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Gastkommentar

Wo arbeiten Ihre Kinder einmal? Bitte nicht im Konzern!

Wahlkampf und Konzern-Bashing gehen leider Hand in Hand. Was dagegen zu tun wäre.

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Ein bekannter Altpolitiker hat einmal Wahlkampf als „Zeiten fokussierter Unintelligenz“ bezeichnet. Das hat seine Partei jedoch nicht daran gehindert, im letzten EU-Wahlkampf mit dem Plakat „Mensch statt Konzern“ Stimmung zu machen. Der Satz zeigt eine seltsame Frontstellung – so als ob in Konzernen keine Menschen arbeiten würden.

Gerade vor Wahlen konzentriert sich alles Ungemach dieser Welt auf Konzerne: von Steuervermeidung bis Klimaerwärmung. In einer rein politischen Logik des Wahlkampfs mag das vielleicht Sinn ergeben. Der Konzern ist anonym, niemand muss sich persönlich angegriffen fühlen, und schuld sind somit automatisch die anderen. Dazu kommt, dass in einem kleinen Land wie Österreich viele internationale Konzerne tätig sind – das Böse sitzt also im Ausland. Man könnte überspitzt sagen, dass für manche der Konzern der Darth Vader unter den Unternehmen ist.

Bashing schadet dem Standort

Dass dieses Konzern-Bashing wenig mit der Realität zu tun hat und dem Standort schadet, geht in der erhitzten Atmosphäre leider unter. Daher zur Abkühlung ein paar Fakten: Der Sinn eines Konzerns liegt grundsätzlich darin, eine einheitliche Führung über mehrere Marken, Produkte bzw. Wertschöpfungsschritte sicherzustellen. So werden wesentliche Vorteile erzielt: Risikostreuung, Kostenvorteile, gemeinsame Forschung etc. Und weil diese Effekte natürlich mit der Größe zunehmen, sind die meisten Konzerne auch Großunternehmen bzw. sogenannte Leitbetriebe. Das wirklich Spannende ist dabei die Netzwerkfunktion dieser Leitbetriebe – in Österreich kooperiert jeder einzelne mit 800 bis 1000 KMU!

Abstrakt gefragt wollen dennoch viele nicht im „Konzern“ arbeiten. Wenn es aber um den konkreten Wunscharbeitgeber geht, dann liegen in den meisten Rankings von Berufseinsteigern (und vermutlich auch ihrer Eltern) Konzerne ganz vorne. Natürlich hat das mit ihrer Bekanntheit zu tun, die Gründe liegen aber auch in Arbeitsplatzsicherheit, Aufstiegsmöglichkeiten oder in der internationalen Vernetzung. Und weil Konzerne oft börsenotiert sind, können sie Mitarbeiterbeteiligungen leichter umsetzen. So werden die Mitarbeiter zu Miteigentümern, die auch über diesen Weg vom Unternehmenserfolg profitieren.

Manche politischen Beobachter wundern sich, warum die Umfragewerte der Parteien trotz Schredder- und Hacker-Affären wie einbetoniert sind. Vielleicht ist die Antwort ganz einfach: weil diese Themen das Leben der meisten Menschen nicht berühren oder gar verbessern und daher auch das Wahlverhalten nicht beeinflussen können. Sichere und attraktive Arbeitsplätze tun dies jedoch sehr wohl. Konzerne sichern in Österreich 985.000 Arbeitsplätze. Österreichs Industriebetriebe haben allein im vergangenen Jahr rund 25.000 neue Jobs geschaffen.

In diesem Sinne: Hören wir auf mit dem Entweder-oder-Denken und setzen wir Maßnahmen für den Standort. Dazu gehören mehr Wirtschaftsbildung an den Schulen, die Absenkung der Steuerquote (inklusive Senkung der Körperschaftsteuer), die Bekämpfung des Fachkräftemangels oder die Schaffung von attraktiven Finanzierungsmöglichkeiten (ja, auch über die Börse).

Zugegeben: Das hilft auch den Konzernen, in einer Netzwerkökonomie im wahrsten Sinne des Wortes kommt dies aber vielen zugute. Es ist daher zu hoffen, dass die kommende Bundesregierung diese Punkte energisch verfolgt.

Markus Fallenböck ist Gesellschafter des österreichischen Fintech Own Austria, einem typischen KMU. Davor war er viele Jahre in Managementfunktionen in der Medienbranche tätig, unter anderem auch in Konzernen.

E-Mails an: debatte@diepresse.com