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Mercedes Simplex: Der schnellste Hobel der Côte d'Azur

Design Essentials III Nizza 2019
Zollt der Frühzeit der Marke Tribut: Mercedes Simplex, Jahrgang 2019.(c) Daimler AG - Global Communicatio

Anno 1902 ging bei Mercedes der Simplex an den Start. 2019 zollt der Designchef des Hauses Tribut.

Mercedes lässt ja gern raushängen, dass ein gewisser Carl Benz das erste Auto der Geschichte auf die Räder gestellt hat. Korrekt, aber es waren dies drei Räder, überhaupt sah das ganze Ding von 1886 mehr wie eine Mischung aus Kutsche und Fahrrad aus. Anders die Modelle, die nach 1900 entstanden, schon unter dem neuen Markennamen Mercedes. Dieser geht auf die Tochter des Österreichers Emil Jelinek zurück, der Daimler-Modelle an die französische Hautevolee verkaufte und selbst eine Villa in Nizza bewohnte. In der Gegend tobten zu der Zeit Bergrennen, bei denen Jelinek auch selber mitmischte. Jedenfalls trieb er das Werk in Stuttgart an, stärkere, bessere Autos zu bauen (und sie nach seiner Tochter Mercedes zu benennen), um damit Rennen zu gewinnen – des Werbewerts wegen. Berühmt war das Bergheizerl von Nizza nach La Turbie, einer kleinen Ortschaft oberhalb von Monaco.

Mit einer Serienproduktion ist nicht zu rechnen, was man bedauern muss.(c) Daimler AG

Im April 1902 ging dort ein 40 PS starker Mercedes Simplex an den Start, der die Konkurrenz in Grund und Boden fuhr. Modelle aus dieser Simplex-Familie, mithin die ersten Mercedes, gelten auch als die ersten richtigen Autos moderner Bauweise, im Gegensatz zu motorisierten Kutschen. Daimler-Ingenieur Wilhelm Maybach nannte sie Simplex, weil sie besonders einfach zu bedienen sein sollten, für damals halt.
Alles Grund genug für Gorden Wagener, 50, Designchef des Hauses Daimler, sich mit einer Hommage an den Simplex zu verneigen. Man hat ja soeben eine neue Zentrale der Abteilung „Advanced Design“ nahe Nizza bezogen, hier werden Ideen, Formen und der ein oder andere Gag für die Autos der Zukunft ersonnen.

Der neue Dreh: Stilistische Fingerübung des Advanced-Design-Teams.(c) Daimler AG

Zum Auftakt zog Gorden Wagener das Tuch von einer Hommage an den Simplex – nicht wirklich gedacht für eine Serienproduktion, aber mit dem ein oder anderen Hinweis auf Stilistik und Funktion künftiger Modelle. Das ultra-reduzierte Cockpit etwa ist ein Teil davon: „Smart surfaces“, also Oberflächen aller Art, die wie Bildschirme Inhalte darstellen können, Dekor, Informationen, Entertainment, gehören dazu. Wirklich schade, dass der 2019er-Simplex nicht fährt.

Mercedes-Simplex 40 PS
Held der südfranzösischen Bergheizerl: So sieht der Überflieger von 1902 aus.(c) Daimler AG
Design Essentials III Nizza 2019
Mercedes-Designchef Gorden Wagener, 50, im Mercedes Simplex von 1903.(c) Daimler AG