Führungsfehler

Pfeif‘ auf die Sicherheit

Kolumne. Es machte ihm Sorgen, wie wenig sich der Chef um die Sicherheit der Monteure kümmerte. Ihm selber war das wichtig. Auch wenn es nicht seine Aufgabe war.

Immer tiefer tauchte er in die Materie ein. Schließlich finanzierte er sich selbst eine Ausbildung. Sich fortan „Sicherheitsbeauftragter“ auf die Visitenkarte zu schreiben, das war schon etwas. Voll Stolz stürzte er sich auf seine neue, natürlich nicht extra honorierte Aufgabe.

Sein Chef sah das anders. Ihn ärgerten die zahlreichen Vorschläge, so berechtigt sie auch waren. Und überhaupt: Was interessierte ihn die Sicherheit der Monteure? Die Firma hatte andere Sorgen.

Er wusste natürlich, dass er das nicht laut sagen durfte. Also tat er, was genervte Chefs so tun, wenn sie einen Mitarbeiter loswerden wollen. Sägen, bossen, mobben.

Ein Jahr später hatte er es geschafft. Entnervt warf der Sicherheitsbeauftragte das Handtuch und kündigte.

Kurz darauf stürzte ein Monteur kopfüber von einem Strommast. Hätte er die Schutzgurte verwendet, die der Sicherheitsbeauftragte so gerne bestellt hätte, wäre ihm wenig passiert. Doch der Chef hatte das Budget nicht freigegeben.

Das wusste natürlich niemand. So konnte der Chef aus voller Kehle über die Unfähigkeit des Sicherheitsbeauftragten fluchen. Er wäre er doch dafür verantwortlich gewesen, nicht wahr?

Alle pflichteten ihm bei.

 

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Ähnlichkeiten mit realen Personen und Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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