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Leitfaden für eine erfolgreiche Restrukturierung

Clemens Jaufer, Partner der ScherbaumSeebacher Rechtsanwälte.
Clemens Jaufer, Partner der ScherbaumSeebacher Rechtsanwälte.(c) beigestellt ScherbaumSeebacher

Der rechtliche Rahmen in Österreich ermöglicht effiziente, flexible und vertrauliche Restrukturierungsprozesse. Zusammenarbeit und Kommunikation sind der Schlüssel für den Erfolg.

Auch solide Unternehmen im Mittelstand stehen oft strategischen Herausforderungen durch ein verändertes Marktumfeld, neue gesetzliche Rahmenbedingungen oder technologische Entwicklungen gegenüber. In ertragsschwachen Phasen müssen Unternehmer, Finanzierungspartner und andere Stakeholder häufig an einem Strang ziehen, damit eine strategische und finanzielle Restrukturierung des Unternehmens langfristig gelingt.

 

Bevor der Hut brennt

Viele Unternehmer erkennen zwar einen Handlungsbedarf, schöpfen aber die bestehenden Möglichkeiten nicht rechtzeitig aus. Externe Berater mit Krisen-Know-how werden häufig überhaupt erst dann beigezogen, wenn sprichwörtlich „der Hut brennt“ und eine unmittelbar drohende Insolvenzsituation den Handlungsspielraum bereits massiv einschränkt. Gerade im Konzernverbund oder mit Auslandsbezug ist ein gerichtliches Sanierungsverfahren oft nicht flexibel genug.

Wer früher aktiv wird, kann effektiver sanieren! Der rechtliche Rahmen in Österreich ermöglicht effiziente, flexible und vertrauliche Restrukturierungsprozesse. Die im Frühjahr beschlossene EU-Restrukturierungsrichtlinie soll diese noch weiter fördern – die konkrete Umsetzung der Richtlinie durch den österreichischen Gesetzgeber wird daher mit Spannung erwartet. Doch schon bisher zeigt die Praxis, dass eine gut vorbereitete und professionell begleitete Restrukturierung gute Erfolgschancen hat. Aus Sicht des Unternehmers stellt ein realistisches operatives Konzept zur Sanierung den Ausgangspunkt dar.

Die Entscheidungsgrundlagen sollten sorgfältig aufbereitet werden – bereits in diesem Stadium externe Berater beizuziehen hilft zudem dabei, potenzielle Haftungsrisken als Geschäftsführer zu vermeiden. Wenn notwendig, ist eine insolvenzrechtliche Fortbestehensprognose zu erstellen.

 

Ansprechpartner Bank

Auf dieser Basis kann das Gespräch mit wichtigen Gläubigern gesucht werden. Zumeist sind die finanzierenden Banken erste wesentliche Ansprechpartner. Konstruktive und transparente Kommunikation ist hier entscheidend. Die häufig geforderte Entbindung vom Bankgeheimnis innerhalb der Bankenrunde ermöglicht es den Banken, abgestimmt vorzugehen (schlussendlich zum Vorteil des Unternehmens). Im Einvernehmen lassen sich eine kurzfristige Stundung, allenfalls notwendige Zwischenfinanzierungen und ein langfristiges Tilgungskonzept umsetzen. Falls notwendig, können weitere Stakeholder (z. B. Factoringgesellschaften, Haftungsträger) in den Prozess eingebunden werden.

Die rechtliche Begleitung des Restrukturierungsprozesses stellt sicher, dass das Einvernehmen mit den Gläubigerbanken in eine rechtssichere Vereinbarung umgesetzt wird und dass die insolvenzrechtlichen Handlungspflichten in der Phase der Unternehmenskrise eingehalten werden. Die Geschäftsführung erhält die Sicherheit, nicht unwissentlich Haftungsrisken (z. B. wegen Insolvenzverschleppung) ausgesetzt zu sein.

 

Kein Imageverlust

Im Vergleich zu einem gerichtlichen Insolvenzverfahren hat die außergerichtliche Sanierung zusätzlich einen oft entscheidenden Vorteil: Der Restrukturierungsprozess ist grundsätzlich vertraulich – andere Marktteilnehmer werden somit nicht verunsichert und das Unternehmen erleidet keinen „Imageverlust“. Das hilft dabei, einen weitergehenden wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen abzuwenden. Doch auch aus Sicht der Gläubiger zahlt es sich aus, einen Restrukturierungsprozess zu unterstützen: Erfahrungsgemäß wird in der außergerichtlichen Sanierung häufig eine höhere Befriedigungsquote erzielt.

Damit die Restrukturierung gelingt, bedarf es nicht nur eines fundierten betriebswirtschaftlichen Konzepts – nur wer die involvierten Stakeholder rechtzeitig einbezieht und mit diesen offen und konstruktiv kommuniziert, erhält die notwendige Unterstützung und den finanziellen Spielraum, um sein Unternehmen in eine langfristig erfolgreiche Zukunft zu führen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2019)