Bürogestaltung

Lichtspiele und Tondesign im modernen Büro

Akustikplatten als Raumdesign: Dämpft seit 2018 den Schall und erfreut das Auge im Foyer des Lab East Building/IST Austria Wien.
Akustikplatten als Raumdesign: Dämpft seit 2018 den Schall und erfreut das Auge im Foyer des Lab East Building/IST Austria Wien.(c) Franz Pfluegl

Zu laut, zu grell, zu dunkel? In modernen Büros schafft das Design von Licht und Akustik gute Arbeitsverhältnisse – und so manchen Blickfang.

Dass sich Menschen im Büro bei künstlichem Licht wohlfühlen, ist auch einem gewissen Herrn David Lewis MacAdam zu verdanken. Er hat die nach ihm benannte MacAdam-Ellipse entwickelt, mit denen sich Farbunterschiede von Licht klassifizieren lassen. Diese Klassifizierungen sind bei modernem LED-Licht wichtig. Produktionsbedingt leuchten die vielen kleinen Dioden, die auf der Platine einer LED-Leuchte sitzen, nämlich in leicht unterschiedlichen Farbtönen, und dieser Effekt verstärkt sich im Laufe der Zeit.

Bei der LED-Leuchte im Eigenheim spielt das keine Rolle. „In einem Büro oder Konferenzraum, wo eine Reihe von Leuchten hintereinander montiert sind, fallen dagegen kleine, aber merkbare Unterschiede in der Farbtemperatur auf“, erklärt Harald Folk, Vertriebsverantwortlicher für Ostösterreich beim Vorarlberger Lichtlösungsspezialisten Zumtobel. Wenn die Leuchten dann zwischen Helligkeit und Weißtönen changieren, sieht das nicht wirklich elegant aus.

Dezente Geräuschdämmumg: Wände und Möbel aus strukturiertem Material finden sich in Büros immer häufiger.
Dezente Geräuschdämmumg: Wände und Möbel aus strukturiertem Material finden sich in Büros immer häufiger.(c) Beigestellt

Die von MacAdam entwickelte Methode dient zur Klassifizierung der Qualität der Sortierung der Pixel. Je kleiner die bei hochwertigen LED-Leuchten im Datenblatt genannte MacAdam-Zahl ist, desto feiner sind die Pixel sortiert und desto gleichmäßiger wird folglich die Lichtfarbe während der gesamten Lebensdauer sein. „MacAdam 2 ist eine feine Sortierung, da gibt es Unterschiede in der Farbtemperatur in einem Bereich, den der Mensch eigentlich nicht mehr wahrnimmt“, erläutert Folk. Alle Leuchten haben dann annähernd die gleiche Farbtemperatur und halten sie mit nur geringen Abweichungen auch auf Dauer.

Die Farbtemperatur des Lichtes ist ein wichtiger Wohlfühlfaktor, da sie sich auf den Hormonhaushalt und damit direkt auf das Befinden auswirkt. In Büros, in denen am Abend nach 20 Uhr gearbeitet wird, sollte beispielsweise Licht mit warmem Farbton und hohem Rotanteil eingesetzt werden. „Vergleichsstudien haben gezeigt, dass ein solches warmtöniges Licht zu einem deutlich höheren Melatoninspiegel im Blut führt als weißes Licht“, erzählt Andreas Danler, Lichtexperte beim Tiroler Lichtgestalter Bartenbach.

Lichtdesign als Stimmungselement: Jedem Raum die passende Athmosphäre (hier im Spaces Vienna Orbitower).
Lichtdesign als Stimmungselement: Jedem Raum die passende Athmosphäre (hier im Spaces Vienna Orbitower).(c) spaces

 

Melatoninlicht für Büroeulen

Melatonin steuert unsere innere Uhr. Wird es am Abend ausreichend produziert, soll die Schlafqualität und damit die Erholung besser sein. Allerdings wirkt das warmtönige Licht nicht einschläfernd. Die von Danler erwähnte Studie zeigte keine Unterschiede in der Leistungsfähigkeit bei weißem und warmweißem Licht. „Grundsätzliche Aussage der Studie ist, dass Melatoninlicht für Nachtarbeit hervorragend geeignet ist“, resümiert Danler.

Tagsüber ist für den Bartenbach-Lichtspezialisten natürliches Licht die ideale Lösung fürs Büro. „Bei Lichtplanungen darf man sich nicht auf Kunstlicht beschränken, sondern man sollte auch eine gute Tagesbelichtung sicherstellen.“ Ausreichende Beleuchtung ohne Blendung, angenehme Lichtfarben sowie optimale Helligkeitsverteilung seien dabei die wesentlichen Wohlfühlfaktoren. Dazu komme die biologische Komponente, die am Morgen eher weißeres, am Abend eher rötlicheres Licht verlange, damit der Büroarbeiter auf Touren kommt und sich nach getaner Arbeit entspannen kann, erläutert Danler.

