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Managementwahnsinn - Wahnsinnsmanagement

Wirtschaft gegen Gesellschaft?

Kolumne "Hirt on Management": Folge 108.

In unserer Rubrik „Hirt on Management“ schreibt Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker alle zwei Wochen über herausfordernde Situationen und kritische Entscheidungen für Manager.

Kann in allen Bereichen der Gesellschaft, sinnvoll nach wirtschaftlichen Grundsätzen gehandelt werden?

Es kommt darauf an, was man unter wirtschaftlichen Grundsätzen versteht.

Ein Verständnis von „wirtschaftlichen Grundsätzen“ sind Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, daher der produktive Einsatz von Ressourcen, so dass diese den höchsten Nutzen pro eingesetzter Ressourceneinheit bringen, sowie grundsätzlich ein bestimmtes Ziel mit möglichst wenig Mitteln zu erreichen.

Diesen beiden Grundsätze sind meines Erachtens in allen Bereichen der Gesellschaft, von einem Unternehmen, über einen Staatshaushalt, dem Budget eines Vereins bis zu einem privaten Haushalt, anwendbar.

Versteht man allerdings unter wirtschaftlichen Grundsätzen z.B. das Prinzip von Angebot und Nachfrage und das Modell des immer rational optimierenden Homo Oeconomicus, dann muss meines Erachtens, die Antwort wohl anders ausfallen.

Erstens, sind die Motive unseres Handelns, was wir spätestens seit Sigmund Freud und C.G. Jung wissen, großteils nicht rational und lassen sich auch nicht sinnvoll durch die Brille einer rationalen Nutzenoptimierung betrachten oder handhaben. 

Zweitens, entsteht die menschliche Gesellschaft nicht durch eine Verordnung von „oben“, sondern spontan von „unten“, durch die freiwillige Verbindung von Menschen in der Familie, Vereinen, Schulen, Universitäten, am Arbeitsplatz, usw. 

Alle diese Verbindungen von Menschen haben natürlich auch Ziele, die wirtschaftlich und sparsam zu erreichen sind, aber die wirkliche Funktion dieser Gruppen besteht nicht primär in der Erreichung dieser Ziele, sondern vielmehr in der Herstellung von verbindlichen Beziehungen und Sozialkapital, die eine gelingende Gesellschaft erst ermöglichen.

Wendet man hier das Prinzip von Angebot und Nachfrage und die Fiktion des Homo Oeconomicus geistlos an, dann zerstört man genau das, was dieser selbst organisierte Teil der Gesellschaft wirklich herstellen soll, nämlich die verbindliche Verantwortung des Einzelnen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

„A cynic is a man who knows the price of everything and the value of nothing.“ - Oscar Wilde

Das Wichtigste in Kürze

Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit sind für alle Bereiche der Gesellschaft anwendbar. Eine geistlose und unkritische Anwendung des Prinzips von Angebot und Nachfrage und des Modells des immer rational optimierenden Homo Oeconomicus, auf alle Bereiche der Gesellschaft, ist hingegen potentiell zerstörerisch.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com
Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 10. Oktober 2019 zur Frage: Was wir aus der Erfolgsstory der Schweizer Uhren lernen können.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Michael Hirt ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu außergewöhnlichen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, den USA (Harvard LPSF) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

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