Bei Westwing glänzen nur die Möbel

Der Aktienkurs des Möbelhändlers hat sich seit dem Börsengang drastisch minimiert.

Wien/Frankfurt. Die Geschichte von Delia Fischer klingt nach einer, die die Menschen gern hören wollen. Eine junge Frau entdeckt eine Marktlücke und macht sich trotz gut bezahlten Jobs bei einer Frauenzeitschrift selbstständig. Nach Jahren harter Arbeit landet sie mit ihrem Unternehmen im Oktober 2018 schließlich an der Börse.

Seine Aktionäre hat der Münchner Online-Möbelhändler Westwing seither allerdings durchwegs enttäuscht. Schon am Tag seines Kapitalmarktdebüts notierte das Papier deutlich unter seinem Ausgabepreis. Dabei war die Zeichnungsfrist vor dem IPO sogar verkürzt worden. Aufgrund des regen Interesses, wie es hieß.

Der Kurs hat sich aber nicht nur am ersten Tag, sondern auch in den vergangenen zwölf Monaten ziemlich schlecht entwickelt. Das Papier ist derzeit rund 90 Prozent weniger wert als noch bei seiner Emission. Es wurde vor einem Jahr um 26 Euro unter die Anleger gebracht. Derzeit kostet es nicht einmal zwei Euro.

Am gestrigen Donnerstag erfolgte dann ein ziemlicher Kurssturz. Die Papiere brachen in der Spitze um rund 17 Prozent ein. Grund dafür war eine Mitteilung des Unternehmens, seine Prognose für das Jahr 2019 neu bewerten zu müssen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Westwing nun eine bereinigte Ebitda-Marge von minus 3,5 Prozent. Zuvor war man von besseren Werten ausgegangen. Je höher die Marge ist, desto profitabler wirtschaftet ein Unternehmen. Als Grund für die Anpassung wurden erhöhte Marketinginvestitionen genannt.

Seine Finanzergebnisse für das dritte Quartal wird das Unternehmen erst am 7. November präsentieren. Im ersten Halbjahr war der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aber um ein Prozent auf 119 Mio. Euro zurückgegangen. Der Verlust belief sich auf 23 Mio. Euro, er verfünffachte sich damit beinahe.

Die Glaubwürdigkeit in die Ziele des Unternehmens seien beschädigt, schrieb Berenberg-Analyst Graham Renwick in einer aktuellen Studie. Die weitere Geschäftsentwicklung lasse sich nur schwer vorhersagen. Westwing wurde 2011 gegründet und verkauft Möbel, Accessoires und Textilien von Designer- und Eigenmarken.

Den Aktien des deutschen Konkurrenten Home24 erging es übrigens nicht besser. Das Papier ist im Juni 2018 um 23 Euro ausgegeben worden und ist heute auch 90 Prozent weniger wert.