Tageslicht will allerdings richtig geregelt werden – durch Sonnen- und Blendschutz. Beides sollte möglichst voneinander getrennt sein: „Ideal für den Sonnenschutz außen ist ein lichtlenkendes Lamellensystem, innen ist ein Blendschutz empfehlenswert, der auch von unten nach oben geschlossen werden kann“, erläutert Danler. Das Lamellensystem biete den Vorteil, dass der Sonnenschutz durch Veränderung der Lamellen an die Sonneneinstrahlung angepasst werden kann und trotz Sonnenschutz Tageslicht einfallen kann. Ähnlich der Blendschutz von unten. Übers halbe Fenster hochgezogen schützt er vor grellem Licht von außen, darüber gelangt Tageslicht ohne zu blenden in den Raum.

Zwischen Reklameschrift und Beleuchtungskörper: Licht als Designelement wird wieder bleliebter (hier in der Post am Rochus/Wien).
Zwischen Reklameschrift und Beleuchtungskörper: Licht als Designelement wird wieder bleliebter (hier in der Post am Rochus/Wien).(c) post am Rochus

Dass natürliches Licht mit dem vollen Spektrum von Violett bis Rot die beste Beleuchtung sei, meint auch Johann Gerstmann, Repräsentant des Bundesverbandes Sonnenschutztechnik. Er weist auf Studien hin, die belegen, dass Tageslicht die Produktivität in Büroräumen um bis zu 15 Prozent steigern kann, oder ein Mangel an Tageslicht Schlafstörungen, Stress, Übergewicht, Erschöpfung und jahreszeitlich bedingte Depressionen auslösen kann.

„Deshalb sollte bereits bei der Planung eines Bürogebäudes darauf geachtet werden, dass möglichst viel Tageslicht in den Raum kommt“, erklärt er. Und dieses dürfe durch falsche Beschattung nicht ausgeschlossen werden. „Nur an etwa 20 Prozent der Tage scheint bei uns die Sonne so stark, dass Sonnenschutz Überwärmung verhindern müsste, aber nur allzu oft werden Fixverschattungen, etwa mit getöntem Glas oder Lamellen, gebaut, die auch während des ganzen Jahres einen großen Teil des Tageslichtes abhalten“, erläutert er.

Die optimale Lösung ist für Gerstmann ein beweglicher außenliegender Sonnenschutz: „Den fahre ich immer weg, wenn ich ihn nicht brauche.“ Dass etwa Jalousien durch starken Wind leicht beschädigt werden, lässt er nicht gelten. „Die Entwicklung ist weitergegangen, gute Außenjalousien halten heute Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern stand.“ Auch mit Fassadenmarkisen lassen sich gute Lösungen schaffen, die vor Sonneneinstrahlung schützen, aber Tageslicht in den Raum lassen und Ausblick nach draußen ermöglichen.

Gut für die innere Uhr: Tageszeiten auch in Innenräumen erlebbar machen (Entwurf von Bartenbach Lichtdesgin).
Gut für die innere Uhr: Tageszeiten auch in Innenräumen erlebbar machen (Entwurf von Bartenbach Lichtdesgin).(c) Bartenbach Lichtdesign


Tageslicht simulieren

Aber in unseren Breiten reicht Tageslicht alleine für die Beleuchtung im Büro nicht aus. An dunklen Wintertagen, in Morgen- und Abendstunden und bei verschiedenen baulichen Situationen geht es nicht ohne Kunstlicht. Das Tageslicht lässt sich damit nicht ersetzen, aber zumindest simulieren. „Mit einer elektronischen Steuerung kann die Farbtemperatur der LED-Beleuchtung der von natürlichem Licht angepasst werden“, berichtet Folk. Das soll zum Wohlfühlen im Büro beitragen und auch die Leistungsfähigkeit steigern.

