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Insolvenz

HTI-Interessenten stehen Schlange

Aus Aluminium, wie im Symbolbild, werden Gussteile für Autos hergestellt.
Aus Aluminium, wie im Symbolbild, werden Gussteile für Autos hergestellt.(c) Bloomberg
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Zehn Unternehmen sind an der insolventen HTI und ihrer Tochter Gruber & Kaja interessiert. Kommt es nicht zu einem Kauf, ist es das Ende für den einstigen Kelomat-Hersteller.

St. Marien/Wien Das Interesse an dem Auto- und Luftfahrtzulieferer HTI ist groß. Die Holding und ihre traditionsreiche Tochter Gruber & Kaja sind insolvent. Sie suchen händeringend nach einem Käufer.

Ganze zehn Unternehmen stehen Schlange für den Druckgussteile-Hersteller aus St. Marien bei Neuhofen. „Das hat uns positiv überrascht“, sagt der HTI-Masseverwalter Thomas Kurz zur „Presse“. Derzeit sichten die Interessenten die Geschäftsunterlagen. „Die Due-Diligence-Prüfung ist im vollen Gange.“

 

Interessenten aus ganz Europa

Wer die möglichen Käufer sind, wurde nicht genannt. In Frage kommt eine Reihe an Unternehmen aus Europa. Die Großen der Branche sind Rheinmetall, Georg Fischer Automotive, Brabant Aluscast. Blickt man auf die zweite Reihe, wäre Vioral in Griechenland eine Option. Wie die HTI ist TCG Unitech in Oberösterreich ansässig. Derzeit kann man nur spekulieren. Wer tatsächlich Interesse an der HTI hat, ist nicht bekannt.

Bei einem Kauf gibt es zwei Möglichkeiten. Einerseits könnte man sich nur das Filetstück Gruber & Kaja herausschneiden. Das Traditionsunternehmen stellte einst den beliebten Schnellkochtopf Kelomat her und ist das einzige operative Geschäft der HTI, die nur noch als Holding fungiert. Heute beliefert der Hersteller von Aluminium-Druckgusskomponenten vor allem die Automobilindustrie. Anderseits kann man die gesamte Gruppe erwerben. Dann könnten Verlustvorträge von mehr als 150 Millionen Euro steuerliche Vorteile für den Käufer bringen.

 

Aktie ist nur ein paar Cent wert

Veräußert wird ein Aktienpaket von 90,2 Prozent. Dieser Teil liegt in der Hand der HTI. Die restlichen 9,8 Prozent befinden sich im Streubesitz. Allerdings wurden die Aktien vom Handel ausgesetzt. „HTI war schon länger nur noch ein Pennystock“, sagt der Aktionärsschützer und IVA-Chef Wilhelm Rasinger zur „Presse“. Im August war eine HTI-Aktie nur noch 21 Cent wert. Zu ihren besten Zeiten kostete sie mehr als 71 Euro. „Die Aktionäre bekommen voll zu spüren, dass Aktien ein Risiko sind“, warnt Rasinger. „Für die Aktionäre wird wohl nichts übrig bleiben. Das ist ein bitterer Schlusspunkt.“

Ob es tatsächlich zu einem Kauf kommt, ist offen. Die Suche nach einem strategischen Investor hatte schon im vergangenen Jahr begonnen, war aber ohne Erfolg geblieben. Frisches Kapital wurde dringend gebraucht. Doch länger durchhalten ging nicht. Im August hatte das Herz der HTI aufgehört zu schlagen: Die HTI-Tochter Gruber & Kaja meldete sich insolvent und einige Tage darauf auch die Mutter selbst. Mit HTI muss Oberösterreich heuer seine größte Insolvenz verkraften.

 

Mitarbeiter warten auf Lohn

Bitter, vor allem für die etwa 200 Mitarbeiter. Sie arbeiten fleißig weiter, obwohl sie immer noch auf ihren Lohn für Juli warten. Diesen sollen sie in Kürze erhalten, stellt ein Sprecher der Arbeiterkammer Oberösterreich gegenüber der „Presse“ in Aussicht. Die offenen Löhne und Gehälter für August werden bis Ende dieser Woche beim Insolvenz-Entgelt-Fonds beantragt. Ein zähes Warten.

 

Zerschlagung droht

Bis zum 7. Oktober kann eine Absichtserklärung zum Kauf, der sogenannte Letter of Intent, abgegeben werden. Sollte sich keiner der Interessenten tatsächlich zu einem Kauf durchringen, wird das Unternehmen zerschlagen. Dann kommt es zu einer Einzelverwertung. Das bringt normalerweise weniger Erlös.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2019)