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Nachruf

Paul Badura-Skoda, Hüter der Wiener Musiziertradition, ist tot

Badura-Skoda 2015.
Badura-Skoda 2015.Die Presse (Clemens Fabry)
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Er zählte zu den bedeutendsten Pianisten, die aus der Wiener Schule hervorgegangen sind. Nun starb Badura-Skoda 91jährig in Wien.

Paul Badura-Skoda, der vielseitige Musiker, konzertierte bereits als Jugendlicher in aller Welt, machte mit bravourösen Interpretationen Furore, galt aber vor allem als intimer Kenner der Wiener Klassik. Mit der Musik Haydns, Mozarts, Beethovens und Schuberts wurde Badura-Skodas Name weltweit identifiziert, auch weil er seine akribischen Studien in Sachen Original-Text und Original-Klang mit großem pädagogischem Geschick vermittelte. Er zählte zu den bedeutendsten Pianisten, die aus der Wiener Schule hervorgegangen sind.

Badura-Skoda verstand es - als ausgebildeter Kapellmeister und Musikwissenschaftler - Partituren genau zu lesen, verschiedene Deutungsmöglichkeiten gegeneinander abzuwägen und die Ergebnisse seiner Forschungen in klingende Praxis umzumünzen. Seine reiche Sammlung an historischen Instrumenten lehre ihn auch, welche klanglichen Möglichkeiten die Klaviere seit der Erfingund des sogenannten Fortepianos boten, was man zu Beethovens Zeit wirklich unter einem Hammerklavier verstand und wie weit die diesbezüglichen Wahrheiten für eine Aufführung klassischer Werke auf modernen Instrumenten relevant sein können und müssen.

So wurde aus dem jugendlichen Gipfelstürmer, der übrigens der erste Pianist war, der sich nach der Kulturrevolution ins kommunistische China wagte, ein unermüdlicher Streiter für die Pflege der wienerischen Musiziertradition im Lichte der jüngsten Erkenntnisse der musikalischen Forschung. Seine Vermittlerrolle nahm er dabei so ernst wie die seine interpretatorischen Ansprüche. Im Verein mit seinem "Klavierzwilling" Jörg Demus, mit dem er das reiche vierhändige Klavierrepertoire pflegte, erarbeitete er im Beethovenjah 1970 eine Gesamtaufnahme der Klaviersonaten des Meisters als Fernsehproduktion. Im Mozartjahr 1991 folgte eine Solo-Tournee Badura-Skodas, die ihn mit Werken des Komponisten um die halbe Welt führte. Noch als Achtzigjähriger war Badura-Skoda des Reisens nicht müde geworden.

Und des Unterrichtens. Studenten aus allen Erdteilen hat er bis zuletzt betreut. Noch vor einigen Monaten gab er, animiert von der Lieven-Stiftung, einen Meisterkurs im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins.