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Thomas-Cook-Pleite: 10.000 bis 15.000 österreichische Touristen betroffen

Passengers are seen at Thomas Cook check-in points at Mallorca Airport after the world's oldest travel firm collapsed, in Palma de Mallorca
Touristen vor überfüllten Schaltern, hier auf dem Flughafen in Palma de MallorcaREUTERS
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Aufwendungen von Touristen, die über ein Reisebüro gebucht haben, seien gedeckt, sagt Konsumentenschützer Peter Kolba. Der Anbieter Verkehrsbüro/Ruefa ist ebenfalls um Lösungen für die Urlauber bemüht.

Etwa 10.000 bis 15.000 österreichische Touristen sind von der Thomas-Cook-Pleite betroffen, wie Konsumentenschützer Peter Kolba sagt. Per Montag befinden sich 4.600 österreichische Gäste in den Zielgebieten, wie ein Sprecher von Thomas Cook Österreich mitteilte. Für Montag und Dienstag seien je 400 Anreisen geplant. Für betroffene Kunden hat Thomas Cook eine neue Serviceline eingerichtet (siehe unten).

Der heimische Reiseveranstalter Verkehrsbüro und der zu ihm gehörende Vermittler Ruefa bemühen sich um Lösungen für verunsicherte Urlauber. Kunden, die heute Montag oder morgen abfliegen, sollten sich unbedingt mit ihren Ruefa-Beratern in Verbindung setzen. Pauschale Aussagen, dass Reisende an den beiden Tagen nicht befördert werden könnten, seien nicht zulässig.

Reisebereitschaft sicherstellen

Ruefa ersuchte am Montagnachmittag in einer Aussendung die Urlauber, auf jeden Fall zum Flughafen zu fahren und vor Ort zu sehen, ob die Reise angetreten werden könne. Damit sei die sogenannte "Reisebereitschaft" seitens der Kunden sichergestellt. Gleiches gelte für Reisende, die schon am Urlaubsort sind und die Heimreise antreten wollen. Weiters gelte dies für Abreisen zu einem späteren Zeitpunkt, wird betont. Hier evaluiere das Krisenteam von Ruefa laufend die Situation und melde sich bei den Kunden, sollten Reisen nicht durchgeführt werden können.

Besonders wichtig sei es, Bestätigungen für eventuell vor Ort noch zu zahlende Leistungen (Hotel, Mietwagen etc.) unmittelbar einzufordern und nach der Rückkehr einzureichen, da dies jedenfalls Versicherungsfälle seien.

Österreich-Kunden bekommen Geld zurück

Sollte die Insolvenz des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook auch auf Österreich überschwappen, würden die österreichischen Kunden laut Konsumentenschutz aber ihr Geld zurückbekommen. Denn heimische Reiseveranstalter müssen sich für den Insolvenzfall absichern. Weltweit sollen insgesamt 600.000 Touristen involviert sein, allein in Griechenland sollen an die 50.000 Touristen gestrandet sein

Im Falle einer Insolvenz können sich die Kunden ihr Geld zurückholen. Sollte die Reise aufgrund der Pleite gar nicht mehr angetreten werden können, erstattet der Versicherer den Reisepreis zurück, so Kolba. Tritt die Insolvenz ein, wenn man sich bereits im Urlaub befindet, hat man Anspruch darauf, rasch und kostenlos in die Heimat gebracht zu werden. Betroffene müssen ihre Ansprüche binnen acht Wochen ab Eintritt der Insolvenz beim Abwickler anmelden. Abwickler für die Thomas Cook Austria ist Allianz Worldwide Partners (AWP P&C S.A.). 

Keine zusätzlichen Kosten

Für Aufregung sorgen derzeit Fälle, in denen Hoteliers von Gästen Zahlungen verlangen und sie andernfalls nicht abreisen lassen. Die Hoteliers befürchten ihrerseits, um ihr Geld umzufallen. Auch in solchen Fällen sei man geschützt, sagte Kolba zur APA. Er verwies auf ein EuGH-Urteil aus dem Jahr 1998. "Dieses sagt klar, dass alles, was man unter Zwang bezahlen muss, damit man nach Hause kommt, auch von der Versicherung zu bezahlen ist."

Laut Kolba dürfen einem Kunden keine zusätzliche Kosten entstehen, da Thomas Cook in Österreich eine Zweitniederlassung habe und dadurch im Insolvenzfall die Ausgaben durch eine Versicherung gedeckt sind.

Eine Insolvenz auch in Österreich hält der Experte des Verbraucherschutzvereins (VSV) für wahrscheinlich. Thomas Cook selbst weist auf seiner österreichischen Website darauf hin, dass derzeit "letzte Optionen" ausgelotet würden. "Sollten diese scheitern, sehen wir uns gezwungen einen Insolvenzantrag zu stellen", heißt es. Den Verkauf von Reisen hat das Unternehmen eingestellt.

Koordinationssitzung in Wien

Zu den Folgen der Insolvenz findet heute  eine Koordinationssitzung von Außen- und Verkehrsministerium mit Reisebürounternehmen statt. Dabei werde die Betroffenheitslage in Österreich analysiert, hieß es aus dem Außenministerium in Wien.

Derzeit sei die Lage bzw. die Zahl der österreichischen Betroffenen unklar. Normalerweise werde bei Pauschalreisen auch eine Reiseversicherung abgeschlossen, diese sollte dann im Insolvenzfall für eine Rückholung sorgen.

Beim Bürgerservice gebe es bisher keine Anrufe von betroffenen Österreichern. Zur Vorsorge wurde trotzdem das Bürgerservice verstärkt. "Sollten Anrufe von Betroffenen kommen, kümmern wir uns um die Anliegen", hieß es aus dem Außenministerium zur APA. Das Bürgerservice kann telefonisch unter 0043 (0) 50 1150 44 11 erreicht werden.

Köstinger für rasche Rückholung

Umgehend eine Rückholaktion für gestrandete Urlauber organisieren und zu dem Zweck einen Regierungsgipfel für eine gemeinsame Lösung einberufen. Das verlangte am Montag die stellvertretende ÖVP-Klubobfrau und Ex-Tourismusministerin Elisabeth Köstinger. Sie verwies dazu auf die Aktivitäten der britischen Regierung zugunsten einer unbürokratischen staatlichen Rückholung. "So etwas wäre wünschenswert für alle betroffenen Österreicher", sagte Köstinger. Eine rasche und unbürokratische Hilfe bezeichnete sie als ein "Gebot der Stunde".

Die Koordination einer solchen Rückholung sollte federführend im Außenministerium erfolgen, zudem sollte vor allem das Wirtschaftsministerium eingebunden sein, das seit Anfang Juni von der Tourismus-Expertin Elisabeth Udolf-Strobl geleitet wird.

In den sozialen Medien ist die Insolvenz natürlich auch ein Thema. Kunden beschweren sich, dass sie keinerlei Informationen von Thomas Cook bekommen.

Condor fliegt weiter

In Österreich ist Thomas Cook der drittgrößte Anbieter von Pauschalreisen nach TUI und Rewe Austria Touristik, mit rund einer Viertelmillion Reisenden jährlich. Ende 2017 beteiligte sich der Konzern mit seiner Airline Condor auch im Verfahren um die insolvente Fluglinie Niki, und kooperierte später mit dem erfolgreichen Bieter Laudamotion.

Die deutsche Thomas-Cook-Tochter Condor hält den Flugbetrieb aber aufrecht. "Wir führen den Flugbetrieb ganz regulär fort", sagte eine Sprecherin Montagfrüh der Deutschen Presse-Agentur. Natürlich gebe es besorgte Kunden, die sich bei dem Ferienflieger telefonisch meldeten. "Es ist toll, unseren Kunden sagen zu können, dass wir weiter fliegen und dass der Flug normal geht", sagte sie.

Condor darf jedoch aus rechtlichen Gründen Urlauber, die mit Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben, nicht mehr an ihr Reiseziel bringen. Die deutsche Thomas Cook hatte nach der Insolvenz der britischen Mutter mitgeteilt, man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden. "Wir dürfen Sie daher für Ihren Flug nicht annehmen, was uns außerordentlich leid tut", teilte Condor am Montag mit. Rückflüge sind nicht betroffen.

Flughafen Innsbruck braucht Ersatzflüge

Die heimischen Flughäfen sind aktuell nicht unmittelbar von der Pleite betroffen. "Es gibt keine direkten Flugverbindungen von Thomas Cook oder Condor ab Wien", sagte Flughafen-Sprecher Peter Kleemann am Montag. In Innsbruck sucht man derzeit aber unter Hochdruck nach Ersatzflügen für das Wintergeschäft, das im Dezember anläuft. "Bei uns betrifft es das Incoming-Geschäft - das hat ein größeres Volumen", erklärte der stellvertretende Flughafen-Direktor des Flughafens Innsbruck, Patrick Dierich. 2018 auf dem Tiroler Airport über die Wintermonate hinweg 38.000 Passagiere verbucht - 19.000 ankommend und 19.000 abfliegend. "Über die letzten sechs Jahre hatten wir sechs Flüge pro Wochenende, vier aus London-Gatwick, zwei aus Manchester", so Dierich. "Heute und diese Woche sind wir also nicht betroffen."

Dennoch herrscht nun Stress, denn bis Anfang Dezember ist nicht mehr viel Zeit. "Da steht's schon Spitz auf Knopf." Der Flughafen sei schon seit einigen Wochen mit Reiseveranstaltern in England in Kontakt, um bei einem Ausfall Ersatz zu haben. "Eigentlich plane ich mit den Airlines derzeit 2020/21", erläuterte Dierich die ansonsten übliche Vorlaufzeit von eineinhalb Jahren im Fluggeschäft. Er ist aber zuversichtlich, sämtliche Lücken für den Winter schließen zu können: "Nachdem die Nachfrage nach Slots in Innsbruck das Angebot gerade an den Winterwochenenden übersteigt, gehe ich davon aus, dass wir Ersatz finden werden."

Am Flughafen Salzburg gibt es keinerlei Probleme. "Weder Thomas Cook Airlines noch Condor fliegen Salzburg derzeit direkt an", sagte Airport-Sprecher Alexander Klaus. Nicht abschätzbar sei allerdings, wie viele Kunden des insolventen Veranstalters mit normalen Linienmaschinen von und nach Salzburg geflogen sind.

>>> Ansprechpartner für Österreich zu Allianz

>>> Ansprechpartner für Thomas Cook Österreich

(red.)