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Es geht weiter aufwärts bei den Zinshäusern

Zinshaeuser geht weiter aufwaerts
(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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In der Wiener Innenstadt geben wegen der starken Nachfrage mittlerweile die Verkäufer den Ton an. Zu den Interessenten zählen vor allem Privatpersonen, die ihr Geld sicher anlegen wollen.

Ganz privat auf Immobilienjagd: Jedes zweite Zinshaus, das in Wien im Vorjahr verkauft wurde, ging an eine Privatperson. Zu diesem Ergebnis kommt die aktualisierte Frühjahrsausgabe des Zinshausberichts der Otto Immobilien Gruppe. Von den 607 Transaktionen von Gründerzeithäusern, die für diesen Zeitraum registriert wurden (online abrufbare Kaufverträge bis 31.März 2010), waren sie für 328 verantwortlich und verwiesen damit die Käufergruppe der Unternehmen auf die Plätze. Betrachtet man nicht die Anzahl der Deals, sondern deren Transaktionsvolumen, hatten allerdings wieder Firmen – Personen-, Kapital- und Projektgesellschaften, Versicherungen, Banken – die Nase vorne. Sie kamen, so ergaben Analysen des Grundbuchs, für 67 Prozent des gesamten Volumens von rund 925 Millionen Euro auf. Ein Plus von 40 Prozent im Vergleich zu 2008.

Der Zinshausmarkt war damit „das mit Abstand aktivste Segment am heimischen Immobilienmarkt“, berichtet Eugen Otto, Geschäftsführer der Otto Immobilien Gruppe. Das Motiv vieler Investoren: ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Ein Trend, der sich weiter verstärkt, seit sich die Menschen nicht nur Sorgen wegen der Krise im Allgemeinen, sondern auch um den Euro im Speziellen machen. Von diesen „Sicherheitsüberlegungen und dem Wunsch nach einem Schutz vor Inflationsgefahren“ profitiert der gesamte Wohnimmobilienmarkt, sagt Michael Ehlmaier, Chef von EHL Immobilien. Das Motto laute: „Lieber zur Not ein wenig zu viel für ein Zinshaus bezahlen als hohe Finanzbestände in einer unsicheren Währung halten“, so Ehlmaier.

 

Preise stiegen im Schnitt um zehn Prozent

Diese Einstellung, verbunden mit hoher Nachfrage und eher kleinem Angebot, war es auch, die bei Zinshäusern für Preissteigerungen sorgte, weiß man bei der Otto Immobilien Gruppe. Durchschnittlich betrugen sie um die zehn Prozent. In der Inneren Stadt kostet der Quadratmeter von 3200 bis 5000 Euro, es folgen die Bezirke 3, 4, 8 und 9 mit Preisen von 900 bis 2250 Euro. Die Renditen liegen zurzeit zwischen 1,8 bis 3,7 Prozent in der City und zehn bis 11,5 Prozent in Bezirken wie Favoriten und Simmering.

Teilweise ziehen die Interessenten vermehrt Objekte abseits der beliebten Bezirke innerhalb des Gürtels in Erwägung, bemerkt man bei EHL Immobilien. Gründe dafür sind die noch etwas höheren Renditen dort sowie das niedrigere Mietenniveau, das mehr Aufwärtspotenzial hat. Allerdings, so Richard Buxbaum von der Otto Immobilien Gruppe, „sind in den Bezirken außerhalb des Gürtels mehr Profis als Private aktiv.“ Und dort geben auch noch die Käufer den Ton an, während in den inneren Bezirken der Verkäufer den Preis bestimmt. Zwei Grätzel, die seiner Meinung nach künftig sehr interessant werden können, liegen im 15. Bezirk: die Gegenden um den Meiselmarkt sowie um die Stadthalle, auch Nibelungenviertel genannt.

 

Wieder mehr institutionelle Investoren

Für heuer erwarten die Experten keinen Rückgang der Nachfrage. Im Gegenteil. Das Segment der Wohnimmobilien werde, so Ehlmaier, auch 2010 „das Rückgrat des Marktaufschwungs bilden, den wir derzeit erleben.“ Der Trend wird anhalten, sagt auch Eugen Otto. Dafür sorgen die privaten Anleger – trotz der steigenden Preise. Die Frage laute nicht „Soll ich jetzt noch kaufen, obwohl der Markt schon so hochpreisig ist?“, sondern vielmehr: „Wo bekomme ich ein geeignetes Objekt zu vertretbaren Konditionen?“ Außerdem werden sich wieder verstärkt institutionelle Investoren und Zinshausprofis nach geeigneten Objekten umsehen. „Die Nachfrage nach größeren Paketverkäufen – jenseits der 50-Millionen-Euro-Marke – ist in Österreich und auch international bereits zu spüren“, berichtet Otto. Und Einzeltransaktionen mit einem Volumen von über 20 Millionen Euro werden, so die Prognose, weiter dazu beitragen, dass sich auf dem Markt für Zinshäuser auch heuer einiges tut.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2010)