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SPÖ-Bundesgeschäftsführer

Drozda tritt ab, Deutsch kommt

Die SPÖ macht Christian Deutsch zum Bundesgeschäftsführer.
Die SPÖ macht Christian Deutsch zum Bundesgeschäftsführer.(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Thomas Drozda geht als SPÖ-Bundesgeschäftsführer. Christian Deutsch folgt ihm nach, obwohl er als Wahlkampfleiter für das schlechteste Ergebnis der SPÖ aller Zeiten verantwortlich zeichnete.

Der erste Rücktritt ließ nicht lange auf sich warten. Keine 18 Stunden nachdem die erste Hochrechnung die Niederlage der SPÖ bei der Nationalratswahl aufzeigte - und damit das schlechteste rote Ergebnis bei einem bundesweiten Urnengang - verkündete Thomas Drozda seinen Abgang. „Ein Wahlergebnis wie gestern muss Konsequenzen haben“, sagte der bisherige SPÖ-Bundesgeschäftsführer. Nachfolger Drozdas wird Christian Deutsch. Das erfuhr „Die Presse“ am Montag aus SPÖ-Kreisen.

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Bestätigt wurde das Montagabend. Die entsprechende Entscheidung im Vorstand am Montag fiel einstimmig, wie Parteichefin Pamela Rendi-Wagner in einer Pressekonferenz im Anschluss berichtete. Dass die Wahl auf Deutsch fiel, überraschte. Er zeichnete als Wahlkampfleiter für das schlechteste Ergebnis der SPÖ aller Zeiten verantwortlich.

Deutsch gilt als enger Vertrauter der Zweiten Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) sowie von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Dessen Vorgänger Michael Häupl hatte ihn als Landesgeschäftsführer dereinst ausgetauscht. Rendi-Wagner ist mit ihm zufrieden. Sehr gut, sauber und strukturiert sei der von Deutsch organisierte Nationalratswahlkampf gewesen. Auch habe der neue Bundesgeschäftsführer Kenntnis über Parteistruktur und Parteileben und genieße zu 100 Prozent ihr Vertrauen.

Erneuerung der Partei „Gebot der Stunde"

Auch Deutsch selbst mangelt es nicht an Selbstvertrauen. Er freute sich, dass ein sehr starker inhaltlicher Wahlkampf gelungen sei: "Vielleicht hätten wir mehr Zeit gebraucht." Jetzt werde man nach dem Ergebnis aber nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen: "Die Erneuerung in der Partei ist ein Gebot der Stunde."

Rendi-Wagner kündigte dafür einen "Strukturanpassungsprozess" an, der rasch angegangen werde, aber wohl eine gewisse Zeit dauern werde. Eingebunden würden alle Teile der Partei: "Wir dürfen so gut wie keinen Tag verlieren, wenn es um die Zukunftsfitness der Sozialdemokratie geht."

Selbst denkt die Chefin nicht daran, das Handtuch zu werfen: "Unsere Themen waren die richtigen, weil sie die Probleme der Menschen in Österreich darstellen." Sie werde diesem Kampf treu bleiben: Österreich benötige dringend sozialen Ausgleich und sozialen Frieden: "Dafür braucht es eine Sozialdemokratie, egal in welcher Rolle."

Mandat „selbstverständlich“ annehmen

Drozda sagte, er wolle mit diesem Schritt einen Reformprozess in Gang setzen. Druck, sich von seinem Posten zu verabschieden, habe er nicht verspürt, betonte der scheidende Bundesgeschäftsführer. Vielmehr sei die Lage folgende: Er habe heute, Montag früh, die Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner über seinen Entschluss informiert. Die Spitzenkandidatin habe diesen zwar bedauert, aber angenommen. 

Ein völliger Abschied aus der Politik ist Drozdas Rückzug nicht; Sein Mandat im Nationalrat wird er „selbstverständlich“ annehmen, meinte er. Außerdem möchte er auch seine Tätigkeit als Kultur- und Mediensprecher weiter ausüben.

„Thomas Drozda hat mich heute Vormittag über seine persönliche Entscheidung informiert, sich als SPÖ-Bundesgeschäftsführer zurückzuziehen. Diese Entscheidung habe ich mit Bedauern zur Kenntnis genommen“, bestätigte am Vormittag Rendi-Wagner per Aussendung und bedankte sich für dessen „persönliches Engagement, sein Vertrauen und seine große Unterstützung“. Sie sei „froh und dankbar, dass er mir als Freund und Kollege sowie dem SPÖ-Parlamentsklub als Nationalratsabgeordneter mit seiner Erfahrung und Expertise erhalten bleibt“, meinte Rendi-Wagner weiter.

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(APA/Red./pri)