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Reisekonzern Thomas Cook ist insolvent

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Archivbild(c) Getty Images (Anthony Devlin)
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Der älteste Touristikkonzern der Welt hat das Konkursverfahren eingeleitet. Die britische Flugbehörde CAA gab die Einstellung aller Flüge bekannt und kündigte eine Rückholaktion an. Insgesamt sind derzeit 600.000 Touristen betroffen.

Der britische Reisekonzern Thomas Cook ist pleite. Man habe keine Alternative gehabt, als mit sofortiger Wirkung das Konkursverfahren einzuleiten, teilte der älteste Touristikkonzern der Welt in der Nacht zum Montag mit. Unmittelbar vom Zusammenbruch betroffen sind etwa 600.000 Touristen. Zahlen zu den betroffenen heimischen Touristen lagen am Montagvormittag noch nicht vor.

Die britische Flugbehörde CAA gab die Einstellung aller Flüge bekannt und kündigte eine Rückholaktion für mehr als 150.000 Briten an, die größte derartige Aktion in der Geschichte des Landes. Die Rückholaktion trägt nach BBC-Angaben den Codenamen "Matterhorn". In der Nacht seien bereits die ersten Flugzeuge zu verschiedenen Zielen gestartet, um britische Urlauber nach Hause zu holen.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat den gestrandeten Urlaubern des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook die Hilfe seiner Regierung versprochen. "Wir werden unser Bestes tun, um sie nach Hause zu holen. Es wird Pläne dafür geben, wenn es notwendig wird", sagte Johnson.

Kritik von Labour und Gewerkschaft

Er äußerte sich der Nachrichtenagentur PA zufolge in der Nacht zum Montag noch vor der Einstellung des Unternehmensbetriebs an Bord einer Regierungsmaschine auf dem Weg nach New York. "Der Staat muss auf die eine oder andere Weise eingreifen, um gestrandeten Urlaubern zu helfen."

Zuvor hatte die britische Regierung nach Angaben von Johnson eine Finanzierungsbitte des britischen Reisekonzerns Thomas Cook über 150 Mio. Pfund (170 Mio. Euro) abgelehnt. "Das ist natürlich eine Menge Steuergeld und stellt, wie die Menschen anerkennen werden, eine moralische Gefahr für den Fall dar, dass Unternehmen künftig mit solchen wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert werden." Das sagte Johnson der britischen Agentur PA zufolge in der Nacht zum Montag noch vor der Einstellung des Geschäftsbetriebs von Thomas Cook.

Reiseveranstalter Thomas Cook
APA

Die britische Transportgewerkschaft TSSA hat indessen die Regierung in London für die Pleite verantwortlich gemacht. "Die Regierung hatte viele Möglichkeiten, Thomas Cook zu helfen, hat sich aber für das ideologische Dogma entschieden, anstatt Tausende Jobs zu retten", sagte Gewerkschaftschef Manuel Cortes einer Mitteilung vom Montag zufolge. "Dass sie (die Regierung) unsere Mitglieder lieber hängen lassen als Thomas Cook zu retten, ist beschämend und falsch."

Auch die oppositionelle Labour-Partei kritisierte die Regierung. Sie warf ihr Untätigkeit vor. "Ich bin enttäuscht", sagte Labours finanzpolitischer Sprecher, John McDonnell, am Montag der BBC. "Ich denke, die Regierung hätte bereit sein sollen, einfach mehr zu tun: intervenieren, die Situation stabilisieren und dann einen längerfristigen Plan ermöglichen."

Großaktionär Fosun "enttäuscht" über Kollaps

Der chinesische Großaktionär Fosun, der Thomas Cook retten wollte, hat sich "enttäuscht" über den Insolvenzantrag des britischen Reiseveranstalters geäußert. In einer Mitteilung, die  auf der Webseite von Tencent Finance veröffentlicht wurde, heißt es: "Fosun Travel ist enttäuscht, dass die Thomas-Cook-Gruppe nicht in der Lage war, eine praktikable Lösung für ihre vorgeschlagene Rekapitalisierung mit anderen Partnern, wichtigen Kreditgebern, führenden Investoren und zusätzlich beteiligten Parteien zu finden."

Der chinesische Großaktionär hatte eigentlich über seine in Hongkong gelistete Touristiktochter Fosun Travel (Foliday) in Thomas Cook investieren und seinen Anteil von 18 Prozent ausbauen wollen, was praktisch auf eine Übernahme herausgelaufen wäre. Fosun wollte nach den im August berichteten Überlegungen 25 Prozent des Reiseveranstalters und 75 Prozent des Airline-Geschäfts übernehmen.

An der Spitze des privaten Mischkonzerns steht der Milliardär Guo Guangchang, der in Anlehnung an den berühmten US-Investor gerne als "Chinas Warren Buffett" beschrieben wird. Die Firma hatten er und vier andere Studenten der Shanghaier Fudan Universität 1992 gegründet. Ihren Aufstieg verdankten sie anfangs Investitionen in Pharmazieunternehmen. Seit 2007 ist der Investmentarm Fosun International an der Börse in Hongkong gelistet.

