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Kritik

Staatsoper: Wenig Spannung in Paris

(c) Wiener Staatsoper/Michael Pöhn
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Aida Garifullina glänzte bei ihrem Debüt als Mimì in „La Bohème“ – in einer sonst eher schwachen Repertoireaufführung.

Beinah zwei Stunden durfte das Staatsopernpublikum am Sonntag warten, bis Puccinis melodienselige wie bewegungsreiche Edelmusik Tritt fasste. Mit nobler Distanziertheit und gepflegter Fadesse ging es davor in der Mansarde, im Café Momus und bei der Zollschranke in der Vorstadt zu. Na ja, die 438. Aufführung der einst legendären Zeffirelli-Inszenierung – oder: die Tristesse des Repertoire-Alltags, just beim Emotionsknüller „La Bohème“.

Atmosphäre und innere Spannung ziehen erst auf, als Aida Garifullina bei ihrem Mimì-Debüt zur Arie im dritten Akt kommt. Mit schlankem und bruchlos geführtem Sopran von dezentem Volumen spürt sie lyrische Qualitäten und innige Töne auf, um Mimìs Liebesdesaster zu skizzieren: Dem baldigen Tod geweiht ahnt sie, dass sie Rodolfo verlassen müsste, ehe beide an der Situation zugrunde gingen, ist aber nicht fähig, eine Entscheidung zu treffen und sie durchzuführen. Die gebürtige Tatarin Garifullina stellt mit Kontur und musikalischen Empfindungen eine bemitleidenswerte Figur auf die Bühne. In ihrer Karriere hat sie schnelle Schritte genommen: Studium bei Siegfried Jerusalem und an der Wiener Musik-Uni, Gewinnerin des Operalia-Gesangswettbewerbs und Aushängeschild eines neuen Wiener Ensembles, wo ihr jahrelang die Musetta gehörte. Dieses freche Flittchen singt nun die junge Australierin Bryony Dwyer – ebenso ein Rollendebüt wie bei Mihail Dogotari der Schaunard: beide bescheiden in einem Mix aus Nervosität und Überforderung.

Sonst wenig Aufregendes im Personal des Quartier Latin: überraschend schaumgebremst oder wenig engagiert Adrian Eröd als Marcello, Jongmin Park als Colline philosophiert gar in ermüdender Einheitslautstärke, der Garifullina fehlt vor allem ein Partner auf Augenhöhe. Dem geraden, uninteressanten Tenor von Jinxu Xiahou fehlt es für den Rodolfo an Schmelz und Farben ebenso wie an Attacke und Leidenschaft. Dirigent Louis Langrée versieht gediegen Dienst nach Vorschrift, aus Puccini wäre wahrlich mehr rauszuholen.