die Türen standen seit dem Regierungsbündnis mit der Kurz-ÖVP weit offen. Der bürgerliche Salon ist gerade einmal das, was er immer gewesen ist. Ein sich selbst kooptierendes Aggregat der Herrschaft und ihrer Schranzen. Da wurde Strache früher nicht reingelassen. Philippas Leistung besteht auch darin, hier ihrem Mann behilflich gewesen zu sein. Frau Strache ist dezidiert ein Signal, auch ein ästhetisches, dass Teile der FPÖ angekommen sind. Gegen das System zu kämpfen, ist das eine. Aber was zu sein in diesem, das ist das andere. Bei der FPÖ von Strache und Hofer hatte man schon des Längeren den Eindruck, das andere sei ihnen immer wichtiger geworden. Gleich zweitgeborenen Erzherzögen konnten sie Posten und Pfründe verteilen. In der besseren Gesellschaft aufgenommen zu werden, das war das primitive Ziel. Kleinbürger simulieren Großbürger.

Politik verliert sich in schrägen und scharfen Sequenzen. Die Straches erscheinen gegenwärtig wie eine Episode aus den „Vorstadtweibern“, wie eine Real-Soap mit echten Darstellern und hohen Quoten. Sie stehen für die Infantilisierung des Politischen, wo kulturindustrielle Musterungen (jung, blond, attraktiv, eloquent, selbstbewusst, forsch) durchaus Substitute kreieren, die eine ausgelaugte und entleerte Politik wieder in Galopp versetzen können. Rührselige Storys bis hin zu gegenseitigen Liebeserklärungen auf Facebook werden eilfertig reproduziert. Sie zeigen weniger, dass das Private politisch ist, als dass das Politische privat ist. Die Seifenoper in Dirndl und Lederhose, für Schnitzel und gegen Ausländer geht weiter, nicht nur Andreas Gabalier füllt Stadien.

FPÖler fragen: Was will die da?

Störend sind lediglich die zurückgebliebenen Parteisoldaten und ihre oft braunen Donnerbalken. Viele Funktionäre kommen nicht damit zurecht, dass sie, wenn sie sagen, was sie denken, eher eliminiert statt pardoniert oder gar wie früher prämiert werden. Sich da umzustellen, ist schwierig. Im FPÖ-Apparat war und ist man über den Einfluss von Philippa Strache nicht allzu erbaut. Gottfried Waldhäusl dürfte kein besonderer Freund der Straches mehr werden. Was will die da?, fragt man eifersüchtig. Vor allem verstört sie die obligaten Männerbünde, aber auch das Brünhildentum in der Partei. Eine wie die Strache sieht in den angesprochenen Leuten wohl Ballast von gestern, den sie gegen den Palast des Vizekanzlers nie hätte eintauschen wollen.

Dass am Parteitag der FPÖ, der vorvergangenes Wochenende in Graz stattgefunden hat, die Straches nicht teilgenommen haben, zeugt von einer gewissen emotionalen Distanz. Die öffentliche wie die parteiinterne Degradierung schmerzt sehr. Was tun? „Geh Du voran, Philippa“, sagt der reduzierte HC Strache und sie tut das gern. Für ihn. Für sich. Für uns. Ihr Bewusstsein ist ein Sendungsbewusstsein. Damit so etwas wie mit der Oligarchennichte nie wieder passiert, wird er in Zukunft ohne sie nicht mehr fortgehen dürfen.

DER AUTOR

Dr. Franz Schandl
(* 1960 in Heidenreichstein) studierte Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Wien, lebt dort selbst als Publizist. Zahlreiche wissenschaftliche und journalistische Veröffentlichungen im In- und Ausland. Herausgeber der Zeitschrift „Streifzüge“;
www.streifzuege.org.

E-Mails an: debatte@diepresse.com