Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Thomas-Cook-Pleite: Versicherer Zurich muss bis zu 110 Millionen Euro zahlen

REUTERS
  • Drucken

Pauschalreisende von Thomas Cook in Deutschland sind über den schweizerischen Versicherungskonzern Zurich gegen die Folgen einer Insolvenz abgesichert - allerdings womöglich nicht komplett. Die Türkei hilft betroffenen Firmen mit einem millionenschweren Kreditpaket.

Ein Zurich-Sprecher bestätigte am Montag in Bonn, dass das Unternehmen die Reisesicherungsscheine für Thomas Cook bereitstelle. Die Polizzen seien mit 110 Millionen Euro pro Reiseveranstalter gedeckelt. Da die deutsche Tochter von Thomas Cook bisher keine Insolvenz angemeldet habe, sei der Versicherungsfall bisher auch nicht eingetreten.

"Übersteigen die Ansprüche insgesamt diese Summe, bekommen Kunden dann nur anteilig eine Entschädigung", erklärte der Versichererverband GDV. Bei einer Insolvenz von Thomas Cook Deutschland könnte dieser Fall eintreten: "Ob der Betrag bei der Pleite eines Branchenschwergewichts ausreicht, ist nicht sicher", warnte Klaus Müller, Vorstand der deutschen Verbraucherzentrale Bundesverband.

Der Verband poche schon lange darauf, dass der Höchstbetrag angehoben wird. Thomas Cook müsse zügig mit dem Insolvenzversicherer und mit Fluggesellschaften sprechen, um den Rücktransport der gestrandeten deutschen Urlauber zu organisieren.

Nach Angaben von Thomas Cook Deutschland sind rund 140.000 Pauschalreisende mit den verschiedenen Veranstaltern des Konzerns wie Bucher und Öger Tours unterwegs. Weitere 21.000 sollten eigentlich am Montag oder Dienstag in den Urlaub starten.

Die Reisesicherungsscheine schützen Kunden davor, bei einer Reise am Urlaubsort zu stranden oder ihre Anzahlungen für bereits gebuchte Reisen zu verlieren. Das Gesetz sieht bei der Insolvenz eines Reiseveranstalters vor, dass dieser die Kunden zurückholt und der Versicherer die Kosten dafür erstattet, wie der Branchenverband GDV erläuterte. Ist die Reise noch nicht angetreten, bekommt der Kunde den Preis erstattet.

Die zur Münchener Rück gehörende Ergo Reiseversicherung (ERV), die mit Thomas Cook zusammenarbeitet, sieht sich von einer möglichen Insolvenz nicht betroffen. Reiserücktritts-, Reisekranken- und Reisegepäck-Versicherungen, die sie für Thomas-Cook-Kunden anbiete, seien von einer Pleite unberührt, sagte eine Sprecherin.

Türkei schützt Firmen mit Kreditpaket

Die Türkei hat nach der Thomas-Cook-Pleite ein millionenschweres Kreditpaket angekündigt, um die von der Insolvenz betroffenen einheimischen Firmen zu unterstützen. Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy sagte am Montag, dass das Kreditpaket 50 Millionen Euro umfassen werde.

Die Küstenregionen um Antalya, Bodrum und Dalaman gehörten zu den Topzielen des britischen Reiseanbieters, der in der Nacht zu Montag Insolvenz anmelden musste. Laut Ersoy befinden sich derzeit 21.000 britische Urlauber mit Thomas Cook in der Türkei. Sie sollen in den kommenden Wochen nach Hause gebracht werden. Sollten auch die deutschen Tochterfirmen von Thomas Cook in Insolvenz gehen, könnte sich die Zahl der auf Hilfe bei der Rückkehr angewiesenen Urlauber um weitere 20.000 erhöhen. Insgesamt sind demnach 80.000 Touristen mit den verschiedenen Tochterfirmen in der Türkei.

"Unsere Priorität ist es, dass die ausländischen Gäste hier ohne zu große Unannehmlichkeiten nach Hause zurückkehren können", sagte Ersoy. Er warnte, türkischen Hotels drohten Strafen, sollten sie von britischen Thomas-Cook-Kunden zusätzliches Geld verlangen. Er verwies darauf, dass britische Pauschalurlauber durch die Air Travel Organiser's Licence (ATOL) abgesichert seien.

Ersoy äußerte sich zuversichtlich, dass andere Firmen die Lücke von Thomas Cook in der Türkei füllen würden, wo der Tourismus sich gerade erst von der Krise nach dem Putschversuch 2016 erholt hat. Weltweit sind derzeit rund 600.000 Menschen auf Reisen mit Thomas Cook, davon 150.000 Briten und 140.000 Deutsche. Die insolvente Muttergesellschaft stellte alle Flüge ein. Der Flugbetrieb der deutschen Tochter Condor läuft bisher weiter.

Die Regierung in Zypern versicherte unterdessen, sie stimme sich eng mit Großbritannien ab, um sicherzustellen, dass die britischen Thomas-Cook-Kunden auf der Insel möglichst reibungslos in ihre Heimat zurückkehren könnten. Vize-Tourismusminister Savvas Perdios sagte, es seien derzeit 15.000 Urlauber mit Thomas Cook in dem EU-Staat, davon 7500 Briten. Er warnte, der Tourismusindustrie drohe ein Verlust von 50 Millionen Euro.

"Dies ist ein schwerer Schlag für den Tourismus auf Zypern", sagte Perdios. Kaum jemand rechne damit, dass ausstehende Rechnungen von Hotels und anderen Geschäftspartnern des Reiseanbieters in den Monaten Juli bis September noch beglichen würden. Demnach reisten bisher jährlich rund 250.000 Urlauber mit Thomas Cook nach Zypern und bescherten der Tourismusindustrie auf der Mittelmeerinsel Einnahmen von 187,5 Mio. Euro.

 

(APA/Reuters)