Schulen

Protest als Unterrichtsgegenstand

(c) REUTERS (LISI NIESNER)

Wenn Lehrer mit ihren Klassen oder ganze Schulen demonstrieren.

Wien. Der Klimaprotest als Akt der Rebellion war einmal – an diesem Freitag wird unter Aufsicht von Lehrern und mit dem Okay der Bildungsministerin gestreikt. In Wien hat die Bildungsdirektion die „Earth Strike“-Demonstration am Dienstag für alle Schulen zur schulbezogenen Veranstaltung erklärt. Damit können Schüler im Rahmen des Unterrichts an der Demo teilnehmen, wenn sie durch einen Lehrer beaufsichtigt werden.

Schulbezogene Veranstaltungen müssen eigentlich im Schulgemeinschaftsausschuss oder Schulforum beschlossen werden. Sind mehrere Schulen betroffen, kann das die Bildungsdirektion für alle tun. Die Teilnahme für die Schüler ist freiwillig. Einfach so dürfen Schulen ihre Schüler und Lehrer aber nicht zur Demo schicken, hat Bildungsministerin Iris Rauskala vorige Woche in einem Erlass festgehalten. Die Teilnahme muss unterrichtsbezogen sein, das Thema also im Vorfeld bzw. in der Nachbereitung behandelt werden. Wie viele Wiener Schulen diese Möglichkeit am Freitag nutzen wollen, weiß man in der Bildungsdirektion nicht. Schulveranstaltungen sind nicht meldepflichtig.

Dabei sein werden jedenfalls Tausende Schüler. Auch von prominenten Schulen: Aus dem Schottengymnasium werden Klassen dabei sein. Im Theresianum gehe man das Thema „pragmatisch“ an, wie es in der Direktion heißt. Der Unterricht endet um 13.35 Uhr, das Gymnasium ist ohnehin nahe dem Karlsplatz, wer dort ab 14 Uhr an der Kundgebung teilnehmen will, könne das tun. Exkursionen zu den Demo-Zügen zuvor werde es aber nicht geben.

Als eine der ersten Schulen geschlossen teilnehmen will das GRG 16 Maroltingergasse. Die Initiative dazu kam von Schülervertretern, wie Direktorin Elisabeth Gutenberg sagt, die für jede Unterstufenklasse nun drei Begleitpersonen organisiert. „Wir streben als Schule das Umweltsiegel an, das ist eine ideale Gelegenheit, diesen neuen Schwerpunkt zu zeigen“, sagt Gutenberg. Dass ihre rund 800 Schüler damit einen Freibrief zum Demonstrieren haben, heiße das aber nicht.

„Den Schülern wurde schon mitgeteilt, dass dann wieder Schule angesagt ist“, so die Direktorin. „Meine Schüler sind bisher aber so nett und kooperativ, dass sie bisher fragen, wenn sie teilnehmen wollen.“ Bisher sei Oberstufenschülern zweimal nachmittags eine Teilnahme an Klimaprotesten gestattet worden. (cim)