Wieder ein Knaller zum Auftakt der Lohnrunde

Die Metaller beginnen mit dem herbstlichen Feilschen um Prozentpunkte
Die Metaller beginnen mit dem herbstlichen Feilschen um ProzentpunkteAPA/HANS PUNZ

Die Wirtschaft flaut ab, die Inflation sinkt – aber für die Gewerkschaft ist „Zeit der Ernte“. Mit ihrer Forderung nach 4,5 Prozent mehr Lohn und einem Recht auf die Vier-Tage-Woche erntet sie bei den Arbeitgebern nur Unverständnis.

Wien. Die Lohnrunde ist immer auch ein bisschen politisch. Das dürfte erklären, warum es zum Auftakt der heurigen Metallerlohnrunde zunächst ziemlich entspannt zuging: keine türkis-blaue Regierung mit unternehmerfreundlicher Agenda. Und keine von Haus aus aufgebrachte Gewerkschaft, die sich deshalb an den Arbeitgeberverhandlern abarbeitet. „Wenn sich die Arbeitgeber auf uns freuen, freuen wir uns auch“, sagte Arbeitnehmer-Chefverhandler Rainer Wimmer zur Begrüßung. Nur um seinem Gegenüber wenig später eins vor den Latz zu knallen: Die Forderung der Gewerkschaft in der heurigen Metallerlohnrunde hat es in sich. Sie verlangt für die 195.000 Beschäftigten in der Metallindustrie Lohn- und Gehaltserhöhungen von 4,5 Prozent, aber mindestens 100 Euro. „Es muss rascheln“, teilten die Chefverhandler Wimmer von der Pro-Ge und Karl Dürtscher von der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) den Arbeitgebern und der Öffentlichkeit mit. Das ist nicht ohne – schließlich sind sich alle Wirtschaftsforscher einig, dass es mit den wirtschaftlichen Höhenflügen erst einmal vorbei ist. Heuer sinkt das Wachstum laut Prognose von 2,7 auf 1,5 Prozent. Die Inflation, die neben der Produktivität als wichtigste Kennzahl für die Lohnrunde gilt, soll von zwei auf 1,6 Prozent zurückgehen. Die Gewerkschaft wischt das vom Tisch. Für sie ist „nach vielen guten Jahren“ nun die „Zeit der Ernte“ da. Von ihrem Gegenüber erntet sie damit nur Kopfschütteln. „Realitätsfremd“ nannte die Forderung Christian Knill, der als Obmann der Metalltechnischen Industrie für die Arbeitgeber spricht.

Und angesichts des Forderungskatalogs der Metaller ist klar, dass den Arbeitgebern nicht nur die hohe Prozentzahl zu beißen gibt. Die Gewerkschaft will für alle Beschäftigten der Branche ein Recht auf die Vier-Tage-Woche erstreiten. Außerdem verlangt sie die leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche. Derzeit kommen in der Regel nur jene in den Genuss einer sechsten Urlaubswoche, die mindestens 25 Jahre im selben Betrieb arbeiten. Künftig sollen Vordienstzeiten auch nach dem Jobwechsel großzügiger angerechnet werden.

Vier-Tage-Woche und mehr Urlaub

Die Arbeitgeber wollen davon nichts wissen. Ein einseitiges Recht auf die Vier-Tage-Woche werde es nicht geben, so Knill. Das stellte am Montag auch Karlheinz Kopf, Generalsekretär der Wirtschaftskammer, klar: „Über solche Dinge wollen wir genauso wenig reden wie über die sechste Urlaubswoche für alle“, sagte er vor Journalisten. Aber die Gewerkschaft hat das unter Türkis-Blau beschlossene Arbeitszeitgesetz, das fallweise bis zu zwölf Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich an Höchstarbeitszeit erlaubt, noch nicht verdaut. Sie fordert einen Ausgleich. Laut Wirtschaftskammer ist das nicht notwendig – denn es zeige sich, „dass sich an der faktischen Arbeitszeit nichts geändert hat“, sagte Kopf und berief sich auf eine Umfrage im Auftrag der Kammer. 80 Prozent der Arbeitnehmer seien demnach mit dem Ausmaß ihrer Arbeitszeit zufrieden.

Bevor sie zur Arbeitszeit kommen, müssen die Verhandler die Zahlen außer Streit stellen. Sie sehen die Welt wie immer sehr unterschiedlich: Die Gewerkschaft beruft sich auf Erhebungen der Arbeiterkammer, die laut APA 157 Unternehmen der Branche untersucht hat und die Gewinne „auf einem sehr hohen Niveau“ sieht. Die Arbeitgeber sprechen von einer rückläufigen Produktivität und fürchten im Fall eines hohen Abschlusses in Kombination mit dem Abschwung die Gefahr einer „Vollbremsung“.

Das Vorjahresergebnis ist jedenfalls nicht zu toppen: Da schlug die Gewerkschaft – Warnstreiks inklusive – mit 3,5 Prozent den höchsten Abschluss seit sieben Jahren heraus. Da helfen ihnen auch die 80 Betriebsräte nicht, die Wimmer und Dürtscher zur Forderungsübergabe in die Wirtschaftskammer mitgebracht haben – die Background-Tänzer in einer gut einstudierten Choreografie.


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