Interview

Platter: „Habe mit Grünen sehr gute Erfahrungen gemacht“

Günther Platter vor der Stimmabgabe am Sonntag, auf einem von ÖVP zur Verfügung gestellten Bild.
Günther Platter vor der Stimmabgabe am Sonntag, auf einem von ÖVP zur Verfügung gestellten Bild.VP Tirol, Angerer

In Tirol gibt es eine Koalition aus ÖVP und Grünen, Landeshauptmann Günther Platter will Sebastian Kurz aber keine Vorgaben machen.

Die Presse: Fast 45 Prozent für die ÖVP in Tirol – das ist ein Ergebnis, das normalerweise nur ein Tiroler Kandidat bei einer Landtagswahl schafft, aber nicht ein Wiener bzw. Niederösterreicher.

Günther Platter: Das ist wirklich erfreulich, was hier zustande gekommen ist. Das ist beachtlich.


Sie haben ja immer gesagt, in Tirol sei die Volkspartei schwarz. Sind die Tiroler Schwarzen jetzt doch auch türkis geworden?

Ich werde immer ein Schwarzer sein. Türkis oder Schwarz – das war in Tirol nie wirklich ein großes Thema. Es gibt eine gemeinsame Wahlbewegung und eine gemeinsame Gesinnung, um das geht es.


Rechnerisch geht sich eine Koalition zwischen ÖVP und Grünen auf Bundesebene aus. In Tirol gibt es sie ja schon. Können Sie Sebastian Kurz eine Zusammenarbeit mit den Grünen empfehlen?

Es ist gut, wenn es mehrere Koalitionsoptionen gibt. Überraschend ist, dass es auch mit den Grünen möglich ist. Jetzt geht es einmal darum, dass der Bundespräsident Sebastian Kurz den Auftrag zur Bildung einer Regierung gibt – und dann wird man sehen, wie's weitergeht. Wie ich Sebastian Kurz kenne, wird er mit allen Parteien Gespräche führen und schauen, mit wem inhaltlich am ehesten eine Zusammenarbeit möglich ist. Wichtig ist, dass es eine stabile Regierung für die kommenden fünf Jahre gibt.


Ihre Erfahrungen mit den Grünen in Tirol sind – wie?

Ich habe mit den Grünen sehr gute Erfahrungen gemacht. Aber man kann die Zusammenarbeit auf Landesebene nicht eins zu eins auf die Bundesebene umlegen. In Tirol haben neben der ÖVP auch die Grünen starke Zugewinne, das ist auch eine schöne Bestätigung für unsere Zusammenarbeit. Davon aber abzuleiten, wie die Koalition in Wien sein soll, wäre der falsche Schluss.


Welche andere Koalition halten Sie im Bund für möglich?

Heute ist einmal der Tag, um diesen einmaligen Wahlerfolg zu feiern. Wir werden mit unserem Bundesparteichef die nächsten Schritte beraten, jetzt schon eine Koalitionsansage zu treffen, ist eindeutig verfrüht.

Halten Sie eine Fortsetzung der Koalition mit der FPÖ nach den politischen Skandalen und nach den massiven Verlusten, die die FPÖ am Sonntag hinnehmen musste, noch für möglich? Haben die Wähler der FPÖ nicht eine klare Abfuhr erteilt?

Ich lasse mich jetzt in dieser Frage sicher nicht festlegen, es gehört sich auch nicht, dem Bundsparteiobmann hier etwas vorzugeben.


Aber Sie stehen einer neuerlichen Zusammenarbeit skeptisch gegenüber.

Ich habe da und dort meine Erfahrungen mit den Freiheitlichen gemacht. Aber ich will Sebastian Kurz nichts vorgeben.