150. Geburtstag

Gandhi, der Radikalist des Guten

Der Mann, der die Inder gewaltfreien Widerstand lehrte, taugt nicht zum säkularen Heiligen: über Gandhi, den fremden Helden.

Immer noch prägt der Gandhi, den Richard Attenborough 1982 in die Welt gesetzt hat, unser Bild von der historischen Person: ein Heiliger kurzum, mit dem Gesicht von Ben Kingsley. Oft wurde die Ikone seitdem angekratzt, besudelt wie die indischen Gandhi-Denkmäler von hinduistischen Nationalisten. Im Westen berühmt wurde vor allem die Attacke der Schriftstellerin Arundhati Roy: Ein „Heiliger des Status quo“ sei dieser Mann gewesen, warf sie ihm 2014 vor, weil er das indische Kastensystem nicht völlig stürzen wollte. Somit gründe seine Lehre der Gewaltlosigkeit, folgerte Roy, „auf einem Fundament von dauernder, brutaler, extremer Gewalt“.