Fonds wappnen sich für Rezession

Das Ifo-Stimmungsbarometer ist auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren.
Das Ifo-Stimmungsbarometer ist auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren. (c) REUTERS (Kai Pfaffenbach)
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Die Konjunktur in Europa trübt sich zunehmend ein. Das befeuert den Run auf Staatsanleihen, selbst wenn sich damit kein Geld mehr verdienen lässt.

Wien.Die Aussicht auf eine bevorstehende Rezession lässt einige der größten Fondsmanager Europas auf Nummer sicher gehen und Positionen in europäischen Staatsanleihen aufbauen. Das bedeutet, dass die Renditen wieder auf historische Tiefstände zusteuern könnten und die Kurse zulegen. „Das Abgleiten und Auftauchen aus der Rezession könnte in Europa zur Norm werden“, sagt Luke Hickmore, Fondsmanager bei Aberdeen Standard Investments.

Die diesjährige Nachfrage nach europäischen Anleihen geriet vor der letzten Runde an Konjunkturdaten in dieser Woche zunächst ins Stocken. Jetzt ist die Rallye allerdings wieder in vollem Gange, nachdem das verarbeitende Gewerbe in Deutschland den schlimmsten Einbruch seit der Finanzkrise durchmacht. Das schürt erneut Befürchtungen, dass Europa sich wie Japan entwickelt – gekennzeichnet von dauerhaft niedrigem Wachstum, Inflation und Anleiherenditen.

Der Euroraum-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor ist im September auf ein Acht-Monats-Tief von 52 gesunken. Martin van Vliet von Robeco Institutional Asset Management bezeichnet diese Zahlen als „schockierend“. Jeder weitere Rückgang unter 50, die Trennlinie zwischen Expansion und Kontraktion, wird ausschlaggebend dafür sein, ob die deutschen Renditen noch weiter fallen, so Portfolio-Manager Charles Diebel von Mediolanum. Er bezifferte die Wahrscheinlichkeit einer Rezession im Euroraum in den nächsten 18 Monaten auf 50 Prozent.

Weitere Anzeichen für eine Stimmungseintrübung zeigten sich am Dienstag, als die Geschäftserwartungen für Deutschland für den laufenden Monat auf den niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt fielen. Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren habe sich deutlich eingetrübt, sagte das Ifo-Institut, das das Stimmungsbarometer erstellt. Derzeit gebe es kaum positive Signale.

Die EZB kauft wieder

Tatsächlich ist der Citi Economic Surprise Index, ein Indikator, der anzeigt, ob Konjunkturdaten die Analystenerwartungen übertreffen oder verfehlen, auf das niedrigste Niveau seit Februar gesunken, was die Rallye auf dem Markt weiter anheizte. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen ist am Mittwoch auf minus 0,61 Prozent gefallen, nachdem sie Anfang dieses Monats noch ein Allzeittief von minus 0,74 Prozent erreichte. Die italienischen, spanischen und französischen Staatsanleihen sanken ebenfalls.

Amundi Asset Management, Europas größter Fondsmanager, sei allerdings der Ansicht, dass noch nicht der richtige Zeitpunkt gekommen sei, um wieder in globale Anleihen einzusteigen, da die Märkte zu viel geldpolitische Lockerung einpreisten, sagt Pascal Blanque von Amundi. Der Vermögensverwalter hat sein Engagement in langfristigen US- Staatsanleihen reduziert.

„Die Konjunkturschwäche und eine neue Runde der geldpolitischen Anreize deuten darauf hin, dass die langfristigen Zinsen und Staatsanleiherenditen erneut nachgeben werden und letztlich die bisherigen Rekordtiefstände unterschreiten werden“, erwarten die ABN-Strategen Aline Schuiling und Nick Kounis.

Die Europäische Zentralbank hat bei ihrer jüngsten Sitzung die Wiederaufnahme der in der Vergangenheit umstrittenen Anleihenkäufe angekündigt. Diese sollen ab November im Umfang von 20 Mrd. Euro monatlich starten. Auch das wird die Renditen weiter absenken. Die EZB hatte das Kaufprogramm im Dezember eingestellt. Bis dahin legte sie sich Papiere im Umfang von 2,6 Billionen Euro ins Portfolio. (Bloomberg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2019)

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