Klatschheft statt Kunstkatalog: Patrik Muff setzt auf eindeutige Symbole und einen unverkrampften Zugang zum Thema Schmuck.
Keine Angst vorm Kommerz: „Ich bin gerne in der ,Bunten‘“, sagt Patrik Muff. Der Schmuckdesigner hält nichts von der Einstellung, dass man sich doch als Künstler bitteschön von allen Banalitäten des Alltags fernhalten solle. „Viele Leute sagen mir, pass bloß auf, dass du nicht in der ,Bunten‘ landest. Ich finde, mein Schmuck sollte genau dort zu sehen sein, damit er unter die Leute kommt. Dieses ganze kunstlastige Gerede brauch ich nicht.“ Deshalb ist er auch an einer Schmuckprofessur knapp gescheitert, „ich denke denen einfach zu kommerzhaft. Wenn ich Schmuck mache, will ich nicht drei Seiten über jedes Ding schreiben.“ Er will nicht seinen Stücken im Nachhinein Wörter aufzwingen, die versuchen, die Entstehungsgeschichte und die Gedanken des Designers möglichst unverständlich darzustellen, sein Schmuck müsse in erster Linie tragbar sein. Das sieht man freilich nicht all seinen Entwürfen an.
Und auch, dass Patrik Muff „eigentlich sehr konventionell“ arbeite, würde man nicht glauben, wenn man ihm in der U-Bahn gegenüber sitzt: Der? Nie im Leben, viel zu viele Tattoos, würden unsere Mütter sagen.
Mit verkopften Ansichten hat er nichts am Hut, mit Köpfen schon: Totenschädel, Kreuze, Herzen oder Flügel zeigen Patrik Muffs Vorliebe für traditionelle, starke Symbole. Er gießt sie aus Porzellan, liebt das Material aufgrund seiner Ambiguität zwischen hart und zerbrechlich und die Farbe, „weil Weiß einfach weiß ist.“ Das habe ihn immer schon an Porzellan fasziniert. „Dieses Weiß sticht überall heraus“. Was ihm und seinem Namen zugutekommt, wenn seine Schmuckstücke in Modestrecken ihren Einsatz haben. „Da reicht es, wenn ein Model einen kleinen Porzellananhänger trägt. Das Weiß sieht man sofort.“
Vorbelastet. So wenig Patrik Muff mit aufgesetztem Gerede über Schmuck zu tun haben will, so sehr ist er von der archaischen Symbolik seiner Motive überzeugt: „Wir sind da alle ein bisschen vorbelastet. Wenn man früher einen Zahn getragen hat, heißt das, dass man den dazugehörigen Bären selbst erschossen hat.“ Wie ist das dann bei seinen Totenköpfen? „Naja, damit wollen die Leute zeigen, dass sie auch ein bisschen böse sein können.“ Das Totenschädelmotiv kommt auch bei seinen Charms vor, den kleinen Anhängern zum Sammeln. Patrik Muffs Ehefrau Bele, als Graphikerin übrigens für den Katalogauftritt der Marke verantwortlich, glaubt, dass der Charms-Hype, den vor allem Firmen wie Thomas Sabo geprägt haben, „eine Art modernes Briefmarkensammeln“ ist. „Man kann auf kleinstem Raum, also zum Beispiel am Handgelenk, zeigen, wer man ist, kann mit dem Schmuck quasi gleich seinen Steckbrief herumtragen, ein bisschen seine Geschichte erzählen.“
Geschichten zu seinen Schmuckstücken bekommt Patrik Muff zuhauf überliefert. „Eine Kundin zum Beispiel ist aus dem Fenster gefallen, hat sich aber nur den Arm auf der Seite gebrochen, auf der sie keinen Schmuck getragen hat. Da war dann ein Patrik-Muff-Stück ihr Talisman.“
Muffs Entwürfe bekommt man im Prinzip nur in München zu kaufen. Es sei denn, er entscheidet sich zu einer Stippvisite, wie zur Zeit in Wien bei Tiberius im siebenten Bezirk. Darum legen manche seiner Schmuckstücke „Wahnsinnsdistanzen“ zurück, werden aus dem Münchner Geschäft zuerst per Handyfoto nach New York geschickt, dann auch in natura. Und von da an geht der Schmuck seinen eigenen Weg. Wie auch das Stück, das Muffs vierjähriger Sohn Otto von seiner Pumucklwerkbank ins neben dem Atelier gelegene Geschäft brachte und stolz allen Kunden verkündete: „Ich hab grad einen Edelstein zertrümmert!“
Atelier Muff Frauenstraße 15, 80469 München. www.patrikmuff.com
Tiberius Lindengasse 2, 1070 Wien. www.tiberius.at