1990, da ich fast noch ein Knabe war, verliebte ich mich ein bisschen in Julia Roberts, die in Pretty Woman nicht nur Richard Gere den Kopf verdrehte.
Es lag wohl an ihrer Schönheit, aber auch daran, dass ihr Verhalten Beschützerinstinkte weckt, obwohl ich mir gar nicht vorstellen will, dass jemand so einer sympathischen Julia etwas antut.
Drei Jahre später, George Bush senior hatte die US-Präsidentschaft an Bill Clinton verloren, wusste ich: Es gibt das Böse. Julia, inzwischen ein Superstar, spielte die Hauptrolle der Derby Shaw in dem Thriller Die Aktenach einem Justizkrimi von John Grisham. Was für ein Glück, dass der fesche Denzel Washington als furchtloser Enthüllungsreporter Gray Grantham ihr Partner war! Denn allein sein Eingreifen verhinderte, dass Julia von einem Killer erschossen wurde.
Seither weiß jedes Kind, warum die bösen Schergen des FBI hinter cleveren Jusstudentinnen und neugierigen Reportern her sind: Das Öl bei New Orleans ist schuld. Ein ruchloser Milliardär mit dem an sich schon verdächtigen Namen Victor Mattiece lässt aus niederen Motiven zwei Höchstrichter ermorden, weil diese Umweltaktivisten recht geben könnten, die Bohrungen in einem Schutzgebiet für Pelikane verhindern möchten. Und die Regierung will seine Machenschaften vertuschen, denn immerhin finanziert der Böse ihre Politik. Derby aber kommt ihnen auf die Schliche, als sie eine Seminararbeit über die Richtermorde schreibt.
Wer nun in diesen Wochen die traurigen Pelikane gesehen hat, die vor der Küste Louisianas an der Ölpest verenden, weiß: Das Ölgeschäft ist schmutzig geblieben, selbst wenn sich 2010 ein US-Präsident, der mindestens so elegant aussieht wie Denzel Washington, dafür entschuldigt, dass seine Regierung bei der Offshore-Kontrolle versagt habe. Wenigstens muss man heute in Washington keine Greise erschießen, um bohren zu dürfen. Die in den acht Jahren von George Bush junior ernannten Höchstrichter sind nicht für ihre Sorge um Pelikane aufgefallen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2010)