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Analyse

Strompreis: Österreich acht Prozent teurer als Deutschland

THEMENBILD: WINDKRAFT IM BURGENLAND
Strom wurde teurerAPA
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Ein Jahr nach der Strompreiszonentrennung zeigt sich hierzulande ein höherer Strompreis als beim Nachbarn. Für die Konsumenten spürbar haben 70 Lieferanten ihre Energiepreise erhöht.

Mit der Strompreiszonentrennung vom 1.Oktober 2018 bilden Österreich und Deutschland kein gemeinsames Marktgebiet mehr im Stromgroßhandel. „Durch die Trennung ist es Stromlieferanten und -händlern in Österreich nicht mehr ohne Einschränkungen möglich, in Deutschland Strom zu kaufen oder zu verkaufen“, erklärt Karina Knaus von der Österreichischen Energieagentur. Der wesentliche Grund für die Trennung liegt in den überregional nicht ausreichend ausgebauten Stromleitungen.

Die Österreichische Energieagentur hat nun analysiert, wie sich die Strompreiszonentrennung in den ersten zwölf Monaten auf die Strompreise in Österreich ausgewirkt hat.

Der Preisunterschied zwischen Österreich und Deutschland betrug im Schnitt 3,40 Euro pro Megawattstunde, das ist ein Plus von acht Prozent“, analysiert Knaus den Day-Ahead-Markt, unter dem man den Handel von Strom für den folgenden Tag versteht. Auffallend dabei ist eine starkes Sommer-Winter Gefälle.

In Österreich werden rund 57 Prozent des Stromes mit Wasserkraft erzeugt. Dabei gibt es ausgeprägte saisonale Schwankungen. In den Wintermonaten ist eine weitaus schwächere Produktion erkennbar, die durch eine intensivere Nutzung von fossilen Energieträgern, die primär auf Erdgas beruht, ausgeglichen wird. In Deutschland werden hingegen fossile Energieträger noch immer in erheblichem Ausmaß zur Stromproduktion genutzt, wodurch es weniger starke saisonale Schwankungen als in Österreich gibt. Gleichzeitig ist der Wind- und Solarstromsektor in Deutschland bereits weit stärker ausgebaut und trägt in umfangreichem Ausmaß zur Stromproduktion bei, ist jedoch auch für Erzeugungsspitzen verantwortlich.

„Wie sich die Preisdifferenzen im Großhandel zwischen Österreich und Deutschland in der kalten Jahreszeit entwickeln werden, hängt also wesentlich davon ab, wie sich die Erzeugung aus Wind-, Wasser- und Sonnenkraft in den beiden Ländern entwickeln wird“, so Knaus.

Strompreise im europäischen Vergleich:

220 Mio. Euro Mehrkosten für Österreich

Durch die Trennung der Strompreiszonen ergaben sich in Österreich „hypothetische“ Mehrkosten von rund 220 Millionen Euro. Das generell höhere Strompreiseniveau im Großhandel ist auch bereits bei den österreichischen Haushalten angekommen: Seit Oktober 2018 erhöhten über 70 Lieferanten ihre Netto-Energiepreise (reine Energiekosten ohne Netzkosten sowie Steuern und Abgaben) zwischen 5 bis 54 Prozent. Das ergibt eine Erhöhung von 17 bis 126 Euro beim Brutto-Gesamtpreis für einen typischen Haushalt pro Jahr.

Auch am Terminmarkt, auf dem mit Strom für einen späteren Zeitpunkt gehandelt wird, zeigte die Strompreiszonentrennung Auswirkungen. „Mit Beginn der Preiszonentrennung ist in Österreich ein neuer Markt entstanden. Dieser war insbesondere in den ersten Monaten durch eine deutliche Preisdifferenz zu Deutschland und durch stark eingeschränkte Liquidität – vor allem am Terminmarkt – geprägt“, fasst Expertin Knaus zusammen.

(red./herbas)

 

(red./herbas)