Outdoor

Platz ist in der kleinsten Hütte

Biwaks, Baumhäuser, Berghütten, Luxuszelte: Der Bedarf ist da, und es gibt ansehnlichen Nachschub.

Es soll angeblich 72 Stunden dauern, bis der Urlauber das meiste hinter sich lässt, was ihn zuhause stresst. Das ist die Erkenntnis, die hinter dem Entwurf der 72 Hour Cabins im westschwedischen Dalsland steht (Architektur von Jeanna Berger). Nahezu selbsterklärend ist die positive Wirkung auf das Nervenkostüm, wenn Handy, Computer und vermeintliche digitale Verpflichtungen für ein paar Tage in einer Schublade verschwinden.

Hilfreich ist hier freilich die Lage des Domizils: So entlegen wie möglich, mit einer Netzabdeckung so gering, wie dem Erholungswert zuträglich. All das spricht für den Gebäudetyp einer Hütte, eines Zelts, eines Shelters in den Bergen. In nordischen Wäldern, auf französischen Wiesenidyllen, in alpinen Seitentälern und Gipfeln, an Seeufern und am Schärenstrand, ja selbst an eigentlichen Unorten kommen mittlerweile kleine Häuschen zu stehen, in denen der Bewohner auf Zeit genau eines tun soll: Nichts. Sofern Sterne beobachten, den Picknickkorb leer essen, dreimal am Tag baden, Pilze sammeln, Beeren brocken, lesen, dösen, schlafen nicht dazuzählen.

Romantisches Bedürfnis

Für Architekten und Designer sind gerade diese kleinen Volumina spannend: Hier muss auf kleinstem Raum praktisch, ergonomisch wie formschön und preisgünstig gedacht werden. Zugleich muss sich das Objekt mit der Lage arrangieren können, vor allem, wenn es die besten Plätze besetzt: Sich ins Gelände einpassen, Blickbeziehungen aufgreifen, die Natur nicht stören. Leicht beweglich sollten die Objekte sein, damit sie woanders Wurzeln schlagen können, unterwegs zu Orten mit neuer Aura. Aber auch, weil’s nicht so einfach ist mit der Bürokratie für eine Architektur, die mitunter so tut, als wäre sie nur die temporäre Erfüllung einer romantischen Idee.