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Nachhaltigkeit

Ganzheitlich wirtschaften

Neue Wirtschaftsmodelle, die auf die Tatsache einer begrenzten Welt Rücksicht nehmen, finden immer mehr Beachtung.
Neue Wirtschaftsmodelle, die auf die Tatsache einer begrenzten Welt Rücksicht nehmen, finden immer mehr Beachtung.(c) Getty Images/iStockphoto (Creative-Touch)
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Die Generation Z will etwas bewegen. Diverse Studiengänge nehmen darauf Rücksicht und verbinden harte Fakten mit Idealismus.

Sie denkt bei der Auswahl des ersten Jobs schon an den nächsten, will Karriere machen, aber trotzdem Zeit für politisches Engagement haben. Auf diese Themen der Generation Z reagieren Wissenschaft und Bildungsbranche: „Spätestens seit der Finanzkrise von 2008 gibt es eine wachsende Zahl von Wirtschaftswissenschaftlern, die das einseitige Bild des ,homo oeconomicus' hinter sich gelassen haben und neue, differenzierte Modelle entwickeln“, sagt Wolfgang Schäffner, Geschäftsführer des Studienzentrums Saalfelden, das den Masterlehrgang Angewandte Gemeinwohl-Ökonomie durchführt. „Auf Grund der Tatsache, dass unbegrenztes Wachstum auf einem begrenzten Planeten nicht möglich ist, rücken Werte wie Umwelt, Klima, aber auch das Gemeinwohl verstärkt in den Fokus“, sagt Schäffer. Der Studiengang widmet sich einem Thema, das noch relativ neu ist. Unter Gemeinwohl-Ökonomie versteht man einen ganzheitlichen Ansatz, dessen Konzepte den Grundwerten der Sozialwirtschaft, Kreislaufwirtschaft, Wirtschaft des Teilens und ressourcenbasierten Wirtschaft verbindet.

 

Wunsch, etwas zu verändern

Der Weiterbildungslehrgang richtet sich an Menschen mit abgeschlossenem Studium oder einschlägiger Berufserfahrung. „Die Motivation liegt vor allem in dem Wunsch, im eigenen Unternehmen oder im gesellschaftlichen Umfeld Wirtschaft neu zu denken und damit im eigenen Umfeld etwas zu verändern“, erläutert Schäffner. Von Betriebswirten über Universitätsangestellte bis hin zu Einzelunternehmer und Gemeinwohl-Aktivisten reiche das Spektrum der Studierenden, die sich mit alternativen Wirtschaftsmodellen sowie deren Anwendungsmöglichkeiten wissenschaftlich auseinandersetzen wollen.

Auf einen Bereich der Gemeinwohl-Ökonomie, nämlich die Kreislaufwirtschaft, konzentriert sich das praxisorientierte Weiterbildungsmodul „Circular Economy“ an der FH Salzburg. Es ist eine Kooperation der Studiengänge Betriebswirtschaft, Design & Produktmanagement sowie Holztechnologie & Holzbau und bildet Experten im Bereich der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft aus. „Die Kreislaufwirtschaft ist im Vergleich zum linearen Wirtschaftskonzept ein Modell der Produktion und des Verbrauchs, bei dem bestehende Materialien und Produkte möglichst schonend eingesetzt werden, das heißt so lang wie möglich geteilt, geleast, wiederverwertet und recycelt werden“, erklärt Lehrgangsleiterin Christine Vallaster.

 

Profit und sozialer Wert

Die Absolventen des Lehrgangs sollen imstande sein, verantwortungsvolle Geschäftsmodelle zu etablieren, die sowohl Profit als auch ökologischen und/oder sozialen Wert generieren. Jedes der fünf Module des zweisemestrigen Lehrgangs findet ganztägig freitags und samstags statt und wird einzeln abgeschlossen. Dazwischen sind jeweils zwei bis vier Wochen Lernphasen off-Campus eingeplant.

Sozialen Wert mit Wirtschaft kombinieren kann man auch beim Bachelorstudium Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der FH Burgenland. „Social Business“ schlägt genau diese Brücke: „Professionalisierung ist dabei besonders wichtig, da dieser Bereich ständig wächst und die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften mit internationalen und interkulturellen Kompetenzen steigt. Im Rahmen der Ausbildung werden daher besondere Schwerpunkte, wie etwa Fundraising, Wirkungscontrolling und Social Entrepreneurship vertiefend behandelt. Den internationalen Bezugsrahmen bilden Themen aus der Entwicklungspolitik und der Entwicklungszusammenarbeit“, erklärt Tonka Semmler-Matošić, Leiterin des Bachelorstudiengangs.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2019)