Energie

Saudi Aramco lockt mit Milliarden

Einen Vorsteuergewinn von 92,5 Mrd. Dollar erzielte Saudi Aramco nur im Halbjahr.
Einen Vorsteuergewinn von 92,5 Mrd. Dollar erzielte Saudi Aramco nur im Halbjahr.(c) APA/AFP/FAYEZ NURELDINE

Der jüngste Drohnenangriff torpedierte auch die Börsenpläne des weltgrößten Ölkonzerns. Nun will Saudi Aramco Investoren mit einer Milliardendividende Appetit machen.

Wien. Als am 14. September mehrere Drohnen der vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen zwei Ölförderanlagen in Saudiarabien attackierten und teilweise zerstörten, war das für die globale Wirtschaft ein Schock. Innerhalb von wenigen Minuten wurde der größte Ölproduzent des Nahen Ostens um rund die Hälfte seiner Förderkapazität beraubt, der Ölpreis stieg kurzfristig um bis zu 20 Prozent an.

Auf dem Ölmarkt hat sich die Lage inzwischen zwar wieder beruhigt. Der Preis für das schwarze Gold liegt mit knapp 60 Euro je Fass wieder auf jenem Niveau, das er in den Tagen vor dem Angriff hatte. Auf Saudi Aramco, den staatlichen saudischen Ölkonzern, dem die betroffenen Anlagen gehören, hat die Attacke aber nach wie vor große Auswirkungen.

 

Börsengang wohl erst 2020

Nicht nur, dass die Reparaturarbeiten an den Anlagen noch länger nicht abgeschlossen sind. Noch schmerzhafter ist der internationale Vertrauensverlust in die Versorgungssicherheit von Saudi Aramco. Und das just zu einem Zeitpunkt, zu dem der Konzern einen Börsengang anstrebt.

Noch im November hätte die Erstnotiz an der lokalen Börse in Riad erfolgen sollen, hieß es Anfang September. Kommendes Jahr wollte Saudi Aramco dann auch an eine internationale Börse – mutmaßlich London. Diese Pläne sollen nun aber wieder auf Eis gelegt sein. Bevor es zu einem IPO kommen könne, müsse das Vertrauen der potenziellen Investoren wieder hergestellt werden. Und dabei setzt der größte Ölkonzern der Welt anscheinend auf die schiere Macht großer Zahlen. So veröffentlichte Saudi Aramco nun eine Firmenpräsentation. Und aus dieser geht hervor, dass das Unternehmen heute schon plant, im Jahr 2020 eine Dividende in der Höhe von 75 Mrd. Dollar (68,9 Mrd. Euro) an die Anleger auszuschütten. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung des gesamten österreichischen Leitindex ATX beträgt derzeit knapp 95 Mrd. Euro. Der größte ATX-Einzelwert, der Verbund, ist etwa 26 Mrd. Euro wert.

Aber nicht nur 2020 soll sich ein Geldregen über die Investoren ergießen, verspricht Saudi Aramco. „Sollten in den Jahren 2020 bis 2024 die jährlichen Dividenden unter 75 Mrd. Dollar liegen, werden die privaten Investoren bei der Auszahlung priorisiert und erhalten ihren Anteil von einer hypothetischen 75-Mrd.-Dollar-Dividende“, heißt es. Der saudische Staat würde in einem solchen Fall auf einen Teil seiner Dividendenzahlung verzichten. Liegt die Gesamtdividende jedoch über der 75-Mrd.-Dollar-Grenze, würden die privaten Anleger ihre Gewinnausschüttung anteilig erhalten.

 

Zwei Billionen Dollar wert?

Mit dieser Ankündigung versucht Saudi Aramco die jüngsten Zweifel an der Firmenbewertung zu zerstreuen. So ist in erster Instanz geplant, lediglich fünf Prozent des derzeit noch vollständig staatlichen Unternehmens an die Börse zu bringen. Der Staat erwartet sich dafür einen Erlös von 100 Mrd. Dollar, was einer Gesamtbewertung von zwei Billionen Dollar entspricht.

Wie ertragreich das Unternehmen trotz aller globalen Klimaschutzmaßnahmen nach wie vor ist, zeigen die im August publizierten Halbjahreszahlen. So wurde bei einem Umsatz von 146,9 Mrd. Dollar ein Vorsteuergewinn von 92,5 Mrd. Dollar erzielt. Und auch unterm Strich blieb ein Gewinn von 46,9 Mrd. Dollar, der heuer wohl großteils als Dividende an Saudiarabien fließen wird. Das Land hat dabei aber bereits 70,7 Mrd. Dollar an Steuern und Gebühren eingehoben. Im Halbjahr, wohlgemerkt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2019)

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