Wobei elektronische Steuerungen für die Beleuchtung noch mehr können, weiß Folk. Die Lichtstärke lässt sich damit automatisch regeln. Werden etwa Jalousien zugezogen, wird es automatisch heller im Raum. Ein Sensor am Dach stimmt das Licht in den Innenräumen auf die jeweilige Stärke des natürlichen Lichtes draußen ab. Solcher Komfort artet nicht zur Zwangsbeglückung aus: „Jeder kann individuell eingreifen und das Licht seinen Bedürfnissen entsprechend regeln.“

Zur angenehmen Atmosphäre am Arbeitsplatz trägt auch die Farbwiedergabe der Beleuchtung bei. „Bei Leuchten mit schlechter Farbwiedergabe beispielsweise werden Rottöne als Braun wahrgenommen“. berichtet Folk. Wie gut eine LED-Leuchte Farben wiedergibt, ist am Farbwiedergabeindex Ra ersichtlich, der bei guten Leuchten entweder auf dem Produkt, der Verpackung oder dem Datenblatt steht. Er muss bei einer passenden Beleuchtung fürs Büro mindestens einen Wert von 80 aufweisen. Spielen Farben bei der Arbeit eine Rolle, sollte er entsprechend höher sein.

Weltweiter Trend: Licht und Ton als Raumgestalter, hier in Bangkok (Coworking Spaces).
Weltweiter Trend: Licht und Ton als Raumgestalter, hier in Bangkok (Coworking Spaces).(c) spaces


Blendung macht müde

Auf einen häufigen Fehler bei der Lichtplanung, der subjektiv besonders stark wahrgenommen wird, weist Danler hin: „Viele Lichtpaneele strahlen an die Decke, die dann der hellste Bereich im Raum ist“, erläutert er. Unter bestimmten Bedingungen können sich die daraus resultierenden ungünstigen Lichtdichtenverhältnisse negativ auf das Wohlbefinden im Raum auswirken. „Es gibt Untersuchungen, dass die Leistungsfähigkeit um 20 bis 25 Prozent sinkt und die Mitarbeiter schneller ermüden,“ berichtet Danler. Bei Klagen, es sei bei künstlicher Beleuchtung zu hell, sei nicht die tatsächliche Helligkeit Grund, sondern immer Blendung, ergänzt er: „Sinnvoll sind daher Lichtsysteme, die im Sichtbereich eine möglichst geringe Helligkeit aufweisen.“

Nicht nur grelles Licht, auch schrille Geräusche beeinflussen die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz. Vor allem in großen Büros, wo einerseits konzentriert gearbeitet, andererseits lautstark kommuniziert wird, ist eine gute Akustikplanung ein wesentlicher Beitrag zum Wohlfühlen. Wände, Decke, Boden, Fenster und sämtliche Einrichtungsgegenstände reflektieren und verstärken den Schall. Ohne schallabsorbierende Elemente würde eine Kakophonie aus Wortfetzen, Tastaturklappern, Smartphonepiepsen und etlichen anderen Geräuschen konzentriertes Arbeiten nahezu unmöglich machen.

Schallschlucker-
Schallschlucker- Design mit Lichteffekt, hier von Ecophon. Je tiefer die Töne, desto dicker müssen die Absorber sein.(c) ecophon


Schwingung und Kantenabsorber

Schlechte Akustikplanung kann allerdings ähnlich unangenehme Effekte haben, weiß Henrik Behnert, bei Akustik Office Systeme, einem Hersteller von Akustiksystemen, für den Vertrieb verantwortlich: „Werden beispielsweise hohe Frequenzen gut rausgefiltert, tiefere Töne aber nicht ausreichend, kann sich die Sprachverständlichkeit im Raum deutlich verschlechtern.“ Besonders unangenehme Auswirkung hat ein solcher Fehler für jene Menschen, die nicht in der eigenen Muttersprache kommunizieren oder eine Hörbeeinträchtigung haben.

Um solche Effekte zu vermeiden, müsse mit Materialien gearbeitet werden, die Schall im Frequenzbereich von 100 bis 5000 Hertz gut absorbieren, erläutert Behnert. Ganz so einfach ist das nicht, denn Materialien absorbieren Schall unterschiedlich. Je tiefer die Töne, desto größer ist die Schwingungslänge und desto dicker müssten die Absorber sein. „Abhilfe bringen etwa spezielle Kantenabsorber, die auf die Bedämpfung tiefer Töne ausgelegt sind“, erklärt Behnert. Wobei es für die Optimierung der Raumakustik durchaus ansprechendere Elemente gibt als die klassische Rasterdecke. Freihängende Deckenelemente, Segel in verschiedensten Formen und Farben können nicht nur akustisch, sondern auch optisch einen Raum verbessern. Die Anwendung solcher Elemente sollte allerdings dem Akustiker oder dem Bauphysiker vorbehalten werden. „Je komplexer ein Raum ist, desto wichtiger ist es, in einen erfahrenen Experten zu investieren“, meint Torsten Siemering von Ecophon.