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Plattenkritik

Symphonik und Klaviermusik: Anton Bruckner, ganz groß und (noch) klein

Anton Bruckner: Die Symphonien/Klavierwerke
Anton Bruckner: Die Symphonien/Klavierwerke(c) Deutsche Grammophon/Brillant
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Wie sich Herbert von Karajan das Gesamtwerk erarbeitete, und wie Bruckner selbst an seiner Entwicklung arbeitete und feilte: Alle neun Symphonien und frühe Klaviermusik auf CD.

Wenn es darum geht, die großen Bruckner-Dirigenten der jüngeren Vergangenheit aufzuzählen, fällt der Name Herbert von Karajan meist als einer der ersten. Doch hat der Maestro sich im Konzertgebrauch auf einige wenige der neun Symphonien beschränkt. Alle (immer noch exklusive der sogenannten Nullten) hat er nur einmal für die Deutsche Grammophon eingespielt – und man hört durchaus, dass da manches Werk gerade einmal durchgespielt wurde; mit reicher Bruckner-Erfahrung, aber eben nicht geschult am gerade behandelten Objekt.

Man wird für die ersten beiden bei Eugen Jochum, für die Dritte (und auch die Vierte) wohl etwa bei Karl Böhm überzeugendere Darstellungen aus jenen Jahren finden. Und dennoch darf Karajans Gesamtaufnahme nicht im Sammlerregal fehlen. Dermaßen stringente, dabei leuchtkräftig musizierte Aufführungen der Fünften und der letzten drei Symphonien findet man nicht leicht – und man hört sie jetzt dank der Neu-Edition (übrigens in derselben Aufmachung gleichzeitig mit den sechs Tschaikowsky-Symphonien veröffentlicht) auch digital auf höchstmöglichem Niveau.

Eine zusätzliche Blue-Ray-Disc enthält sämtliche Symphonien in HD-Digitalisierung. Das bringt gegenüber CD-Auflösung doch hörbare Gewinne an Transparenz.

Wer sich mit Bruckner näher beschäftigen möchte, dem gibt der Pianist Francesco Paqualotto (bei Brillant Classics) eine CD in die Hand, die Arbeiten des musikalischen „Sprösslings“ Bruckner hören lässt, jugendliche Tänzchen und (in gar nicht mehr so jugendlichem Alter notierte) Fantasiestücke von erstaunlicher Knappheit und Schlichtheit. Dass derselbe Komponist wenig später zyklopische symphonische Architekturen planen und formvollendet realisieren würde, ist aus diesen pianistischen Piecen nicht annähernd zu ahnen.

Gerade einmal die „Erinnerung“ führt uns einen Adagio-Versuch vor Ohren, der quasi in nuce spätere Bruckner'sche Bögen (und auch manches Vorecho auf Steigerungswirkungen) enthält. Aber das stammt aus dem Jahr 1868. Da war die Urfassung der Ersten schon komponiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2019)