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Friaul-Julisch Venetien

Kanaltal: Runter von der Autobahn, rein in die Trattoria

Zum Start geht's auf den Monte Lussari.
Zum Start geht's auf den Monte Lussari.(C) Getty
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Das Kanaltal auf dem Weg von Tarvis nach Udine und weiter an die Adria kennen viele nur vom Vorbeifahren. Dabei ist das Tal zwischen Karnischen und Julischen Alpen voller gastronomischer Qualitäten.

Es gibt leider keine Untersuchung darüber, wie viele Österreicher jemals mit dem Auto durchs Val Canale, das Kanaltal, gefahren sind. Der Name klingt nun nicht gerade romantisch, hat aber viel mit Urlaub zu tun. Schließlich ist das die Hauptstrecke Richtung Adriastrand gleich hinter der Grenze, und das macht sie so populär. Dass aber die meisten das Tal in Friaul schnell hinter sich bringen wollen, ist ein echter Fehler. Dabei ist es uns näher als wir glauben, war es bis 1919 österreichisch, gibt es heute noch in Boscoverde einen Kulturverein, der die deutsche Sprache pflegt.

Der überzeugendste Grund aber, die Autobahn zu verlassen und etwas Zeit zu investieren, ist die Gastronomie. Das beginnt gleich hinter Tarvis. Der Monte Lussari ist ein bei Kärntnern und Slowenen beliebter Wallfahrtsberg, auf den eine moderne Seilbahn führt. Oben ist es ein kurzer Spaziergang von der Bergstation zur Wallfahrtskirche, die im 14. Jahrhundert nach wundersamen Erscheinungen gegründet wurde. Aber viele Leute pilgern auf den Gipfel wegen der gastronomischen Besonderheiten. Gleich drei Trattorien versorgen sie mit typischer Alpe-Adria-Küche, sprich friulanisch, kärntnerisch und slowenisch Beeinflusstem. In der Locanda al Convento stehen ganz klassisch Gnocchi mit Ricotta und Rucola, Tagliatelle mit Pilzen und Ravioli mit dem bekannten Montasio-Käse auf der Tageskarte.

Ähnlich ist das Angebot in dem Gasthof Rododendro und dem Rifugio Monte Lussari hinter der Kirche. Die empfehlenswerte Kombination wäre die Wanderung hinauf über den Büßerweg in gut zwei Stunden mit rund 1000 Höhenmetern, eine wohlverdiente Einkehr und dann die knieschonende Rückkehr via Seilbahn. Unten an der Strada Statale beim Kreisverkehr und nur ein paar Schritte von der Talstation entfernt, kann man sich dann bei Dawit mit Kaffee und hausgemachten Kuchen, mit feinen Destillaten und regionalem Käse versorgen.

Eine wohl sortierte Auswahl an Montasio, wahrscheinlich die beste weit und breit, gibt es bei der Cooperativa Val Canale in Ugovizza, das nur fünf Fahrminuten auf der Strada Statale entfernt ist. Schinken, Salami und Käse aus der Gegend füllen hier die Vitrinen. Überhaupt ist die Staatsstraße eine entspannte Alternative zur Autobahn mit ihren Tunnels und dem Lkw-Verkehr. Auf der gut ausgebauten und deutlich weniger frequentierten Straße rollt man entspannt von Dorf zu Dorf, landet bald in Malborghetto. Die Casa Oberrichter dort ist ein historisches Gasthaus mit überraschenden Qualitäten. Das leicht verwinkelte Interieur des einstigen Gerichtsgebäudes ist zugleich ein Spielzeugmuseum, bietet dazu nostalgische Zimmer und eine Küche, die die Alpe-Adria-Philosophie gut spielt. Biersuppe, Palat-schinken mit Montasio-Käse oder Frico mit Polenta und Steinpilzen, so kann grenzüberschreitende Kulinarik ausschauen.

Radicchio vom Berg

Nächste Station ist Pontebba, wo die Straße vom Nassfeld kommend ins Kanaltal einmündet. Dort im Zentrum hat Luigi Faleschini seinen Betrieb, in dem er regionale Produkte verarbeitet und verkauft. Seine Spezialität ist der Radic di Mont, Berg-Radicchio, bekannt auch als Cicerbita Alpina. Dieser wird weit oben auf bis zu 2000 Metern Höhe im Frühjahr innerhalb von drei Wochen händisch geerntet und üblicherweise in Olivenöl, mit Knoblauch und Kräutern eingelegt, passt so gut zu Risotto, Ricotta oder Omelette. Eine echte Rarität, die wegen des Arbeitsaufwands ihren Preis hat.

Nach Pontebba macht die Straße durch das Kanaltal eine Linkskurve und bringt uns südwärts bis Chiusaforte. Wie der Name andeutet, war der Ort eine Grenzstation; die alte Festung am Südrand hatte strategische Bedeutung im Ersten Weltkrieg. Man kann sie ebenso besuchen wie das Kriegsmuseum im Zentrum. Besucher kommen heute aber fast nur mit dem Fahrrad – und sie landen alle bei Fabio, dem Wirt der Trattoria in der ehemaligen Bahnstation. Das historische Gebäude steht direkt am Alpe-Adria Radweg und ist dank guter Küche und günstiger Preise eine gefragte Einkehrstation auch für Fußgänger und Autofahrer. Das spricht sich herum. Jedes Jahr legt der Umsatz um 30 Prozent zu, sagt Fabio, und es kommen Radler mittlerweile aus ganz Europa.

Von Knoblauch bis Prosciutto

Von Chiusaforte sind es nur ein paar Kilometer bis Resiutta, auf den ersten Blick ein unscheinbarer Ort. Aber das Tal, das links abzweigt, hat es in sich. Das Val Resiutta genießt in Gourmetkreisen exzellenten Ruf. Das liegt am Strok. So heißt der spezielle Knoblauch, der in dem abgeschiedenen, engen Tal gedeiht. Der rosafarbene Strok ist für seinen speziellen, relativ milden Geschmack bekannt, wird hier seit Generationen angebaut und hat mittlerweile Slow Food-Ehren bekommen. Am besten erfahren lässt sich das bei einem Besuch, idealerweise, wenn im Tal Ende Juli das Knoblauch-Fest gefeiert wird. Dazu passt auch, wenn Ende August in der Oseacca das Frico-Fest auf dem Programm steht, wo der Strok ebenfalls Thema ist. Besonderheit des 20 Kilometer langen Tals ist der Dialekt: Die Einheimischen haben slawische Wurzeln, was sich im Resiano artikuliert. Eine gute Gelegenheit, sich mit der herzhaften Küche anzufreunden, ist die Osteria alla Speranza in San Giorgio.

Die kulinarische Reise durchs Kanaltal ist nach dem Val Resia eigentlich zu Ende. Wäre da nicht in der Ebene noch eine Berühmtheit, die man nicht versäumen sollte. San Daniele, die Heimat des berühmten Schinkens, liegt unweit der Autobahn nah dem Tagliamento. Er ist neben dem Parmaschinken der berühmteste seiner Art in Italien, kommt der Rohstoff dazu aus Nord- und Mittelitalien, reift er wenigstens 12 Monate. Und gefeiert wird auch hier. Ende Juni pilgern die Fans zur Aria di Festa in den Ort auf einem Hügel in der friulanischen Ebene. Verkosten kann man ihn auch sonst bei den vielen Produzenten und Schinkenläden – mit weniger Trubel als beim Schinkenfest.