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Kommentar

Wie sich Rendi-Wagner selbst ausbremst

Der neue Parteimanager steht für alte Politik.

Menschen, die Christian Deutsch gut kennen, sagen, er sei erstens fleißig. Und zweitens ein „Urgestein“. Oder weniger nett: ein „Apparatschik“. Vermittelt so jemand einer Partei-Chefin, die noch immer neu ist, Sicherheit? Vermutlich.

Aber die Bestellung eines Parteimanagers nach so einer Niederlage ist kein Wohlfühl-Programm, sondern ein Signal. Was also sagt Pamela Rendi-Wagner, wenn sie die Funktionäre mit jemandem überrumpelt, der nicht nur nur für den vergangenen Wahlkampf steht, sondern auch für vergangene Politik: die Ära Faymann, den Konflikt zwischen Spitze und Basis?

Rendi-Wagner hat bis jetzt versucht, es allen Gruppen in Partei und Wählerschaft recht zu machen. Schnitzel für jeden, Klimaschutz, nur wenn es nicht weh tut. Doch irgendwann muss sich die Parteichefin selbst „von der Leine lassen“ (die nun dezent von der Deutsch-Vertrauten Doris Bures geführt wird). Sie muss zumindest versuchen, das, was sie – auch laut Kritikern – verkörpert, mit Leben zu füllen: eine jüngere, moderne SPÖ. Eine, die wirkt, als hätte sie mit dem echten Leben der Menschen zu tun. Dazu braucht es Menschen, die das mittragen, eine Partei, die loslässt – und eine Jugend, die mehr zu bieten hat als die reine Wiener Lehre oder tiefe Schmähs, made in Tirol.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2019)