Wer bestimmt über Ton und Meinung?
Linke Hegemonie

Warum Österreich rechts wählt und links denkt

Mit Ausnahme der Ära Kreisky wählt Österreich stets mehrheitlich rechts. Wiewohl den öffentlichen Ton mehrheitlich die Linke angibt. Warum ist das so?

Das Waldviertel gegen Wien. Der „Falter“ gegen die ÖVP. Twitter gegen Sebastian Kurz. Die „Van-der-Bellen-Koalition“ gegen Türkis-Blau. So ließe sich der zurückliegende Wahlkampf auch zusammenfassen. Einem liberal-konservativen Kanzler und seinem ehemaligen national-konservativen Koalitionspartner steht eine linksliberale Zivilgesellschaft gegenüber. Dort das weite Land, da die große Stadt. Dort die Menschen, die jeden Tag früh aufstehen, da die Demos am Donnerstag und Fridays for Future. Dort das Thema Migration, das am stärksten bewegt, da das Thema Klimawandel, das für das wesentlichste gehalten wird.

Und diese Liste ließe sich noch fortsetzen. Im Kern ist es ein Konflikt links gegen rechts. Genauer gesagt: Eine rechte Bevölkerungsmehrheit steht linken Opinionleadern gegenüber. Und das Phänomen ist nicht wirklich neu: Mit Ausnahme der Zeit der absoluten Mehrheit des SPÖ-Kanzlers Bruno Kreisky gab es in Österreich bei Wahlen stets eine rechte Mehrheit von ÖVP und FPÖ. Und ab der Ära Kreisky gab es dann anhaltend auch eine linke Hegemonie im öffentlichen Diskurs. Eine solche hatte es zuvor nicht gegeben. Die 68er-Bewegung hatte das Feld für den Paradigmenwechsel aufbereitet. Und seit dem Abgang Bruno Kreiskys hat sich auf diesem Feld auch nicht mehr viel getan: Die Mehrheit der Wähler war rechts, die Mehrheit der Intellektuellen links.