Extrembergsteiger Benedikt Böhm
Gipfelsturm

Putha Hiunchuli: Im Eiltempo rauf, noch schneller wieder runter

Bergsteigen ist zwar seine Leidenschaft, doch bei Auf- und Absteigen  kann es dem Deutschen Benedikt Böhm, 41, gar nicht schnell genug gehen. Jetzt will er in Nepal Geschichte schreiben, am Dhaulagiri VII.

Bergsteigen allein ist schon ein Erlebnis. Den Weg zu suchen, ihn zu finden und einen Gipfel zu erklimmen. Der Blick ins Tal oder über die Weite hinweg ist der Lohn für alle Mühen und Entbehrungen. Extrem- bzw. Speed-Bergsteigen ist die Ausbaustufe dessen, es geht schneller – und verlangt noch viel mehr Vorarbeit. „Und Kondition“, erklärt der Deutsche Benedikt Böhm, 41, der heute zu einem Rekordversuch nach Nepal aufbrechen wird.

Dafür ließ der Dynafit-Geschäftsführer nichts unversucht: er will bis zum 21. Oktober eine neue Bestmarke am Dhaulagiri VII im Nordwesten des Landes aufstellen.

In weniger als acht Stunden will Böhm in einem Zug vom Base Camp auf 4930 Meter Seehöhe den 7246 Meter hohen Gipfel bezwingen – und anschließend auf Ski wieder zurück zum Base Camp abfahren. Sein ambitioniertes Vorhaben stellt er dabei in den Dienst der guten Sache, für die Aktion „United for Himalayan Kids“. Stirnbänder sind für 10 Euro im Online-Shop des Sportartikelerstellers erhältlich, mit dem Umsatz wird gemeinsam mit dem Verein Nepal-Medical-Careflight ein Schulprojekt unterstützt.

Schneller, höher: Der Berg ruft

Der Dhaulagiri VII, auch Putcha Hiunchuli genannt, ist der westlichste Gipfel der langgestreckten Dhaulagiri Himal Gerbirgskette. Er gilt als lohnender Skiberg, der aus technischer Sicht auch relativ einfach zu bewältigen ist. Ob des langen Zustiegs und der generellen Abgeschiedenheit der Region, ist der Dhaulagiri VII nicht überlaufen. Die Normalroute führt über die Nordseite, wobei sich die spaltenarme Nordwestflanke für die Besteigung mit Skiern eignet.

Seine Skier sind immer dabei

Geübte Bergsteiger errichten zumeist zwei oder drei Hochlager und verbringen demnach mindestens zwei Tage in der Höhe. Böhm möchte all das in acht Stunden bewältigen. Warum er das macht? Der „Presse“ sagt er: „Bergsteigen ist meine große Lust – und ich mag es gerne schnell.“

Das Begehr, Grenzen zu verschieben, ist sein Antrieb. Als fünftes von sechs Kindern wuchs er in München auf, als dreifacher Familienvater kennt er auch Begriffe wie Angst und Sicherheit. Zu viel riskieren werde er nicht, das Ziel zu erreichen bleibt dennoch sein Verlangen.

Benedikt Böhm

Dass er etwas von seinem Metier auch versteht, bewies „Bene“, wie sie ihn rufen, bereits im vergangenen März. Böhm überquerte auf Tourenski in 28 Stunden und 45 Minuten in einem Zug die Alpen von Nord nach Süd. Für die Route von Ruhpolding über das Salzburger Land nach Kasern in Südtirol benötigen Bergsportler zwischen drei und sechs Tagen.

Dynafit

Er meisterte 210 Kilometer und 10.500 Höhenmeter nonstop Pausen oder Schlaf in 28 Stunden und 45 Minuten. 13.000 Euro ergingen damit an die gemeinnützige Organisation der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke. „Die Speed-Transalp war eine unbeschreibliche Erfahrung. Ich war vollkommen am Ende, meine Füße schmerzten und mein ganzer Körper war leer. Ich konnte es kaum noch erwarten, mich ins Bett zu legen.“

2012 stand er nach 15 Stunden auf dem Gipfel des des Manaslu (8163 Meter). Ein Grenzgang, der mehr als nur an die Substanz ging. Die Besteigung stand im Schatten eines Lawinenunglücks, das eine Woche zuvor Todesopfer gefordert hatte. Schlechter werdende Verhältnisse, Unbehagen, Erschöpfung oder Krankheit, in diesen Höhen kann alles schnell umschlagen. Böhm kennt diese Gefahren, darum ist Demut bei manch Abfahrt dann mehr als nur ein steter Wegbegleiter. Auch bei dieser Expedition, hinauf zum Dhaulagiri VII. (fin)