Fosun hat heute in Immobilien, Stahlunternehmen, Versicherungen, die französische Modemarke Lanvin, die griechische Juwelierkette Folli Follie, das Touristik-Unternehmen Club Med und den Zirkus Cirque du Soleil investiert. In Österreich ist Fosun mehrheitlich am börsennotierten Strumpfkonzern Wolford beteiligt. Die Gruppe wirbt für sich als "familienorientiert" und teilt ihre Geschäftsbereiche in "Gesundheit", "Glück" und "Wohlstand" ein. 

Condor fliegt weiter

Der Ferienflieger Condor, ein Tochterunternehmen von Thomas Cook, versicherte kurz nach Bekanntwerden der Insolvenzpläne, dass der Flugbetrieb weitergehe. "Condor Flüge werden weiterhin durchgeführt, obwohl die Muttergesellschaft Thomas Cook Group plc ‎Insolvenz eingereicht hat", heißt es in einer Mitteilung vom frühen Montagmorgen. "‎Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit ‎beantragt. Dieser wird derzeit von der Bundesregierung geprüft", heißt es.

Condor hält den Flugbetrieb aufrecht. "Wir führen den Flugbetrieb ganz regulär fort", sagte eine Sprecherin am Montagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Natürlich gebe es besorgte Kunden, die sich bei dem Ferienflieger telefonisch meldeten. "Es ist toll, unseren Kunden sagen zu können, dass wir weiter fliegen und dass der Flug normal geht", sagte sie. Der Flughafen Düsseldorf, an dem Condor zu den größten Anbietern gehört, verwies zunächst auf die Airline. Am Flughafen Köln/Bonn steht laut einem Sprecher heute kein Condor-Abflug auf dem Flugplan.

Rettungspaket war zu groß

Der Chef von Thomas Cook, Peter Fankhauser, hat das Scheitern der Bemühungen zur Rettung des Touristikkonzerns als "verheerend" bezeichnet. "Dies ist eine Stellungnahme, von der ich gehofft hatte, dass ich sie nie abgeben müsse", sagte Fankhauser am Montag vor Journalisten. "Trotz großer Anstrengungen über mehrere Monate und weiterer intensiver Verhandlungen in den vergangenen Tagen konnten wir keinen Deal abschließen, um unser Unternehmen zu retten." Das Ergebnis werde für viele Menschen verheerend sein und Angst und Stress auslösen.

Zwar sei eine Einigung bereits zu einem großen Teil ausgearbeitet worden. Zusätzliche Forderungen in den letzten Tagen der Verhandlungen hätten sich am Ende jedoch als "unüberwindbare Herausforderung" erwiesen. Fankhauser entschuldigte sich bei "unseren Millionen Kunden und Tausenden Angestellten, Zulieferern und Partnern". Die Konzernspitze hatte für Sonntagabend Verhandlungen mit Banken, Gläubigern und der Regierung angesetzt. Banken hatten zuletzt zu einem schon ausgehandelten 900 Millionen Pfund (1,02 Mrd. Euro) schweren Rettungspaket weitere 200 Millionen Pfund gefordert.

Thomas Cook war durch eine milliardenschwere Abschreibung auf ein Tochterunternehmen und ein schwächeres Reisegeschäft ins Schleudern geraten. Zudem litt der Konzern mehr als Rivalen wie TUI und unter der mit Brexit und schwächerem Pfund einhergehenden Reiseunlust der Briten. Bereits 2018 fuhr das Unternehmen einen Verlust von 163 Millionen Pfund ein. 2017 war zwar am Ende des Jahres noch ein Plus gestanden, aber mit knapp neun Millionen Pfund war das eher mager.

Die Aktie verlor innerhalb eines Jahres (2017 bis 2018) 76 Prozent an Wert. Die Dividende wurde daher auch gestrichen. Größter Aktionär ist die chinesische Fosun-Gruppe. Seit der Pleiteankündigung ist die Aktie im steilen Sinkflug gen Null. 22,78 Prozent hat die Aktie bereits an Wert eingebüßt.

Thomas Cook war 1841 gegründet worden und betreibt Hotels, Ferienressorts, Airlines und veranstaltet Kreuzfahrten. Von den 105 Flugzeugen im Konzern fliegen 58 für Condor. Weltweit hat Thomas Cook rund 21.000 Mitarbeiter in 16 Ländern. Davon sind etwa 4.500 in Deutschland bei Condor beschäftigt.

Deutsche Töchter stellen Verkauf ein

Nach dem Insolvenzantrag des britischen Reisekonzerns haben auch die deutschen Veranstaltertöchter, zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben komplett gestoppt.

Man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden, teilte Thomas Cook GmbH in der Früh in Oberursel bei Frankfurt mit. "Das Unternehmen lotet derzeit letzte Optionen aus", hieß es weiter. Sollten diese Optionen scheitern, sehe sich die Geschäftsführung gezwungen, auch für die Thomas Cook GmbH und weitere Gesellschaften Insolvenz zu beantragen.

(APA/Reuters/dpa)