Wenig Einfluss

Kontroverse Studie: Ist rotes Fleisch doch nicht so ungesund?

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Zwischen Fleischkonsum und Krebs gebe es keinen signifikanten Zusammenhang, meinen Forscher. Im Allgemeinen sind Aussage darüber aber schwer, weil qualitativ hochwertige Studien fehlen.

Klimawandel, Tierleid und obendrein noch schlecht für die Gesundheit - Wurst und vor allem rotes Fleisch haben seit Jahren einen schlechten Ruf. 2015 stufte die WHO verarbeitete Fleischprodukte wie Wurst, Schinken und Speck als eindeutig "krebserregend" ein, rotes Fleisch als "möglicherweise krebserregend". Zudem begünstige hoher Fleischkonsum Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Eine neue Studie, die in dem Fachjournal "Annals of Internal Medicine" veröffentlicht wurde, widerlegt das. Der Fleischkonsum bzw. diesen einzuschränken habe nur wenig Einfluss auf die Gesundheit. Zu diesem Ergebnis kam eine internationale Gruppe an Medizinern, nachdem etliche Studien zu diesem Thema geprüft wurden.

Das Team der Forscher setzt sich aus Medizinern der kanadischen Universitäten Dalhousie und McMaster und Medizinern aus der spanischen und polnischen Cochrane-Zentren zusammen. Daraus formierte sich die Gruppe namens NutriREC, die es sich zum Ziel gesetzt hat, fundierte Ernährungsempfehlungen abzugeben. Doch das gestaltete sich aufgrund der Studienlage alles andere als einfach.

Studienlage sehr schlecht

Das 14-köpfige Team bewertete alle bis zum Juli 2018 erstellten Studien neu. Was Aussagen zum Thema schwer macht: Viele der Untersuchungen sind Beobachtungsstudien, bei denen es viele Störfaktoren gebe, so Forscher Bradley Johnston. Kausale Zusammenhänge seien damit schwer zu erstellen.

Viele der 13.000 erstellten Studien hatten methodische Mängel. So ging in vielen etwa nicht klar hervor, ob die Menschen wirklich an Krebs erkrankten oder einen Herzinfarkt bekamen, vielmehr wurden lediglich die Blutfettwerte gemessen. Außerdem wurde nicht immer zwischen rohem und verarbeitetem Fleisch differenziert.

Zusammenhang zwischen Fleisch und Krebs

Das Team kam zu dem Schluss, dass es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Krebs, Diabetes oder Herzkrankheiten gebe. Wenn 1000 Menschen jede Woche drei Portionen weniger Fleisch essen, dann sterben nur sieben weniger als bisher an Krebs, rechnen die Experten vor.

Darüber hinaus wurde bewertet, wie sich der Fleischkonsum oder der Verzicht auf Fleisch auf das Wohlbefinden der Menschen auswirkt. Dabei kam man zu dem Schluss, dass gesunde Menschen weiterhin so viele Fleischprodukte essen sollten, wie sie es bisher getan haben und sich nicht einschränken lassen sollten.

Fleisch bedeutet fast immer ungesunde Ernährung

Was bei der Untersuchung auch klar wird, ist die Tatsache, dass die Studienlage schlecht ist und man diesen kaum vertrauen kann. Hochwertige Studien gibt es selten, weshalb auch die Forscher ihre Ergebnisse, als unsicher einschätzen. Die veröffentlichte Arbeit soll deshalb vor allem ein Plädoyer für bessere Ernährungsstudien sein.

Unbeteiligte Experten sehen die Aussage kritisch. So etwa Bernhard Watzl, Leiter des Instituts für Physiologie und Biochemie der Ernährung am Max Rubner-Institut im Interview mit dem "Tagesspiegel": "Es gibt so viele wissenschaftliche Beweise, dass ein Ernährungsmuster mit viel Fleisch das Risiko für Dickdarmkrebs, Herzkrankheiten und Diabetes erhöht", meint er. Zwar sei unklar, ob das tatsächlich am Fleisch liege, aber Personen, die sehr viel Fleisch essen, würden sich eher ungesund ernähren. "Viel Fleisch bedeutet in 95 Prozent der Fälle eine ungesunde Ernährung."

>> Studie im Fachjournal "Annals of Internal Medicine"

>> Artikel im „Tagesspiegel"

(chrile)