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Beim Heizen Schadstoffe und Geld sparen

Beim Heizen Schadstoffe und Geld sparen
Beim Heizen Schadstoffe und Geld sparenPixabay

Ölheizungen sind ein Auslaufmodell, aber immer noch weit verbreitet. Ökologisch sinnvollere – und Geld sparende – Alternativen gibt es, an weiteren innovativen Lösungen wird noch getüftelt.

Eine Haus- oder Wohnungssanierung ist ein guter Anlass, sich Gedanken über die Heizung zu machen“, sagt Florian Maringer, Geschäftsführer des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich. Dass fossile Brennstoffe wie Öl oder Gas eine verheerende CO2-Bilanz aufweisen, ist kein Geheimnis mehr – ebenso wenig aber, dass sich die viel beschworene Energiewende beim Thema Heizen nicht so recht bemerkbar machen will. Wien, Niederösterreich und Oberösterreich haben mittlerweile Ölheizungen in Neubauten verboten, trotzdem halten rund 700.000 österreichische Haushalte an ihren – zum Teil jahrzehntealten – Ölkesseln fest. In Wien gibt es rund 250.000 Gasheizungen.

Dabei kann man mit alternativen Anlagen nicht nur Schadstoffemissionen, sondern auf lange Sicht auch Geld sparen. Rund 250 Euro pro Monat gibt jeder Haushalt laut dem Unternehmerforum „Meine Heizung“ durchschnittlich für Energie aus, der Großteil davon entfällt aufs Heizen. „Eine Dämmung der obersten Geschoßdecke im Zuge einer Sanierung, verbunden mit einer Modernisierung der Heizung, kann bis zu 70 Prozent an Energie sparen“, verweist Michael Mattes, Bundesinnungsmeister der Heizungstechniker, auf das enorme Potenzial. Auf jeden Fall solle man beim Hausbau oder der Sanierung die künftige Heizungsform gleich berücksichtigen.

 

Sparsame Flächenheizung

Wer sich für eine Flächenheizung, also eine Fußboden-, Decken- oder Wandheizung, entscheidet, benötigt keine hohen Temperaturen, um das Zuhause wohlig warm zu halten – ein klarer Fall für die Wärmepumpe, weiß Maringer. Um die der Luft, der Erde oder dem Grundwasser entnommene Wärme auf das fürs Heizen erforderliche Temperaturniveau von etwa 35 Grad zu bringen, braucht sie nur wenig Strom. Am häufigsten wird in Österreich die Luftwärmepumpe verwendet. „Diese ist leicht zu installieren“, betont man beim Hersteller Vaillant. Allerdings sei Luft gerade im Winter zu kalt, um eine Pumpe effizient arbeiten zu lassen, gibt man bei der Umweltorganisation Global 2000 zu bedenken. Eine Luftwärmepumpe eigne sich daher vor allem für hoch energieeffiziente Gebäude. Nachteil der Erdwärmepumpen: „Es sind Tiefenbohrungen nötig“, erläutert Andreas Pusker von der Energieagentur NÖ. Zudem müssen sie ebenso wie Wasserwärmepumpen behördlich genehmigt werden. Grundwasser wiederum steht nicht überall als Wärmequelle zur Verfügung.

„Wenn man die im Sommer erzeugte Sonnenenergie speichern wollte, um sie im Winter zu verwenden, brauchte man für jedes Haus ein zweites dazu, in das man den Akku stellt“

Michael Mattes, Bundesinnungsmeister der Heizungstechniker

Zu den Heizspitzen im Winter steht für den Betrieb der Pumpe vergleichsweise wenig Strom aus erneuerbaren Energiequellen im öffentlichen Netz zur Verfügung. Ist Solarenergie aus Eigenproduktion mit Fotovoltaikzellen auf dem Dach also eine Alternative? „Wenn man die im Sommer erzeugte Sonnenenergie speichern wollte, um sie im Winter zu verwenden, brauchte man für jedes Haus ein zweites dazu, in das man den Akku stellt“, verweist Mattes auf die noch ungenügend ausgereifte Technik. Auch Pusker sieht Solarstrom lediglich als Unterstützung.
Ein heißer Tipp sind Anlagen, die mit Brennstoffzellen auf Wasserstoffbasis betrieben werden. Die bei der Spaltung des Wasserstoffs frei werdende Energie wird als Stromquelle für den Haushalt genutzt, während die Abwärme in die Heizung geht. In Japan gibt es dazu ein Großprojekt, die Abwärme wird dort aber fast ausschließlich zur Warmwasseraufbereitung genutzt. „Um ein Haus damit zu heizen, ist die Leistung zu gering“, sagt Mattes. „Bei einem Passivhaus könnte es sich unter Umständen ausgehen.“

Heizkörper in jedem einzelnen Zimmer brauchen eine höhere Ausgangstemperatur als Flächenheizungen. „Das betrifft fast alle Wohnungen aus den 1960er- und 1970er-Jahren“, weiß Mattes. Maringer: „Scheut man eine aufwendige Sanierung inklusive Einbau einer Flächenheizung, so ist Biomasse als Brennstoff effizienter als eine Pumpe, weil diese viel Strom brauchen würde, um die Umgebungswärme auf derart hohe Temperaturen zu bringen.“ Ob man Pellets oder Scheitholz in den Biomasse-Ofen schiebt, sei letztlich eine Komfortfrage. Eine automatische Beschickung ist bei Pellets Standard, aber auch beim Scheitholz gibt es bereits automatisierte Anlagen. Beim Neubau bzw. beim Sanieren müsse man freilich in beiden Fällen entsprechende Lagermöglichkeiten vorsehen. Von Hackschnitzelanlagen rät Andreas Pusker ab: „Teuer in der Anschaffung, schwierig zu regulieren, für den Kleinbetrieb kaum geeignet.“

Was Sie beachten sollten beim . . . Heizungstausch

Tipp 1

Größe. Mindestens 15 bis 20 m2 Solarkollektoren braucht es, damit Sonnenenergie als Heizungsunterstützung für ein Wohnhaus sinnvoll ist, errechneten Experten von Global 2000. Ein Niedrigenergiehaus könne man damit zumindest an sonnigen Wintertagen komfortabel warm halten. Übers Jahr würde man etwa ein Viertel seines Heizenergiebedarfs decken.

Tipp 2

Förderung. Die Bundesländer vergeben unterschiedlich hohe Förderungen für den Heizungstausch. Dazu kommen Unterstützungen aus dem Klima- und Energiefonds sowie aus dem „Raus aus dem Öl“-Bonus. Experten empfehlen, vor der Antragseinreichung mit der Förderstelle Kontakt aufzunehmen, um die Förderwürdigkeit und die Höhe der Zuwendung abzuklären.

Tipp 3

Optimierung. Wer seine alte Heizung optimiert, kann auch sparen. Ein hydraulischer Abgleich – die vom Fachmann durchgeführte Optimierung des Wasserkreislaufs – spart laut Innungsmeister Michael Mattes bis zu 35 Prozent Energie. Bei Ölheizungen komme man mit einem Brennwertgerät, das Restwärme aus der Abluft dem Heizvorgang zuführt, auf bis zu minus 20 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2019)